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Gefragte Siebmaschinen aus Wilsdruff

Vor zehn Jahren stand die Wima vor dem Aus. Heute wird ein Anbau geplant. Für den Optimismus gibt’s gute Gründe.

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© Andreas Weihs

Von Annett Heyse

Wilsdruff. In der riesigen Halle ist es ohrenbetäubend laut. Schleifgeräte kreischen, vom Schweißbrenner fliegen Funken, per Brückenkran schwebt ein riesiges Stahlteil durch die Luft. Überall stehen Maschinenelemente herum. Günter Specht schlängelt sich um die stählernen Kolosse herum und quetscht sich durch eine Lücke. „Genau das ist unser Problem. Mehr Platz wäre nicht schlecht“, sagt er.

Specht ist Geschäftsführer des Wilsdruffer Maschinen- und Anlagenbaus (Wima). Das Unternehmen stellt Siebmaschinen für Steinbrüche, Kies- und Sandgruben her. Um die 80 solcher Anlagen verlassen pro Jahr das Werksgelände an der Freiberger Straße. Und Specht ist sich sicher: „Es könnten sogar mehr sein!“

Wäre da nicht das leidige Platzproblem. Deshalb hat das Unternehmen jetzt einen Bauantrag eingereicht. Geplant ist, neben der Produktionshalle einen weiteren Bau von 80 mal 25 Metern zu errichten. Noch in diesem Jahr sollen die Bodenarbeiten ausgeführt werden, 2017 dann der Bau. „Im Dezember nächsten Jahres wollen wir die Halle in Betrieb nehmen.“ Es wäre das perfekte Datum. Denn der Maschinenbauer feiert dann das zehnjährige Jubiläum der Neugründung. Und eine beispielhafte Entwicklung.

Die Wima, so das in Wilsdruff geläufige Kurzwort, ist eines der Unternehmen, das typisch für den Wirtschaftsstandort Deutschland, den Mittelstand, die Maschinenbauindustrie ist. Die Firma hat volle Auftragsbücher, eine Auslastung von 100 Prozent und kann die Nachfrage derzeit nicht befriedigen. Denn Siebmaschinen werden dringend gebraucht. Allein in Deutschland gebe es 3000 Kiestagebaue, Sandgruben und Steinbrüche. „Und in jeder Abbaustelle laufen durchschnittlich fünf Siebmaschinen.“ Deren Betriebsdauer liegt im Schnitt bei 30 Jahren, dann sind sie verschlissen. „Das heißt, im Jahr werden allein in Deutschland 500 Maschinen ersetzt“, rechnet Günter Specht vor. Europaweit, wohin die Wima ausliefert, sind es mehrere tausend. Tendenz: steigend.

Bauboom in den nächsten Jahren

Denn besonders in Deutschlands alten Bundesländern ist ein Bauboom zu erwarten. „In Straßen, Brücken, Gebäude wurde seit Jahren kaum investiert. Das läuft jetzt an“, erklärt der Wima-Chef. Und wo gebaut wird, werden Sand, Kies, Splitt, Schotter gebraucht. Einiges wird recycelt, vieles neu gefördert – den Wilsdruffer Maschinenbauern kann es nur recht sein.

Vor zehn Jahren war die Stimmung längst nicht so gut. Da hieß der Betrieb noch Bräuer und gehörte einem Unternehmen im hessischen Bensheim. Das musste Ende 2006 Insolvenz anmelden, auch die Wilsdruffer Niederlassung geriet ins Schleudern und war über Nacht hoch verschuldet. Kurz vor Weihnachten erhielt die Belegschaft damals die Hiobsbotschaft. Eine Beschäftigungsgesellschaft wurde gegründet, aber viele verließen den Betrieb. Ende 2007 war die Insolvenz abgewendet, jedoch nur 28 von ehemals 85 Mitarbeitern übrig geblieben. Ihnen gelang der Neustart mit dem Siebanlagenbau.

Heute arbeiten hier 63 Männer und Frauen. Jede Anlage, die in Wilsdruff hergestellt wird, ist eine individuelle Anfertigung. „Die Kunden sagen uns, wie viel Platz sie haben. Und wir bauen die entsprechende Maschine.“ Von der Konstruktionszeichnung bis zur fertigen Anlage erledigt Wima alles in Wilsdruff. Lediglich das Material sowie die Antriebstechnik, also die Motoren, kauft das Unternehmen zu.

Abläufe werden optimiert

Zweites Standbein ist die Auftragsproduktion. So stellen die Wilsdruffer als Subunternehmer Bauteile und Komponenten für andere Maschinenbaubetriebe her. Finanziell betrachtet ist die sogar der größere Anteil: „30 Prozent des Umsatzes machen wir mit den Siebmaschinen, 70 Prozent mit dem Fertigen von Komponenten“, erläutert Günter Specht.

Werden die Hallenkapazitäten nun erweitert, erhofft sich der Geschäftsführer nicht nur mehr Platz und mehr Produktionskapazitäten. Auch die Abläufe würden optimiert. Bisher fertigen die Mitarbeiter alles unter einem Dach. Schweißen, Bohren, Nieten, Schleifen findet in unmittelbarer Nähe zur Montage, also dem Zusammensetzen der Maschinen, statt. „Genau das ist aber kritisch, weil Rauch, Abgase und Staub beispielsweise den Lagern schaden können“, sagt Günter Specht. Zukünftig soll die Montage von der Fertigung räumlich getrennt sein – in der neuen Halle ab 2017.