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Gedenken an den Stolpersteinen

© Carmen Schumann

Insgesamt 34 kleine Mahnmale erinnern im Stadtgebiet von Bautzen an jüdische Bewohner. Am Montag wurde ein Jubiläum begangen.

Von Carmen Schumann

Bautzen. In der Reichenstraße 29 in Bautzen lebte bis zu ihrer Vertreibung die jüdische Familie Grossmann. Im Juli 2007 wurden zur Erinnerung an ihr Schicksal sogenannte Stolpersteine ins Pflaster vor dem Haus eingelassen, ebenso vor dem Haus Siebergasse 2. Dort hatte die siebenköpfige Familie Nussenbaum gelebt. Anlässlich des zehnten Jubiläums der Verlegung der Stolpersteine gab es am Montag in Bautzen eine Gedenkstunde, an der neben Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) unter anderem Mitglieder des Arbeitskreises Judentum am Bischof-Benno-Haus teilnahmen.

Der Bautzener Stadtrat hatte 2007 einstimmig den Beschluss gefasst, sich an der vom Kölner Künstler Gunter Demnig initiierten Aktion zu beteiligen. Er wollte mit der „Stolperstein“-Aktion an Opfer von Gewaltausübung in jeglicher Form erinnern. Im Juni 2008 wurden weitere acht Steine an der Dr.-Peter-Jordan-Straße 3 und an der Taucherstraße 6 verlegt. Es folgten 2010 fünf Steine an der Dr.-Ernst-Mucke-Straße 1 und an der Tuchmacherstraße 10. Im Juni 2014 wurden sechs Steine für Euthanasie-Opfer am Pflegeheim Seidau verlegt. Gleichzeitig wurde die Stolperstein-Gruppe an der Reichenstraße 29 um einen weiteren Stein für Alfred Kristeller ergänzt.

Peter-Paul Straube vom Arbeitskreis Judentum sagt, dass es wichtig sei, aus der Vergangenheit zu lernen, um die Zukunft gestalten zu können. Deshalb sei es so bedeutsam, dass in die Erforschung der Schicksale der Bautzener Juden die Schulen einbezogen wurden und werden. Wie Ingrid Heyser sagte, soll mit Schülern der achten Klassen eine Art Geschichtspfad zu den Stolpersteinen entwickelt werden.

Auch Oberbürgermeister Alexander Ahrens unterstrich, dass die Deutschen sich ihrer Geschichte stellen müssen. Deutschland habe sich von dem kulturellen Aderlass durch die Flucht und die Ermordung von Millionen von Juden bis heute nicht erholt. Die Bautzenerin Annalena Schmidt gab zu bedenken, dass die Erinnerungskultur in Deutschland noch sehr jung sei. Angesichts von Debatten über „Schlussstrich“ oder „Schuldkult“ sei das Gedenken wichtiger denn je. Aber die Gedenkformen müssten angepasst werden. Die frühere Stadtsprecherin Elke Lorenz erinnerte daran, dass die Stolpersteine nach ihrer Verlegung 2007 mit Teer beschmiert wurden. Engagierte Bautzener hätten daraufhin an den Stolpersteinen Nachtwache gehalten.