Merken

Gefährliche Stiche

Urteil. Ein ehemaliger Kampfschwimmer wird wegen Totschlags zu einer Haftstrafe verurteilt.

Teilen
Folgen

Bautzen. Ein früherer Kampfschwimmer der DDR-Seestreitkräfte ist gestern vom Landgericht Bautzen wegen Totschlags zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der heute 65-Jährige hatte einen Mann erstochen, den er aus einem Obdachlosenheim kannte. Der Beschuldigte sagte, er habe aus Notwehr gehandelt.

Das Drama im Obdachlosenmilieu spielte sich am 21. April in Hoyerswerda auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums ab. Nach Angaben von Gerichtssprecher Heiko Philippi ging es bei dem Streit um eine Frau. Der frühere Elitesoldat habe sich von zwei Bekannten bedroht gefühlt und noch versucht, einen Einkaufswagen als Schutzbarriere vor sich zu platzieren. Als das spätere Opfer zum Schlag ausholte, habe der 65-Jährige zugestochen und den 46-Jährigen mehrmals in der Herzgegend getroffen. Obwohl der Täter anschließend die Polizei rief und Erste Hilfe leistete, starb das Opfer im Krankenhaus.

Die Richter gingen davon aus, dass der Angeklagte „andere mildere Mittel“ gehabt hätte, um sich vor dem Angriff zu schützen. Auch die Ausbildung des 65-Jährigen zum Kampfschwimmer spielte bei der Urteilsfindung eine Rolle. „Bei seiner Ausbildung hätte er um die Gefährlichkeit der Stiche wissen müssen“, sagte der Gerichtssprecher. Schließlich habe er bei der Armee das „lautlose Töten“ gelernt.

Der Staatsanwalt verlangte eine Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren. Die Verteidigung plädierte wegen Notwehr auf Freispruch. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichtes Bautzen ging letztlich von einem minder schweren Fall von Totschlag aus. (dpa)