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Gedenkstätte in Willy Brandts Heimatstadt Lübeck eröffnet

SPD-Chef Kurt Beck würdigt den ehemaligen Bundeskanzler als Visionär und Realisten.

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Lübeck. Zur Erinnerung an Altkanzler Willy Brandt ist an dessen 94.Geburtstag in seiner Heimatstadt Lübeck ein Ausstellungshaus eröffnet worden. In einem Festakt zur Eröffnung wurde der 1992 verstorbene SPD-Politiker gestern für seine Verdienste gewürdigt. „Mit keinem Namen der Nachkriegsgeschichte ist soviel Hoffnung auf moralische Erneuerung der Politik, auf mehr Demokratie und soziale Gerechtigkeit verbunden wie mit dem von Willy Brandt“, sagte der SPD-Vorsitzende Kurt Beck.

Beck würdigte Brandts Kampf für Demokratie und Freiheit, insbesondere seinen Einsatz zur Überwindung der deutschen Teilung und des Ost-West-Konflikts. „In seinem politischen Handeln war Willy Brandt immer Visionär und Realist zugleich“, sagte Beck vor rund 800 Gästen in der Kongresshalle.

Auch im 21. Jahrhundert seien Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität noch Herausforderungen, betonte Beck: „Die Gesellschaft droht auseinander zu driften.“ Man müsse erkennen, dass es nicht mehr ausreiche, national zu denken. Die europäische Integration müsse vorangetrieben werden, denn eine starke EU auf Basis einer europäischen Verfassung sei die Antwort auf die Globalisierung.

An dem Festakt nahmen unter anderen der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse sowie Literaturnobelpreisträger Günter Grass teil. Brandts Witwe, Brigitte Seebacher, sein Sohn Peter Brandt und seine Tochter Ninja Frahm waren ebenfalls unter den Gästen.

Grass, der den Anstoß für das Brandt-Haus gegeben hatte, betonte, mit dem Museum werde eines Politikers gedacht, der durch sein realpolitisches Wirken während des Kalten Krieges und durch vorausblickende Analyse über die Landesgrenzen hinweg Weltgeltung gewonnen habe. Das Willy-Brandt-Haus zeigt das Leben Brandts und seine Verdienste für die deutsche Geschichte. Der Umbau des Patrizierhauses in der historischen Altstadt kostete 2,8 Millionen Euro. Dies wird von der Willy-Brandt-Stiftung getragen. (AP)