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Gauck fordert mehr Transparenz im Sozialwesen

Die Wohlfahrt hat nach Einschätzung des Bundespräsidenten einen Boom erlebt - und ist zu einer Branche geworden. Zeit, ein wenig gegenzusteuern, meint Joachim Gauck.

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© dpa

Leipzig. Bundespräsident Joachim Gauck hat sich für mehr Transparenz im Sozialwesen ausgesprochen.

Es müsse „eine Debatte um den besten Einsatz der Mittel geben“, sagte Gauck am Dienstag zur Eröffnung des 80. Deutschen Fürsorgetages in Leipzig. „Ich bin überzeugt, dass eine Transparenzoffensive der Sozialbranche sehr viel mehr nutzen als schaden würde. Vielleicht würde die Anzahl gut gemeinter Maßnahmen ohne konkret nachweisbare Wirkung ein wenig abnehmen.“

Seit den 1990er Jahren habe der Sozialsektor eine Ökonomisierung und Professionalisierung erlebt. Betriebswirtschaftliche Methoden hätten Einzug gehalten - was durchaus auch Vorteile gebracht habe.

„Die Wohlfahrt ist zur Wachstumsbranche geworden. Das ist natürlich eine gute Nachricht für jeden Jugendlichen, der den erhofften Platz im betreuten Wohnen erhält, und für jede Frau, die in der Not im Frauenhaus Zuflucht findet“, sagte Gauck.

Allerdings werde das Wachstum in der Bevölkerung auch kontrovers diskutiert - und genau deswegen müsse man genauer hinschauen, wie das Geld ausgegeben werde. „Vielleicht würde das Wachstum des Sozialsektors zielgenauer ausgerichtet und manchmal auch punktuell korrigiert werden. Aber der Saldo wäre positiv!“, sagte Gauck. „Und wahrscheinlich würde es mehr Bürgerinnen und Bürger geben, die ihre Steuern mit dem Gefühl zahlen: „Das ist richtig so. Das kommt unserem Land zugute.“

Beim dreitägigen Fürsorgetag diskutieren noch bis zum Donnerstag rund 2 000 Fachleute unter dem Motto „Teilhaben und Teil sein“ Entwicklungen der Sozialpolitik. Dabei gibt es verschiedene Symposien und rund 40 Workshops. Veranstaltet wird der Fürsorgetag vom 135 Jahre alten Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge. (dpa)