Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Merken

Gedenkstein soll an die alte Heimat erinnern

Ludwig Lange und Reinhard Diekmann wollen ihr geflutetes Heimatdorf Quitzdorf ins Gedächtnis rufen. Engagierte Bürger haben dabei geholfen.

Teilen
Folgen
NEU!
© Bernhard Donke

Von Bernhard Donke

Ein gut zwei Meter langer und 1,50 Meter hoher Stein liegt den beiden ehemaligen Einwohnern von Quitzdorf Ludwig Lange und Reinhard Diekmann zu Füßen. Eine eingemeißelte schwarze Inschrift auf dem Stein erinnert an das 37 Häuser und 159 Einwohner zählende kleine Dorf Quitzdorf. Der Ort verschwand, nachdem mit den Familien Heinz Lange und Rudolf Meysel 1969 die letzten Bewohner ihre Häuser verlassen mussten, 1974 in den Fluten des Stausees – der seit dieser Zeit auch den Namen des kleinen Ortes trägt. Der Stausee war lange Zeit das größte Gewässer Sachsens und ein beliebter Erholungs- und Urlaubsstandort.

„An das Ereignis mit dem Auszug der letzten Familien aus Quitzdorf vor 47 Jahren wollen wir mit diesem Stein erinnern. Gleichzeitig soll, wenn einmal kein Quitzdorfer mehr lebt, dieser Stein die Nachwelt an unser Heimatdorf erinnern“, sagt Ludwig Lange. 1404 wurde Quitzdorf erstmals urkundlich als „Quittendorf“ erwähnt – daher steht diese Jahreszahl auf dem Gedenkstein. Gefundene Reste von Brandgräbern aus der mittleren Bronzezeit und der frühen Eisenzeit zeigen, dass es dort bereits früher eine Besiedelung gab.

Lange erblickte 1950 in Quitzdorf das Licht der Welt. Seit dem Auszug hat er in Niesky seine neue zweite Heimat gefunden. Er hatte auch die Idee zu diesem Stein der Erinnerung. „Die Idee dazu kam, als ich den Erinnerungsstein des Turnvereins Niesky-Neuödernitz fand, der an die Gefallenen Vereinsmitglieder des Ersten Weltkriegs 1914-1918 erinnerte und nachdem wir für unseren Hockeyclub HC Niesky 1920 einen solchen Erinnerungsstein, der an die Gründung des Hockeyclubs erinnerte, 2014 aufstellten. Warum nicht auch einen Stein zur Erinnerung an unser Quitzdorf, sagte ich mir“, meint der 65 jährige Ludwig Lange.

Um diese Idee umzusetzen, holte er sich Reinhard Diekmann, der ebenfalls als Kind und Jugendlicher mit seinen Eltern bis 1969 in Quitzdorf wohnte und heute die ganze Geschichte dieses kleinen Ortes aufgezeichnet hat, mit ins Boot. Unterstützt wurden sie von Dirk Beck, dem Vorsitzenden des Verwaltungsverbandes Diehsa. „Er stand unserer Idee sehr wohlwollend gegenüber und hat uns alle Anträge und Formalitäten bei den Behörden und Ämtern abgenommen, die zur Genehmigung zum Aufstellen eines Gedenksteins notwendig waren“, sagt Lange. Dann war es die das Nieskyer Fuhrunternehmen Gerald Munzig, die den beiden Initiatoren bei der Suche nach einem geeigneten Stein und bei dessen Transport zum Steinmetz Armin Franke nach Niesky unterstützte..

Der bearbeitete Stein wird dann direkt am Ufer des Stausees, dort, wo die ehemalige Quitzdorfer Straße von Diehsa kommend in den Stausee mündet, aufgestellt. Nach dem Aufstellen des Steines, bei dem sich auch das Fuhrunternehmen Munzig tatkräftig beteiligen wird, wird es am Sonnabend, um 10 Uhr, eine kleine Einweihungsfeier geben. „Dazu sind alle Sponsoren, Helfer, ehemalige Quitzdorfer und interessierte Bürger eingeladen“, sagt Reinhard Diekmann, der seit dem Auszug aus Quitzdorf 1969 in Niesky seine zweite Heimat fand. Für alle interessierten Bürger, die nicht mehr allein mobil sind, fährt ab 9.30 Uhr ein Bus der Firma Kloß mit dem ehemaligen Quitzdorfer Fritz Ringel als Fahrer zur Veranstaltung.