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Gefechte um den Flughafen von Donezk

Einen Dialog mit den Menschen in der Ostukraine hat der künftige Präsident Poroschenko angekündigt. Doch die Regierung schickt die Luftwaffe.

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Von Benedikt von Imhoff und Andreas Stein, Donezk

In einer Leichenhalle der ostukrainischen Metropole Donezk türmen sich die Körper getöteter Separatisten. Ärzte zählen etwa 45 Leichen. Ein Anführer der prorussischen Kräfte spricht sogar von 200 Toten bei den schweren Gefechten um den Flughafen Donezk. Nach Angaben aus Kiew sollen die Regierungstruppen den Airport wieder unter ihre Kontrolle gebracht haben. „Wir werden diese Operation fortsetzen, solange sich auch nur ein Terrorist auf dem Territorium der Ukraine aufhält“, betont Vizepremier Vitali Jarema.

Zwei Tage nach dem Sieg des Milliardärs Petro Poroschenko bei der Präsidentenwahl hat die prowestliche Führung in Kiew die „Anti-Terror-Operation“ im russisch geprägten Osten massiv verschärft. Kampfjets und Hubschrauber eröffnen das Feuer auf die Separatisten. Es sind Bilder wie aus einem Bürgerkrieg.

In Donezk herrscht Angst, nur wenige Menschen trauen sich auf die Straßen. Es sind Flugblätter aufgetaucht, die auf Luftschutzkeller hinweisen. Kindergärten und Schulen sind geschlossen, wie auch der Flughafen und ein Teil des Bahnhofs. Vor einer Bäckerei im Stadtzentrum bilden sich lange Schlangen. Separatisten zünden die Arena des örtlichen Eishockeyvereins an, weil Clubchef Boris Kolesnikow einen Aufruf zum Widerstand gegen die prorussischen Separatisten unterstützt.

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Die Luftschläge erhöhen auch den Druck auf die Führung der selbst ernannten „Volksrepublik Donezk“. Einer der Anführer, Denis Puschilin, bittet in einer Videoansprache das „russische Volk“ darum, jede erdenkliche Hilfe zu leisten. Puschilin wirkt nervös, verhaspelt sich.

Doch in der Tat erhalten die Separatisten nicht nur Verstärkung von ihren Gesinnungsgenossen aus dem Nachbargebiet Lugansk. So seien erneut mehrere Lastwagen mit Bewaffneten von Russland aus ins Land eingedrungen, berichtet der Grenzschutz.

Die Fronten sind verhärtet, auf beiden Seiten ist der Hass auf die Gegner groß. Erfolgsmeldungen der Regierung von der „Vernichtung“ prorussischer Kämpfer werden im Internet bejubelt. „Prachtkerle“, „Ehre den Helden“, schreiben Nutzer. Dabei hat der künftige Präsident Poroschenko einen Dialog mit den Bewohnern der Krisenregionen angekündigt. Ein Ausweg rückt aber angesichts der blutigen Bilder in immer weitere Ferne. (dpa)