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Gefangen im Hamsterrad

Zwei TU-Studenten haben eine Lösung gegen den alltäglichen Wahnsinn. Dafür reicht ein einziges Wochenende.

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© Colourbox

Es ist eine der größten Gesundheitsrisiken des 21. Jahrhunderts: Stress. Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor dieser Volkskrankheit. Schließlich drohen bei zu viel Stress chronische Erschöpfungszustände bis hin zu Depressionen, Schlafstörungen oder Herz- und Kreislauferkrankungen. Ob Beruf, Studium oder Schule, die Gefahr, sich zu übernehmen, lauert überall. Zwei Dresdner Studenten bieten nun einen Ausweg aus dem Dilemma.

„Viele können sich selbst gar nicht eingestehen, dass sie gestresst sind“, sagt Matthias Giehl, Masterstudent mit Schwerpunkt Arbeitspsychologie an der TU Dresden. „Die meisten denken: ‚Das schaffe ich schon.‘“ Dabei bemerken viele nicht, wie sie sich körperlich und seelisch Stück für Stück kaputtmachen. In der Psychologie gibt es effektive Möglichkeiten, dem Stress vorzubeugen oder ihm, wenn er schon da ist, entgegenzuwirken. Doch solche Techniken zu erlernen braucht Zeit. „Für Stressmanagement bleibt dann leider gar kein Raum mehr“, nennt Giehl ein großes Problem. Er und seine Kollegin Sabrina Wallrabenstein haben für die TU Dresden nun ein Angebot entwickelt, das Gestressten schon an einem einzigen Wochenende helfen will. Angesiedelt ist das neue Projekt am Cepris-Präventionszentrum der TU. Anhand von Forschungsergebnissen über Krankheiten werden dort Gegenmittel entwickelt und erforscht. „Im Vorfeld haben wir uns sehr ausführlich mit dem Thema Stress beschäftigt. Nun wollen wir Menschen zeigen, wie er gar nicht erst entsteht“, erklärt Giehl. Im zweitägigen Wochenendkurs geht es darum, stressverursachende Probleme zu erkennen und sie zu lösen. „Hinzu kommen Gedankengänge, die den Stressfaktor erhöhen“, so der Experte. Auch die gilt es auszuschalten. Außerdem sollen Entspannungstechniken vermittelt werden, um in akuten Situationen einen klaren Kopf zu bewahren. Die mentale Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer werden so gefördert. Giehl ist zuversichtlich, dass sich das Gelernte auch gut in den Alltag integrieren lässt.

Nicht nur Berufstätige soll das neue Angebot locken. Auch Studenten haben die Psychologen im Blick. Denn die seien heutzutage arg gestresst. Seit Einführung des Bachelors bleibt wenig Zeit für Freizeit. „Die Semesterferien heißen heute ja auch vorlesungsfreie Zeit.“ Bei Klausuren, Hausarbeiten, Nebenjobs und Praktika bleibt den Studenten oft nur wenig Zeit für Entspannung. Dabei wäre die sehr notwendig. „Nach dem Stress muss eine Erholungsphase kommen, das gilt für Studenten genauso wie für Berufstätige“, sagt Carmen Binnewies, Professorin für Arbeitspsychologie an der Universität Münster. Den Freiraum dafür müssen Studierende in der Regel selbst schaffen, zum Beispiel indem sie sich einen früheren Abgabetermin für Hausarbeiten setzen. „Das verlangt natürlich nach etwas Selbstdisziplin“, sagt Binnewies.

Langfristig lässt sich mit regelmäßigen Erholungspausen aber sogar Zeit sparen. Denn wer ständig erschöpft ist, wird müde und unkonzentriert. Selbst einfache Aufgaben dauern so viel länger. „Dadurch arbeitet man wieder mehr, und es gibt noch weniger Zeit für Erholung“, sagt die Psychologin. „Das ist ein Kreislauf, aus dem man irgendwann ausbrechen muss.“ (jam/dpa)

Stressmanagement-Kurse: 8./9. Oktober, 22./23. Oktober, 5./6. November, 19./20. November in der Chemnitzer Straße 46; Kursgebühr 90 Euro (bis zu 85 Prozent kann die Krankenkasse übernehmen); Anmeldung unter 0157 80423425 oder [email protected] melden.