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Gegen Elefantenrennen

Auf einem Abschnitt der A 14 soll es ein Überholverbot für Laster geben. Viele sind für eine zeitliche Begrenzung.

© Uwe Soeder

Von Sylvia Jentzsch

Döbeln. Die Autofahrer würde es freuen, die Lasterfahrer weniger – ein Überholverbot für Lkw auf der A 14 zwischen dem Autobahndreieck Nossen und dem Schkeuditzer Kreuz. Dafür setzten sich der SPD-Landtagsabgeordnete und der ADAC Sachsen ein (DA berichtete).

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Thomas Röber ist seit 35 Jahren Berufskraftfahrer und hat noch keinen Punkt in Flensburg bekommen. Er sei international unterwegs. Aber was er hier in Deutschland erlebe, sei schlimm. Der Pkw-Fahrer stehe immer an erster Stelle. Dabei erlebe er in Frankreich oder in der Schweiz, dass er von Autofahrern vorgelassen werde.

Lasterfahrer fühlen sich in Deutschland diskriminiert

„Das ist hier undenkbar. Gegen die Lasterfahrer wird eher gehetzt“, so Röber. Er spricht sogar von Diskriminierung. Dabei würden er und seine Kollegen nur ihre Arbeit erledigen, die Wirtschaft aufrechterhalten. Und wenn es gegen die Lasterfahrer gehe, frage kaum jemand, welche Kennzeichen die Fahrzeuge haben. Meist seien es welche aus dem Ausland, die an Unfällen beteiligt sind.

Der Fachmann erklärt auch, wie es zu den sogenannten Elefantenrennen kommt. „Unsere Fahrzeuge sind gut ausgestattet und können die vorgeschriebenen 80 Kilometer in der Stunde auch mit Last fahren. Wenn dann vor einem ein Laster langsamer unterwegs ist, beginnen wir zu überholen. Doch was dann passiert, ist unglaublich“, sagte Röber. Die erst langsam Fahrenden würden dagegenhalten und so den Überholvorgang hinauszögern, so Röber. Er spricht von Verkehrs-Rambos, die es sowohl als auch unter den deutschen und den ausländischen Fahrern gebe.

Röber ist gegen ein grundsätzliches Überholverbot. „Wir müssen unsere Fahr- und Ruhezeiten einhalten. Da muss es möglich sein, einen Schwerlasttransport oder einen Kran, die mit 60 Kilometer in der Stunde unterwegs sind, zu überholen“, sagte Thomas Röber. Er könne sich aber durchaus auf Abschnitten ein solches Verbot zum Beispiel während der Stoßzeiten vorstellen. Das kenne er auch so von anderen Autobahnen.

Spediteure lehnen ein Überholverbot nicht grundsätzlich ab

Einige Spediteure in der Region Döbeln könnten sich mit einem abschnittsweisen und zeitlich begrenzten Lkw-Überholverbot auf der A 14 durchaus einverstanden erklären. Das würde bedeuten, dass dies zu Stoßzeiten, also wenn die Pendler zur Arbeit unterwegs sind, dieses Verbot gilt. Das könnte zum Beispiel in der Zeit von 6 bis 9 Uhr und von 15 bis 18 Uhr der Fall sein.

Vor allem in den späten und den Nachtstunden sollte das Lkw-Überholverbot aufgehoben werden, da dann nur wenige Autos unterwegs sind. Diese Meinung vertritt zum Beispiel Ernst Meidel, Geschäftsführer der Waldheimer Speditionsgesellschaft (WSG). Er verstehe, dass mit diesem Verbot, die sogenannten Elefantenrennen vermieden werden sollen, durch die gerade bei zweispurigen Autobahnen das zügige Vorbeifahren von schneller fahrenden Fahrzeugen verhindert wird.

Meidel hätte aber lieber, dass das Problem an der Wurzel gepackt würde und die liege in der PS-Zahl der Fahrzeuge. Die sei gesetzlich vorgeschrieben, sei aber nicht mehr zeitgemäß. „Wenn ein 40-Tonnenlaster mit 200 bis 250 PS unterwegs ist, dann wird er kaum die möglichen 80 Kilometer in der Stunde schaffen“, so Ernst Meidel. Dann werde er natürlich von den PS-stärkeren Fahrzeugen überholt. Dass müsste nicht sein, wenn der Gesetzgeber die Mindest-PS-Stärke für eine bestimmte Tonnage erhöhen würde“, so Meidel.

Sollte ein abschnittsweises und zeitlich begrenztes Überholverbot auf dem Abschnitt der A 14 eingeführt werden, ziehe das allerdings auch die notwendigen Kontrollen mit sich. Denn aus der Erfahrung weiß der Geschäftsführer der WSG, dass sich viele Fahrer, vor allem aus anderen Ländern, nicht oder wenig an Vorschriften halten. Generell sieht Meidel ein begrenztes Lkw-Überholverbot als sinnvoll an, um den Verkehr zu entlasten.

Bildung einer Rettungsgasse ist fast unmöglich

Laster, die ewig lange überholen, stören den Verkehrsfluss und die Sicherheit. Deshalb setzte sich der ADAC Sachsen für ein Lkw-Überholverbot ein, so Helmut Büschke, Vorstand Verkehr und Technik vom ADAC Sachsen. Sinnvoll erachtet er ein Verbot in der Zeit von 6 bis 19 Uhr.

Laut Gesetz müsse es beim Überholvorgang eine Differenzgeschwindigkeit von zehn Kilometer in der Stunde geben. Das Überholen dürfe nicht länger als 45 Sekunden dauern und eine Strecke von 1 200 Metern nicht überschreiten. „Zu beobachten ist jedoch, dass es manchmal drei bis vier Kilometer dauert, bis das überholende Fahrzeug einschert“, sagte Büschke. Vorgegeben sei auf der Autobahn für Laster eine Geschwindigkeit von 80 Kilometern in der Stunde. Dabei handle es sich um die Idealgeschwindigkeit. Doch wenn manche Lkw überholen, müssen sie Vollgas geben, um auf 90 oder 95 Kilometer in der Stunde zu kommen. „Sie holen alles aus den Fahrzeugen raus. Das ist an der Rußfahne zu sehen. Damit wird auch die Umwelt verpestet“, so Büschke. Außerdem gehe es beim Lkw-Überholverbot auch um die Sicherheit. Bei einer zweispurigen Autobahn auf der zwei Laster nebeneinander an ein Stauende fahren, könne keine Rettungsgasse gebildet werden.

Ungehinderte Fahrt ist für Mittelsachsens Pendler wichtig

Henning Homann ist nach eigenen Angaben klar, dass ein Lkw-Überholverbot nicht die beste Lösung ist. Es gehe ihm nicht darum. den Fahrern, die einen harten Job haben und ihre Familien nur selten sehen, ihre Arbeit zu erschweren, so der SPD-Landtagsabgeordnete. Es soll nach einer sinnvollen Lösung gesucht werden, das heißt, das Lkw-Überholverbot soll nicht auf den gesamten 100 Kilometern zwischen Nossener Dreieck und Schkeuditz gelten, sondern auf Abschnitten oder es wird zeitlich begrenzt.

„Aufgrund der Rückmeldungen, die ich wegen des Verbotes bekommen habe, lässt sich erkennen, dass mich viele Leute verstehen. Sie wenden sich jedoch immer mit der Bitte an mich, ihre Arbeit nicht unmöglich zu erschweren“, so Homann. Er würde sich auch gern mit Lasterfahrern an einen Tisch setzen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Homann hatte die Diskussion angeschoben, weil gerade für die Region Döbeln, für Berufspendler, die in Mittelsachsen leben, aber in Dresden und Leipzig arbeiten, die A 14 eine besondere Bedeutung hat.

Zurzeit wird beim Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) ein Gutachten ausgewertet. „Es zeichnet sich aber ab, dass es eine Ausweitung von Überholverboten für Lkw wahrscheinlich gibt. Dazu wird es in der kommenden Woche voraussichtlich weitere Informationen geben“ teilte die Pressereferentin Kathleen Brül vom SMWA mit.

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