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Gedenken an Marwa El-Sherbini

Der Freistaat und die Stadt Dresden haben am Dienstag der im Landgericht ermordeten Ägypterin gedacht. Die schreckliche Tat jährte sich zum fünften Mal.

© dpa

Dresden. Weiße Rosen gegen Fremdenfeindlichkeit: Sachsens Justiz und die Stadt haben am Dienstag der vor fünf Jahren im Landgericht Dresden ermordeten Ägypterin Marwa El-Sherbini gedacht. Bei dem stillen Akt legten Justizminister Jürgen Martens (FDP), Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU), Richter, Staatsanwälte, Justizmitarbeiter und Besucher weiße Rosen im Foyer des Gebäudes nieder. Die schreckliche Tat sei Mahnung und Auftrag, immer gegen Menschenfeindlichkeit anzugehen, sagte Martens. Aiman A. Mazyek vom Zentralrat der Muslime kritisierte das Kleinreden von Rassismus jeglicher Art in Deutschland.

Die schwangere Pharmazeutin hatte am 1. Juli 2009 in eigener Sache in einer Berufungsverhandlung wegen rassistischer Beleidigung ausgesagt und war vom Angeklagten erstochen worden. Der Mann der 31-Jährigen wurde lebensgefährlich verletzt und per Notoperation gerettet. Der Täter, ein Russlanddeutscher, erhielt wegen Mordes eine lebenslange Freiheitsstrafe. Die Bluttat hatte Wut und Entsetzen in Deutschland und heftige Proteste in der islamischen Welt ausgelöst. An Gerichten wurde die Sicherheit erhöht, es gibt seither Einlasskontrollen, es wird nach Waffen und gefährlichen Gegenständen gesucht.

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„Der Grundsatz, die Würde des Menschen ist unantastbar, gilt für jeden, egal welcher Herkunft und welchen Glaubens“, mahnte Martens. „Rassismus, speziell Antisemitismus und Islamfeindlichkeit werden in Deutschland nach wie vor bagatellisiert und kleingeredet“, kritisierte Mazyek bei der Veranstaltung. Das sei das falsche Signal an jene, die orchestriert Stimmung gegen Minderheiten und Religionsgruppen machten. Er forderte ein stärkeres Bekenntnis gegen Rechts von Medien, Politik und Gesellschaft, auch angesichts von Stimmungsmache gegen Asylbewerber.

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Der Dresdner Ausländerrat sieht seit der Bluttat zwar Bemühungen bei der Stadt gegen Ausländerfeindlichkeit, aber auch weiterhin fehlende interkulturelle Kompetenz in Behörden und Gesellschaft. Der Verein hatte für den Nachmittag zum Gedenken vor dem Gericht aufgerufen. Dabei sollten auch die Namen aller 184 Todesopfer rechter und rassistischer Gewalt in Deutschland seit 1990 verlesen werden. (dpa)