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Gegen die Sucht

Wer Drogen nimmt und sein Leben ändern will oder muss, kann sich anonym helfen lassen. Auch Angehörige kommen.

© Anne Hübschmann

Großenhain. Seit einem Jahr stehen die Großbuchstaben KAM am Büro Dresdner Straße 5. Was passiert dort? SZ sprach mit Ansprechpartnerin Kathrin Büchner.

Was verbirgt sich hinter KAM und wer kommt zu Ihnen?

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KAM steht für Kontakt- und Anlaufstelle für suchtmittelgebrauchende und -missbrauchende Menschen und deren Angehörige. Genau dieser Personenkreis nutzt auch das Angebot – teils aus eigenem Antrieb, teils geschickt vom Jobcenter, Jugendamt oder anderen Behörden. Träger ist die Produktionsschule Moritzburg.

Welche Drogen sind am häufigsten?

Die Klienten der KAM konsumieren vor allem Crystal (knapp 50 Prozent), gefolgt von einem Mischkonsum mehrerer Drogen wegen sozialer Probleme (circa 30 Prozent), reichlich 10 Prozent konsumieren Cannabis bzw. Alkohol, knapp 10 Prozent leiden unter Spiel- und Mediensucht.

Während Alkoholprobleme oft bei Männern vorkommen, ist der Crystalmissbrauch bei jungen Frauen und Männern fast gleich.

Angeboten wird eine Hilfe zur Selbsthilfe, d. h. die Betroffenen müssen selbst angebotene Praktika aufsuchen, Wohnungen besichtigen oder Arzttermine wahrnehmen.

Die KAM leistet auch Hausbesuche, zudem gibt es für Riesa-Großenhain eine mobile Drogenfachkraft für die Prävention, zum Beispiel an Schulen.

Das Büro ist montags von 9 bis 13 Uhr, dienstags bis 12 und von 13 bis 17 Uhr sowie donnerstags zur gleichen Zeit geöffnet. Telefon: 01719718121

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Sind Sie eine Suchtberatung und damit Konkurrenz zur hiesigen Diakonie?

Nein, das sind wir keinesfalls. Unser Angebot wurde Anfang 2016 aufgestellt, weil man merkte, dass eine große Anzahl von Drogenabhängigen bislang nicht erreicht wird. Und dass andererseits die Zahl der Klienten, die nicht therapiemotiviert sind, steigt. Wir bieten daher eine niederschwellige Anlaufstelle, bei der keine Daten erhoben werden und der Erstkontakt unkompliziert erfolgen kann.

Hatte das denn bereits Erfolg?

Ja, wird sind für den Bereich Großenhain, Gröditz, Riesa zuständig und konnten bereits in 32 Fällen aktiv werden. Die Hauptgruppe sind 16- bis 30-Jährige. Zwei Klienten konnten in eine klinische Entwöhnungsbehandlung vermittelt werden. Mit acht Klienten arbeite ich wöchentlich. Fünf Menschen wurden in eine weiterführende Beschäftigung vermittelt, ein Klient konnte seine Arbeitsstelle wieder antreten. Dabei muss man bedenken, dass suchtmittelgebrauchende Menschen bis Mitte 30 oft kaum körperliche Einschränkungen bemerken – das kommt dann aber später.

Trotzdem klingen diese Zahlen nicht gerade viel.

Man muss berücksichtigen, dass dahinter eine lange Beziehungsarbeit steckt, bei der erst mal Vertrauen aufgebaut werden muss. Es geht ja um die Wiederintegration in ein normales soziales Leben, das durch die Sucht gestört ist. Diesen Leidensdruck muss der Betreffende auch erst mal haben.

Wie gehen Sie vor, vielleicht auch mit Eltern, wenn die Kinder nicht wollen?

Ich analysiere zuerst behutsam die Ausgangslage. Besonders bei Jüngeren gibt es oft einen Problemmix: Überschuldung, fehlender Schulabschluss, keine Ausbildung oder Arbeit. Dazu kommt ein Mischkonsum mehrerer Drogen mit Doppeldiagnose, zum Beispiel psychischer Erkrankung. Ich versuche dann, in bestehende Hilfesysteme zu vermitteln, Eltern von Jugendlichen zu stabilisieren, jungen Eltern und suchtmittelgebrauchenden Schwangeren nächste sinnvolle Schritte aufzuzeigen. Manchmal ist schon viel gewonnen, wenn der Tagesablauf strukturiert werden kann.

Gespräch: Kathrin Krüger-Mlaouhia