Merken

Gedenktafel für den Vierteich-Retter

Zum 20. Todestag von Karl-Heinz Bode erinnerten sich ehemalige Mitstreiter an den streitbaren Naturschützer.

Teilen
Folgen
© Klaus-Dieter Brühl

Von Manfred Müller

Freitelsdorf. Zunächst sah es nach einem Kampf gegen die Windmühlenflügel aus. Als Karl-Heinz Bode zu Beginn der 1990er Jahre darauf aufmerksam machte, dass der Freitelsdorfer Vierteich total ausgetrocknet war, wollte ihm niemand zuhören. Das Wasserwerk Rödern hatte in der Nachbarschaft des Natur-Kleinods Dutzende von Brunnen gebohrt und dem Teich samt seinem wertvollen Moor den Grundwasserzufluss abgegraben.

Der Beschluss zu dieser Umweltsünde war noch zu DDR-Zeiten gefasst worden - die Elbtalkommune Coswig brauchte dringend sauberes Trinkwasser. Das naturschutzrechtlich heikle Vorhaben wurde in die neue Zeit mitgeschleppt, und auch für die zuständigen Behörden, in denen zum Teil wieder die alten Verantwortungsträger saßen, ging der Versorgungsauftrag vor. Karl-Heinz Bode suchte nach Verbündeten und fand diese in Umweltverbänden, wie dem Sächsischen Heimatschutz, aber auch in der neu gegründeten konservativen Partei DSU, die im Osten des Landkreises recht stark war.

Als der Naturschützer im Sommer 1996 starb, war die umstrittene südliche Brunnentrasse stillgelegt, der Vierteich gut gefüllt, und im angrenzenden Moor bekamen seltene Pflanzen- und Tierarten wieder eine Chance. Karl-Heinz Bode, damals schon Rentner, hatte keine Ruhe gelassen, bis Sachsens damaliger Umweltminister Vaatz nach Freitelsdorf kam und letztlich ein Machtwort sprach.

Auf mysteriöse Weise verschwunden

Bereits zum zehnten Todestag Bodes hatten seine Mitstreiter an einem Findling in der Nähe des Vierteichs eine Gedenktafel angebracht. Diese verschwand einige Jahre später auf mysteriöse Weise, ebenso wie ein kleiner Steingarten, den seine Söhne dort angelegt hatten. Ob Altmetalldiebe am Werk waren oder ehemalige Kontrahenten des Naturschützers, wurde nie geklärt. Am Montagabend nahmen die einstigen Mitglieder der Vierteich-Bürgerinitiative einen neuen Anlauf.

Statt des Metallschildes wurde diesmal eins aus Plastik angebracht. „Ich hoffe, dass es diesmal an seinem Platz bleibt“; sagt Ortsvorsteher Jürgen Friedemann. Der Freitelsdorfer war einer der engsten Verbündeten Karl-Heinz Bodes. „Ich weiß noch, wie wir damals auf dem Gang im Umweltfachamt Akten gewälzt haben“, erinnert er sich. „Kopieren durften wir sie nicht, obwohl nebenan so ein Gerät im Dauerbetrieb war.

Also las ich die wichtigsten Passagen vor, und er schrieb sie auf.“ Ein allseits bekannter Charakterzug des Umwelt-Aktivisten sei gewesen, dass er niemals lockerließ. Wer ihn als Beifahrer im Auto mitnahm, musste auf einen überbordenden Monolog über den Vierteich gefasst sein. Aber meistens war Bode ohnehin nicht mit dem Auto unterwegs, sondern mit seinem Moped. Damit knatterte er bei Wind, Regen und Schnee zu potenziellen Mitstreitern, zu Behörden und auch zur Lokalredaktion der Sächsischen Zeitung. Er fand heraus, dass die jüngste Brunnentrasse des Wasserwerkes illegal gebaut worden war, was die Schließung besiegelte. „Ohne ihn“, sagt Schönfelds Bürgermeister Hans-Joachim Weigel, „wäre der Protest wahrscheinlich im Sande verlaufen.“

Die beste Nachricht aber brachte Karl-Heinz Rutsch vom Sächsischen Heimatschutz mit: Der Teich und das Moor werden wahrscheinlich noch dieses Jahr zum Naturschutzgebiet erklärt, informierte er die Gedenkrunde. Das sei von seiner Organisation schon in den 1930er Jahren angeregt worden und werde nun Wirklichkeit. Dadurch bieten sich neue Chancen für die Renaturierung und die Wiederansiedlung seltener Arten, wie Moosbeere und Zwergseerose, Moorfrosch und Waldwasserläufer. Naturfreunde können am Vierteich vielleicht bald wieder Sumpfpflanzen bestimmen und dem Konzert von Wasservögeln und Fröschen lauschen. Damit wäre Karl-Heinz Bodes Vermächtnis nach mehr als 20 Jahren endlich erfüllt.