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Gefährliche Raupen noch nicht entfernt

Der Eichenprozessionsspinner sitzt nach wie vor auf den Bäumen in Klotzsche. Jetzt gibt es noch mehr Fälle in der Stadt.

© René Meinig

Von Julia Vollmer

Mitten auf dem Netto-Parkplatz steht ein Bauzaun. Ein Warnschild hängt daran mit der Aufschrift: Achtung Baumkrankheit. Die Eiche inmitten des Zauns ist wie sieben weitere auf der Königsbrücker Landstraße in Klotzsche mit dem Eichenprozessionsspinner befallen. Einer gefährlichen Raupe eines Schmetterlings.

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In der Nähe des Klotzscher Gesundheitszentrum sind mehrere Bäume mit dem gefährlichen Insekt befallen.
In der Nähe des Klotzscher Gesundheitszentrum sind mehrere Bäume mit dem gefährlichen Insekt befallen. © René Meinig

Seit Montagabend weiß die Stadtverwaltung Bescheid, doch entfernt wurde das gefährliche Insekt noch immer nicht. Die Stadt betont, sie sei nicht zuständig. Sondern der Eigentümer der Grundstücke. Stadtsprecher Karl Schuricht will die Identität nicht preisgeben, betont aber: „Die Stadtverwaltung ist in gutem Gespräch mit den Grundstückseigentümern und klärt die notwendigen Maßnahmen ab.“ Laut Stadt gibt es noch mehr Fälle. Doch auf die Frage, welche Bäume in welchen Stadtteilen befallen sind, kommt von der Stadt wie schon am Donnerstag nichts Konkretes. „Grundstücke im Dresdner Norden“, heißt es. Die Eigentümer hätten die betroffenen Flächen gesperrt. In einem Fall sei es erst mal schwierig gewesen, den Eigentümer zu ermitteln. Mittlerweile gäbe es aber Kontakt mit dem Besitzer. Doch erst in der kommenden Woche soll eine Firma mit der Schädlingsbekämpfung in Klotzsche beginnen. Warum das so lange dauert, bleibt auch auf Nachfrage unklar.

Einen Fall gibt es auch auf dem Weißen Hirsch. Ebenfalls auf einem Privatgrundstück. In der benachbarten Heide sei das Tier aber in diesem Jahr noch nicht gesichtet worden, so Jörg Stelzig, der zuständige Revierförster.

Noch keinen konkreten Ort, aber Hinweise auf die giftige Raupe des Schmetterlings gibt es auch in der Heide, sagt Markus Biernath, Forstbezirksleiter vom Sachsenforst. „Besonders betroffen waren in den letzten Jahren immer die Gebiete der Heide in Klotzsche und Langebrück, das sind häufig die lokalen Schwerpunkte“, so Biernath. Es gäbe aber keine Überlegungen, künftig keine Eichen mehr zu pflanzen, um sich vor der Raupe zu schützen. Im Gegenteil: Eichen sollen den Fichtenbestand in der Heide ablösen. Diese könnten sich besser an das Klima anpassen, so Biernath. Für die Bäume ist der Eichenprozessionsspinner aber nicht gefährlich. Biernath warnt jedoch die Hundebesitzer: „Lassen Sie Ihre Tiere nicht in die Nähe, auch bei Hunden können die Insekten Allergien und Haut- und Augenreizungen auslösen.“

Ebenso gefährlich wie für die Vierbeiner kann ein Kontakt mit der Raupe auch für den Menschen sein. Die Berührung mit den Gifthaaren verursacht starke Hautreaktionen und Schleimhautreizungen. Bei Allergikern kann es zu schweren Atembeschwerden kommen. Die Uniklinik warnt vor Panikmache, rät aber besonders bei Kindern zur Vorsicht. „Grundsätzlich ist die Haut von Kindern zarter und damit empfindlicher für die Brennhaare der Raupen“, sagt Reinhard Berner, Direktor der Kinderklinik.

Primär gefährlich sei der Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner nicht, aber die Hautreaktion könne sehr unangenehm und lang anhaltend sein. Sein Rat: Sofort abwaschen, duschen und die Kleidung wechseln. Kommt es zu dieser Hautreaktion, sollte ein Kind unbedingt bald zu einem Arzt, rät Berner. Um die betroffene Stelle behandeln zu können. Keine Zeit zum Warten bis zum Arztbesuch bleibt bei sehr heftigen Reaktionen oder Reizungen an Mund- und Nasenschleimhaut durch das Einatmen der Haare. Das könne zu schmerzhaftem Husten, Atemnot und asthmatischen Beschwerden, in Einzelfällen auch zu schweren allergischen Reaktionen führen.

Die Raupe mit dem markanten schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken lebt ausschließlich in Gruppen. Sie ist ungefähr drei bis vier Zentimeter lang und auf dem ganzen Körper mit Gifthaaren bedeckt, die bis zu einem Zentimeter lang werden. Der Eichenprozessionsspinner lebt ausschließlich auf Eichen und bevorzugt frei und unter der Sonne stehende Exemplare. Markant ist zudem seine Eigenart, in einer Gruppe prozessionsartig am Baumstamm entlangzuwandern.