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Gazprom droht mit Lieferstopp

Der russische Energieriese setzt die Ukraine erneut unter Druck. Nach Westeuropa über die Ostsee-Gas-Pipeline läuft der Betrieb jedoch normal.

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Moskau. Mitten in der Krim-Krise hat der russische Gazprom-Konzern der proeuropäischen Regierung in der Ukraine erneut mit einem Stopp der Lieferungen gedroht - wegen offener Rechnungen. „Entweder begleicht die Ukraine ihre Schulden, oder es besteht das Risiko, dass wir zu einer so kritischen Lage wie 2009 zurückkehren“, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller am Freitag in Moskau. Gazprom hatte damals die Lieferungen im Winter eingeschränkt, davon waren mehrere EU-Länder betroffen. Die Ukraine ist das wichtigste Transitland für russisches Gas nach Europa. Miller bezifferte die Schulden der Ukraine auf rund 1,37  Milliarden Euro.

Miller zufolge hat die Ukraine die Zahlungen für Gas faktisch eingestellt. Der 7. März sei für Kiew der festgelegte Stichtag zur Begleichung der Gaslieferungen für den Monat Februar. „Wir können Gas nicht umsonst liefern“, sagte er. Die Ukraine müsse ihre Schulden und die Rechnungen für die laufenden Lieferungen bezahlen.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger hatte am Dienstag erklärt, dass die Europäische Union der Ukraine bei der Begleichung ihrer Gasschulden an Russland helfen werde. Eine Unterbrechung der Gaslieferungen an die Ukraine hätte starke Auswirkungen auf die EU. Russland liefert rund ein Viertel des in Europa verbrauchten Erdgases. Die Lieferungen laufen zum Teil über Pipelines in der Ukraine.

Auf der Direktverbindung nach Westeuropa über die Ostsee-Pipeline Nord Stream hingegen führten die Spannungen zwischen Russland und der EU bisher zu keiner Veränderung der Gaslieferungen. Derzeit sei die Leitung zu 61 Prozent ausgelastet, sagte ein Sprecher der Nord Stream AG. Das liege innerhalb der technisch bedingten Schwankungsbreite. „Es gibt keine Anzeichen, dass Gazprom den Gasstrom drosseln wird“, hieß es. Die 1224 Kilometer lange Gasleitung zwischen Wyborg und Lubmin war im November 2011 in Betrieb genommen worden.

Die EU hatte am Donnerstag erstmals seit dem Ende des Kalten Krieges einen mehrstufigen Sanktionsplan gegen Moskau beschlossen. (dpa)