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Sachsen

Gedenkstättenchef räumt Fehler ein

Siegfried Reiprich rechtfertigt seine umstrittenen Tweets und gibt Fehler zu. Doch die Kritik wird schärfer - vor allem aus den eigenen Reihen.

Wegen eines NS-Vergleichs ist der Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Siegfried Reiprich, unter Druck geraten.
Wegen eines NS-Vergleichs ist der Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Siegfried Reiprich, unter Druck geraten. © PR/Steffen Giersch

Der Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Siegfried Reiprich, hat sich für seine umstrittenen Äußerungen auf Twitter entschuldigt. "Der Tweet war ungeschickt und ein Fehler. Es war eine ironische Frage, die auch gefährlich provozierend war. Ich würde es so nicht mehr schreiben", sagte er dem Evangelischen Pressedienst am Freitag in Dresden. Zuvor hatte er sich auf Anfrage der "Leipziger Volkszeitung" ähnlich geäußert.

Reiprich hatte am Montag mit Blick auf die Ausschreitungen gegen Polizisten und Plünderungen in Stuttgart am vorletzten Wochenende getwittert: "War da nun eine Bundeskristallnacht oder 'nur' ein südwestdeutsches Scherbennächtle?" Tags darauf sorgte er auf derselben Plattform mit einer weiteren Äußerung für Irritationen, in der er weiße Menschen als bedrohte Minderheit darstellte.

Wegen des NS-Vergleichs steht Reiprich massiv in der Kritik. Sächsische Landtagsabgeordnete von SPD, Linken und Grünen werfen ihm Amtsmissbrauch vor und fordern seinen zeitnahen Rücktritt. "Seine Äußerung ist nicht "ungeschickt", wie er behauptet, sondern gefährlich. Solche Ansichten äußert man nicht aus Versehen, sondern weil man sie teilt", erklärte Linke-Fraktionschef Rico Gebhardt. Je früher Reiprich seinen Stuhl räume, desto besser. Es sei weder der Stiftung noch dem Freistaat zuzumuten, dass er bis Ende November im Amt bleibt. 

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Der Vergleich der Vorfälle in Stuttgart mit dem Morden, Rauben und der Deportation an tausenden Juden und Oppositionellen in der Pogromnacht sei zutiefst beleidigend und relativierend, erklärte FDP-Chef Frank Müller-Rosentritt. Reiprich sei in der Reihe der Geschichtsverfälscher und -relativierer eingetreten. Und auch Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU), die auch dem Rat der Stiftung vorsitzt, hatte sich von Reiprichs Äußerungen scharf distanziert.

Der Beschuldigte wehrt sich: "Ich habe unterschätzt, wie groß das Erregungspotenzial und Skandalisierungsbedürfnis ist und wie intolerant das Meinungsklima", sagte Reiprich im epd-Gespräch. "Mich in die neurechte Ecke zu stellen ist absurd", reagierte er auf Rassismus-Vorwürfe.

Er habe auf Twitter seinen Kritikern angeboten, sich "einer freien Diskussion mit offenem Visier" zu stellen. Zugleich betonte er: "Die mir unterstellte Gleichsetzung der von den Nationalsozialisten zynisch als 'Kristallnacht' verharmlosten Reichpogromnacht mit den Stuttgarter Ereignissen weise ich zurück."

Die Gedenkstätten-Stiftung hatte jedoch bereits vergangene Woche sein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Amt bekanntgegeben. Demnach soll sein Vertrag als Stiftungsdirektor zum 30. November aufgelöst werden. Ursprünglich war dies für Januar 2022 vorgesehen. 

Der Förderverein Gedenkstätte Bautzen hielt Reiprich auch angesichts seiner Gesamtbilanz für nicht länger tragbar: "Dieser Geschäftsführer fiel nicht durch Sachkenntnis auf, sondern durch ein selbstherrliches Gebaren, mit dem er die nachgeordneten Institutionen drangsalierte und die aus zivilgesellschaftlichem Engagement entstandenen Fördervereine an den Rand zu drängen versuchte." 

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Sachsens Regierung habe demnach Sympathieäußerungen aus der Leitung der Gedenkstätten-Stiftung für die Pegida-Bewegung seit Jahren widerspruchslos hingenommen. Wenn Reiprich nicht unverzüglich zurücktrete, müsse man Schritte zu seiner Amtsenthebung treffen, so der Förderverein Gedenkstätte Bautzen.  (epd, dpa)

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