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Gauner lassen Autohändler fürchten

Regelmäßig schlagen Diebe rund um die Bismarckstraße in Dresden zu. Die Polizei rät zu teurer Technik. Nur halten die Opfer davon wenig.

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© Sven Ellger

Von Tobias Hoeflich

Bei Martin Mösch herrscht dieser Tage besonders großer Andrang. Doch nicht nur Kunden sind es, die in seiner Werkstatt an der Bismarckstraße ihr streikendes Gefährt reparieren lassen. Auch Vertreter von Sicherheitsfirmen gehen ein und aus, wollen dem Kfz-Meister ihre Alarmanlagen andrehen. Gerade ist wieder einer da gewesen. „Das war jetzt schon der Dritte“, stöhnt Mösch.

Wenige Tage zuvor sind Unbekannte nachts in seiner Werkstatt eingebrochen. Über ein Fenster im Hinterhof gelangten sie in die Werkhalle, klauten den VW Touran eines Kunden und nahmen noch Werkzeug und eine Kamera aus dem Büro mit. Auf knapp 30.000 Euro schätzt Mösch den Schaden. „Als ich am Morgen danach auf Arbeit ging, hab ich schnell gemerkt, dass etwas nicht stimmt.“

Seit 50 Jahren gibt es den Betrieb an der Bismarckstraße. Bis auf einen Golf, der kurz nach der Wende geklaut wurde, blieb Mösch bisher von Dieben verschont. Dafür traf es ihn nun umso härter. Sofort hat der 46-Jährige den Kunden angerufen, dessen Touran über Nacht verschwand. „Er hat es relativ gefasst aufgenommen“, sagt Mösch. Weil er seine Obhutspflicht nicht verletzt hat, trifft ihn keine Schuld. Der VW-Besitzer wird auf seine Versicherung hoffen müssen. Mösch ebenso: Fehlendes Werkzeug und ein kaputter Zaun stehen bei ihm zu Buche. „Mal sehen, wie viel von dem Schaden übernommen wird.“

Der Vorfall im Autohaus ist kein Einzelfall im Niedersedlitzer Gewerbegebiet. Rings um die Bismarckstraße, wo vor allem Werkstätten und Autohändler angesiedelt sind, treiben auch Kriminelle regelmäßig ihr Unwesen. Acht Einbrüche hat die Polizei allein 2013 registriert, die Hälfte davon konnte aufgeklärt werden. Zusätzliche Streifen werden hier aber nicht eingesetzt, erklärt Dresdens Polizeisprecher Thomas Geithner. „Das Gewerbegebiet ist für die Dresdner Polizei kein örtlicher Schwerpunktbereich oder besonders gefährdetes Gebiet.“ Einbrüche würden sich auf die gesamte Stadt verteilen – ohne eine örtliche Konzentration.

Der Polizeisprecher empfiehlt Firmeninhabern, ihre Werkstätten diebstahlsicher zu machen. Denkbar seien Alarmanlagen oder Bewegungsmelder, womöglich auch ein privater Sicherheitsdienst. „Das wird aber immer mit Kosten verbunden sein“, so Geithner. Doch auch einfache Dinge wie eine bessere Beleuchtung in der Nacht könnten hilfreich sein.

Alles zwecklos, findet Helge Treuhart. Auch in seinem Gebrauchtwagenhandel, wenige Meter von Möschs Werkstatt entfernt, steigen Diebe regelmäßig ins Büro. „Die kommen meist von den Bahnschienen und kappen die Stromleitung. Dann nützt die Alarmanlage auch nichts.“ Die Zahlen der Polizei mag der Saxomobil-Chef nicht so recht glauben. Allein bei ihm sind Diebe mindestens zwei-, dreimal im Jahr vor Ort, zuletzt im Herbst 2013.

Aufgeklärt werden die Einbrüche nur selten. Einmal erst habe das bei ihm geklappt, sagt Treuhart. „Meistens bekommt man Wochen später ein Schreiben, dass das Verfahren eingestellt wurde.“ Schon seit Ende der 90er-Jahre verkauft er auf der Mügelner Straße Gebrauchtwagen. Immer öfter würden die Kriminellen kommen. „Das ist eine unendliche Geschichte. Und die Polizei ist machtlos.“

Meist ist bei Treuhart nur im Büro eingebrochen worden. Oder ein paar Autoreifen wurden abgeschraubt. „Harmlose Sachen“ nennt er das. Der Firmenchef will deshalb auch nicht fortziehen. Genauso wie Martin Mösch. Die Hoffnung aufgeben, dass die Gauner geschnappt werden, will er noch nicht – auch wenn es bisher keine heiße Spur gibt. Eine Alarmanlage wird der Kfz-Meister sich vorerst wohl nicht kaufen. „Je mehr man den Laden sichert“, sagt Mösch und seufzt, „umso mehr machen die Einbrecher dann auch kaputt.“