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Gaswerk Mockritz wird zum Wohnhaus

Die Arbeiten an dem versteckten Industriebau haben begonnen. Es ist schon der zweite Versuch.

© Visualisierung: MDU Gruppe

Von Nora Domschke

Steinkohlegaswerk, Gewerbehof, Mehrfamilienhaus – nach gut 110 Jahren bekommt das markante Gebäude des alten Mockritzer Gaswerks nun noch einmal eine ganz neue Nutzung. Seine schöne Optik ist wohl die Rettung für das historische Industriegebäude am Dresdner Stadtrand. Denn es steht unter Denkmalschutz. Im äußersten Dresdner Süden, verborgen hinter einem Hügel und dadurch auch für jene Menschen versteckt, die häufig in Mockritz unterwegs sind, wurde 1907 das Gaswerk gebaut. Mit den Rundbogenfenstern und geschwungenen Giebeln ist es ein Kleinod, das nun durch den Umbau zum Wohnhaus erhalten bleibt.

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Investor Oliver May hat das architektonische Kleinod in Mockritz vor zwei Jahren gekauft. Bis auf die Gebäudehülle ist vom einstigen Gaswerk nicht viel erhalten.
Investor Oliver May hat das architektonische Kleinod in Mockritz vor zwei Jahren gekauft. Bis auf die Gebäudehülle ist vom einstigen Gaswerk nicht viel erhalten. © René Meinig

Dabei ist es nicht der erste Anlauf, dem ehemaligen Fabrikgebäude wieder Leben einzuhauchen. Bereits 2013 startete ein Investor den Versuch – allerdings mit aufwendigen Umbauten, ausschließlich großen Wohnungen, sogar zwei Teichen. Warum das Konzept letztlich nicht aufging, weiß der neue Eigentümer nicht. Nur, dass die Immobilie 2015 zum Verkauf stand. Oliver May nutzte vor zwei Jahren die Chance. Nun investiert er mit seinem Meißner Unternehmen, der MDU Holding GmbH, mehr als drei Millionen Euro in den Standort an der Babisnauer Straße 30.

Insgesamt zwölf Mietwohnungen, jeweils zwischen 86 und 124 Quadratmeter groß, sollen entstehen. May rechnet damit, dass im Herbst 2018 die ersten Mieter ihre neuen vier Wände beziehen können. Allerdings birgt das alte Gebäude nun erst einmal die eine oder andere Tücke, die vorher nicht absehbar war. Beim Öffnen der Bodenplatte offenbarte sich kürzlich, dass das Haus auf einer Schuttfläche gebaut wurde. „Um den Belastungen eines Wohnhauses standzuhalten, müssen wir das Fundament mit Bohrpfählen stabilisieren.“ Nun kommen 90 Stück sechs Meter tief in die Erde. Erst dort stießen die Bauexperten auf felsigen Untergrund.

Ansonsten deutet in dem leer stehenden Gebäude noch nicht viel auf die künftige Wohnnutzung hin. Fest steht, dass die Klinkerfassade erhalten bleiben muss. „Die Wärmedämmung muss deshalb von innen an die Wände angebracht werden“, erklärt May. Die Denkmalschützer fordern zudem, dass ein Teil der Stahlkonstruktion des Daches als Reminiszenz an den alten Industriebau erhalten bleibt. Zwischen den beiden höheren Gebäudeteilen wird ein Neubau aufgesetzt, sodass insgesamt drei Etagen entstehen. Im Erdgeschoss gehört jeweils ein Teil des Gartenbereichs zu den Wohnungen, im oberen Teil entstehen in Höhe des Neubaus Balkone. Auch die Garagen im südlichen Bereich des Grundstücks bleiben. Weil das Gebäude keinen Keller hat, haben die Mieter in den neun Garagen Platz, um Dinge einzulagern. Zudem werden neun Pkw-Stellplätze gebaut. Ein halbes Jahr, bevor die Sanierung und der Umbau fertig sind, soll die Vermietung der Drei- und Vierraumwohnungen beginnen, also im Frühsommer 2018. Fünf Interessenten gebe es bereits, so May.

Die künftigen Bewohner werden in Gemäuern wohnen, die Geschichte atmen. Das Steinkohlegaswerk versorgte Anfang des 20. Jahrhunderts Mockritz und elf weitere Orte mit Leuchtgas, das für Lampen auf Straßen und in Wohnungen genutzt wurde. Schon 1922 wurde der Betrieb wieder eingestellt, als Mockritz nach Dresden eingemeindet wurde. Aufgrund der für einen Industriebau recht anspruchsvollen Gestaltung überdauerte das Haus die Jahrzehnte. Weil es immer genutzt wurde, ist die Bausubstanz noch gut erhalten.

Wer noch einen Blick in das unsanierte Gaswerk erhaschen will, hat dazu an diesem Sonntag zum Tag des offenen Denkmals Gelegenheit. Dann ist auch der Architekt vor Ort, um die einzelnen Umbauten zu erklären.