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Gedanken über die Zukunft

WG Fortschritt, RHG und VR-Bank sind wirtschaftlich erfolgreich – auch wenn das schwerer wird.

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© Dietmar Thomas

Von Jens Hoyer

Döbeln. Siegfried Zschockelt war am Dienstag aus Altenberg angereist, um sich ins Goldene Buch der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt einzuschreiben. Wenn er nicht gerade mit seiner Frau Wintercamping auf dem Erzgebirgskamm betreibt, packt der 79-jährige ehemalige Maler bei der Genossenschaft mit an. Dort ist er seit 1958 Mitglied. Er hat unter anderem das Wandbild im Krümeltreff gemalt und Pyramidenfiguren zu Farbe verholfen. Und er steht damit für den Genossenschaftsgedanken, der beim Neujahrsempfang der WG Fortschritt, der VR-Bank Mittelsachen und der Raiffeisen-Handelsgenossenschaft Leisnig-Oschatz gefeiert wurde. Denn die Genossenschaftsidee, die vor über 150 Jahren von Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen entwickelt wurde, ist jetzt immaterielles Weltkulturerbe.

Wirtschaftlich erfolgreich sind die Genossenschaften nach wie vor. Selbst in schwierigen Zeiten, die gerade das Bankenwesen durchmacht. „Wer mir gesagt hätte, dass es einmal Negativzinsen gibt, dem hätte ich nicht geglaubt. Das Bankgeschäft ist auf den Kopf gestellt“, sagte Angelika Belletti, Vorstand der VR-Bank. Welche Auswirkungen der Brexit und die Wahl von Donald Trump auf die Wirtschaft haben, sei noch nicht abzuschätzen. Im vergangenen Jahr hatte die Bank aber eine stabile Ertragslage. Die Bilanz stieg um reichlich vier Prozent auf 733 Millionen Euro und die Kundeneinlagen auf 628 Millionen – ein Plus von 4,7 Prozent. Neue Kredite wurden in Höhe von 75 Millionen ausgereicht, wobei zwei Drittel der Summe an Firmen gingen. Den Genossenschaftlern waren im vergangenen Jahr 436 000 Euro ausgezahlt worden. Und auch die Allgemeinheit hatte etwas davon: Die Bank zahlte laut Belletti 1,8 Millionen Euro Steuern und gab 41 000  Euro Spenden an Institutionen und Vereine aus. Derzeit ist die VR-Bank Arbeitgeber von 168 Mitarbeitern.

Richtig gut lief das Geschäft für die RHG. „Wir sind sehr zufrieden“, sagte Vorstand Horst Franke. Im Bereich der Baumärkte stieg der Umsatz um knapp zwei Prozent, beim Verkauf von Baustoffen sogar um mehr als vier Prozent. Im vergangenen Jahr hatte die RHG das Technikcenter in Schönberg übernommen. „Das erste Jahr unter RHG-Flagge ist ein voller Erfolg. Wir haben auch viele neue Kundenkontakte geknüpft“, sage Franke. Besonders gut gekauft wurden Mähroboter. Aber auch für die RHG werden die Zeiten härter. Die Bevölkerung schrumpft. „Wir werden Konsumenten verlieren“, sagte Franke. Deshalb will die Genossenschaft wettbewerbsfähiger werden. Alleinstellungsmerkmal: ein breites Sortiment mit günstigen Preisen auf großer Fläche, dazu viel Beratung. Dafür sollen weitere Mitarbeiter eingestellt werden, sagte Franke. Im Sinne dieses Konzepts ist in diesem Jahr der Umbau und die Modernisierung des RHG-Marktes in Waldheim geplant.

Auch die Wohnungsgenossenschaft Fortschritt plant in diesem Jahr Millioneninvestitionen in den bestehenden Wohnungsbestand und neue Vorhaben. Wobei das „Immaterielle“ des Genossenschaftsgedankens breiten Raum einnimmt. Die Genossenschaft kümmert sich um Wohnumfeld, Freizeitgestaltung der Mitglieder und das störungsfreie Zusammenleben. In diesem Jahr soll auch am Dienstleistungsangebot mit 60 Partnern gefeilt werden, sagte Vorstand Stefan Viehrig. Mit einer Musterwohnung soll außerdem gezeigt werden, wie in den Wohnungen des bekannten Zuschnitts der WG-Häuser modernes Wohnen aussehen kann.