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Gefährliche Flüssigkeit auf Parkplatz

Großeinsatz für 69 Rettungskräfte auf der Moritzburger Straße. Die war stundenlang gesperrt. Sieben Marktmitarbeiter kamen vorsorglich in eine Klinik.

© Roland Halkasch

Von Ines Scholze-Luft

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Weinböhla. Sehr ätzend, zähflüssig-schleimig, bei Wasserkontakt ausflockend. Klingt unangenehm. Und ist es auch. Vor allem, wenn es sich um Polyaluminium-hydroxidchlorid-Lösung an der falschen Stelle handelt. Wie am Dienstag auf dem Netto-Parkplatz an der Moritzburger Straße in Weinböhla. Dort hält sie stundenlang Feuerwehrleute aus dem ganzen Landkreis in Atem. Und sorgt für so manchen fluchenden Autofahrer, denn zur besten Hauptverkehrszeit war die Moritzburger zwischen Bäckerscherhofstraße, in Höhe Restaurant Laubenschlösschen, und Hohe Straße gesperrt. Ein Feuerwehrfahrzeug reiht sich ans andere, dazwischen Polizeiautos. Und auf der Straße selbst Einsatzkräfte in voller Montur, eingepackt wie für einen Ausflug in den Weltraum.

11.17 Uhr kommt der Alarm, sagt Kreisbrandmeister Ingo Nestler. Die technische Hilfeleistung wegen ausgelaufener Flüssigkeit entpuppt sich als Gefahrenguteinsatz. Der Fahrer des roten Lkw sagt, er hat Hunger gehabt und auf dem Netto-Parkplatz gehalten. Und da das Problem bei seiner Ladung gesehen.

Den Feuerwehrleuten ist schnell klar, hier muss das ganze Programm gefahren werden. Ein sogenannter IPC-Behälter, ein Plastiktank in einem Metallgitterbehälter, ist undicht. Gefüllt mit 1 000 Litern Polyaluminiumhydroxidchlorid-Lösung, zum Teil auf den Parkplatz gelaufen. Zwei Gefahrgutzüge mit entsprechender Technik und der Erkundungszug, mit Messtechnik und Personal an Bord, rücken an. Dazu der Fachberater. 69 Einsatzkräfte sind schließlich zur Stelle, samt Rettungsdienst und Polizei.

Im Mittelpunkt steht die Frage, was ist zu tun, um – bei größtmöglicher Sicherheit für Einsatzkräfte und Umwelt – betroffene Flächen wie Parkplatz, Lkw, dessen Ladung sowie den Parkplatzkanal zu reinigen und die restliche Lösung zu entsorgen.

Da die Lieferung an Wacker Chemie Nünchritz gehen sollte, nimmt Ingo Nestler Kontakt auf zur Werksfeuerwehr. Die holt die restliche Ladung ab, bringt Ersatzbehälter, Umfüllpumpe und Schläuche nach Weinböhla. Das entlastet uns sehr, sagt der Kreisbrandmeister.

Trotzdem haben die anderen Feuerwehrleute, so aus Weinböhla, Meißen, Lommatzsch, Stauchitz, noch genug zu tun. Unter schwerem Atemschutz, in orangefarbene Schutzanzüge gehüllt, entladen sie den Lkw, säubern Kontaminiertes. Die ausgelaufene Flüssigkeit wird mit Sand gebunden. Was im Parkplatzkanal gelandet ist – zum Glück nicht im großen Kanalnetz –, wird mit Wasser verdünnt und weggespült. Ein Saug-Lkw nimmt verunreinigtes Wasser und Ölbindemittel auf.

Doch dann klagen Mitarbeiter des an diesem Tag geschlossenen Marktes über Atemwegs- und Augenreizungen. Drei kommen ins Krankenhaus Radebeul, vier ins Meißner Krankenhaus, zur vorsorglichen Untersuchung, sagt Ingo Nestler. Insgesamt sind elf Menschen durch die Chemikalie verletzt worden, teilt die Polizei schließlich am Dienstagabend mit.

Die Feuerwehrleute bereiten schließlich das Marktgelände für die Übergabe an den Betreiber vor und den Lkw, damit er der Polizei zur Verfügung steht. Möglicherweise durfte das Fahrzeug dem Kreisbrandmeister zufolge die Lösung gar nicht transportieren. Das werde noch geprüft.

Kein Kunde auf dem Netto-Parkplatz. Statt dessen wird kontrolliert, bis wohin die aus einem Behälter auf dem Lkw ausgelaufene ätzende Flüssigkeit gelangt ist. © Arvid Müller

Weitere Bilder vom Feuerwehreinsatz in Weinböhla