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Geburtstagsgeld fürs Kamelien-Haus

Ex-Bürgermeister Armin Zill ist 70 geworden. Statt Geschenken wünschte er sich Spendengeld. Die Gäste waren spendabel.

© André Braun

Von Tina Soltysiak

Roßwein/Böhrigen. Es ist eine lockere Plauderrunde im Roßweiner Heimatmuseum: Der Striegistaler Ex-Bürgermeister Armin Zill hat sich angekündigt. Am 9. September ist er 70 Jahre alt geworden. „Weil ich alles habe, was ich brauche, habe ich meine Gäste gebeten, anstelle von Geschenken lieber Geld für das Kamelien-Haus zu spenden“, erzählt er.

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Dabei ist ein stolzes Sümmchen zusammengekommen, das er gemeinsam mit seiner Frau Christine am Mittwochvormittag an den Heimatverein übergeben hat. „In diesem Umschlag sind 800 Euro“, sagt er an Martina Thiele und die übrigen Mitglieder gewandt. Die sind baff. „So etwas kommt selten vor. Wir freuen uns natürlich sehr darüber, können das Geld schließlich gut gebrauchen“, sagt Thiele. Denn eine Hälfte des Daches des Kamelien-Hauses muss noch erneuert werden. „Im vergangenen Jahr haben wir die eine Hälfte sowie den Giebel hergerichtet“, erzählt sie.

Das hat den Verein rund 11 000 Euro gekostet. Die Anschaffung der übrigen neuen Dreifachverglasung werde vermutlich nicht ganz so teuer, so Martina Thiele. „Aktuell haben wir etwa 6 000 Euro Spenden zusammen. Wir schauen mal, wie die neue Saison, die vom 20. Januar bis 25. März geht, läuft. Vielleicht können wir dann schon im nächsten Jahr mit dem Bau beginnen und nicht erst 2019“, sagt sie.

Armin Zill ist regelmäßiger Gast in der Heimatstätte der Roßweiner Kamelie. „Ich habe in meiner früheren Jugend Gärtner gelernt und mein Herz schlägt für die Kamelie. Und da der Verein das Geld sicherlich gut gebrauchen kann, habe ich mich für diesen Geburtstagswunsch entschieden“, begründet er. Drei Jahre hat seine Ausbildung zum Gärtner im Sortenamt in Nossen gedauert. „Ich habe aber nur drei Monate in diesem Beruf arbeiten können, bevor ich zur Armee eingezogen worden bin“, erzählt er. Gern hätte er danach in einer Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft angefangen. „Aber es war schwer, da reinzukommen. Und ansonsten gab es für Gärtner zu DDR-Zeiten nur einen Hungerlohn: 398 Ostmark. Davon konnte man keine Familie ernähren“, erinnert er sich. Stattdessen arbeitete er im Böhrigener Betriebsteil des Agrochemischen Zentrums Altmittweida.

Dann kam die Wende – und Zill verschlug es in die Politik. Unfreiwillige und unverhofft. „Damals wählte der Gemeinderat noch den Bürgermeister. Keiner wollte den Job machen. Ich wurde gewählt. Wir haben das im Familienrat besprochen. Meine Frau hat mir immer den Rücken freigehalten, sonst wäre das nicht gegangen“, erinnert er sich. 2008 setzte er sich schließlich zur Ruhe.

Obwohl Ruhe relativ sei. „Mir wird nie langweilig. In Böhrigen nennt man mich den Holzmichl“, sagt er. Denn weil er zu Hause eine Holz-Pellet-Heizung hat, braucht er immer Feuerholz. „Wenn der Förster was im Angebot hat, bin ich im Wald. Die Holzstapel bei uns zu Hause werden immer höher“, sagt er. Rund ums Haus habe er sich zudem einen kleinen Garten mit vielen Blumen angelegt. „Die Leidenschaft fürs Gärtnern ist bis heute geblieben“, sagt Armin Zill. Auch seine Karnickelzucht hat er noch.

Früher ist er nach Feierabend mit seinen zwei Frettchen an der Leine spazieren gegangen. Die gibt es mittlerweile nicht mehr. Doch Graupapagei Bruno ist geblieben. „Er ist wie unser Enkelchen. Ein richtiges haben wir noch nicht“, sagt er schmunzelnd. Bruno ist im Dezember 1999 geschlüpft und gehört seitdem zur Familie.

Spendenkonto Heimatverein Roßwein: DE15 8605 5462 0031 0313 71