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Gaucks Kritik polarisiert türkische Presse

Die deutliche Kritik des Bundespräsidenten an Demokratiedefiziten in der Türkei hat in der örtlichen Presse ganz unterschiedliche Reaktionen ausgelöst.

Istanbul. Die deutliche Kritik von Bundespräsident Joachim Gauck an Demokratiedefiziten in der Türkei hat die örtliche Presse polarisiert. Regierungstreue Blätter griffen Gauck am Dienstag an oder verschwiegen dessen Kritik.

Zeitungen, deren Kurs eher gegen die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan gerichtet sind, berichteten dagegen neutral bis freundlich über die offenen Worte. Fast alle großen Zeitungen widmeten der am Montag geübten Kritik Gaucks Platz auf ihren Titelseiten und größere Artikel im Innenteil.

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Die für ihre Krawall-Berichterstattung bekannte Pro-Erdogan-Zeitung „Takvim“ schrieb: „Der deutsche Staatspräsident Joachim Gauck hat vergessen, dass sein Land ein Polizeistaat ist. In der Manier eines Kolonialherren maßt er sich an, in Ankara eine Demokratielektion zu erteilen.“ Die Zeitung „Yeni Safak“ warf Gauck vor, sich mit oppositionellen Parteien gemeingemacht zu haben: „Er sprach wie die Opposition.“

Die Zeitung „Star“ lobte Gaucks türkischen Amtskollegen Abdullah Gül: „Dem unüberlegt redenden Gauck hat Gül die Antworten gegeben.“ Die Zeitung „Sabah“ widmet sich vor allem der Kritik Gaucks und Güls an den Todesurteilen gegen 683 Mitglieder der islamistischen Muslimbruderschaft in Ägypten. Auf die Kritik des Bundespräsidenten an der türkischen Regierung ging sie nicht ein.

Die regierungskritische Zeitung „Zaman“ zitierte als Überschrift indirekt und recht frei aus der Rede Gaucks in Ankara: „Warum mischt sich die Regierung in die Justiz und in die Medien ein?“ Die „Hürriyet“ nahm Gaucks „Demokratiefragen“ auf - etwa, ob es notwendig sei, Twitter und YouTube zu blockieren.

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Mit Blick auf die aus seiner Sicht belehrenden Worte des früheren Pfarrers Joachim Gauck sagte der türkische Ministerpräsident „Anscheinend denkt er immer noch, er wäre ein Priester.“

Die englischsprachige Schwesterzeitung „Hürriyet Daily News“ erschien mit der Titelzeile: „Gauck hat Fragen zur türkischen Demokratie“. Die unabhängige Zeitung „Taraf“ schrieb angesichts der klaren Worte von einem „Gauck-Erdbeben in Ankara“. (dpa)