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Gegenwind für Landrat

Ein Oberlausitz-Theater mit Bautzen steht nicht hoch im Kurs. Das spürt nun Bernd Lange.

Bernd Lange (CDU), hier bei einer Pressekonferenz, ist seit Juni 2008 Landrat des Landkreises Görlitz.
Bernd Lange (CDU), hier bei einer Pressekonferenz, ist seit Juni 2008 Landrat des Landkreises Görlitz. © Wolfgang Wittchen

Die Ankündigung von Landrat Bernd Lange (CDU), erneut über ein Oberlausitzer Theater und dessen Zukunft diskutieren zu wollen, hat ein großes Echo auf der politischen Ebene. Das sind die ersten Reaktionen auf den SZ-Beitrag vom Montag.

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AfD: Keine Experimente bei Theateraufführungen

„Wir können nicht von der Wirtschaft fordern, ihren Mitarbeitern monatlich ein auskömmliches Gehalt zu überweisen, aber uns als Stadt die Doppelmoral leisten, in einem Betrieb 15 Prozent weniger als den Flächentarif zu bezahlen“, so AfD-Landtagsabgeordneter und Görlitzer Oberbürgermeisterkandidat Sebastian Wippel. Und: „Was Bernd Lange mit tatsächlichem Bedarf meint, interpretiere ich dahingehend, dass das Theater Stücke anbieten muss, die dem Publikum auch gefallen.“ Experimentelles Arbeiten sorge selten für volle Ränge. Sebastian Wippel: „Aufführungen, wie die derzeitige von Rossini, sollten daher Priorität genießen, damit die Subventionierung des Einzelplatzes möglichst moderat ausfällt.“

Grüne: Die Menschen wollen das Theater in Görlitz und Zittau

„Diese Diskussion, die der Landrat hier anfängt, ist nicht nachzuvollziehen“, sagt Franziska Schubert, Landtagsabgeordnete und Oberbürgermeisterkandidatin für Görlitz von den Grünen zur Äußerung von Landrat Bernd Lange. Die Theater seien gut nachgefragt. „Die Menschen im Görlitzer Landkreis haben längst entschieden, wie viele Theater sie wollen. Daran wieder grundsätzlich zu rütteln, ist fehl am Platz“, so Franziska Schubert. Damit werde eine Unsicherheit geschürt, die völlig unnötig sei. „Die Theater sind Standortfaktoren für unsere Region. Und diese zu erhalten ist finanziell möglich – der Mehrwert ist ungleich höher. Auch hier halte ich Effizienzdebatten für unangebracht“, so Franziska Schubert. Erst vergangene Woche habe das Landratsamt erklärt, die Kreisumlage zu senken, weil der Kreis es sich endlich wieder leisten kann, freiwillige Aufgaben zu finanzieren. Franziska Schubert: „Schon vor diesem Hintergrund ist die erneute Diskussion, die hier aufgemacht wird, zu hinterfragen.“

Linke: Gemeinsam über die Zukunft des Theaters entscheiden

Im September lehnten die anderen Fraktionen im Kreistag Görlitz den Antrag der Linken unter dem Titel „Zukunft der Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GmbH (GHT) sichern, Spielstätten und Inszenierungsstandorte erhalten, Theater weiterdenken“, ab. Mirko Schultze, Vorsitzender der Linksfraktion im Kreistag und Landtagsabgeordneter sagte: „Ziel war es vor allem, mögliche Änderungen von Anfang an zu begleiten und dabei die Bevölkerung mitzunehmen. Nur wenn uns dies gelingt, werden wir alle auch in Zukunft unser Theater genießen können.“ Nun vollziehe der Landrat eine Kehrtwende. Mirko Schultze dazu: „Wir sehen unsere Forderungen bestätigt und werden darauf dringen, dass eine breite Beteiligung von Kunstschaffenden, von Theaterbesuchenden, von Tarifbeschäftigten, Stadt- und Kreisräten sowie Experten aus der Wissenschaft Basis der kommenden Entscheidungen sein soll – nein, sein muss.“ Das Theater sei ein Ort von übergeordnetem, öffentlichen Interesse und keine Maßnahme der Haushaltsverhandlungen. „Wer ohne die Menschen zu beteiligen, Hand ans Theater legt, sondern wer glaubt, das könne man zwischen zwei Landräten und zwei Oberbürgermeistern und einer Handvoll politischer Freunde ausdealen, der irrt gewaltig“, so Mirko Schultze.

Betriebsrat: Geeintes Gerhart-Hauptmann-Theater ist wichtig

Yvonne Reich ist Betriebsratschefin am Gerhart-Hauptmann-Theater. Sie äußerte sich über Facebook zur neu aufgeflammten Debatte und schreibt unter anderem: „Wir haben mit der festen Überzeugung Theater in der Region zu halten, Fusion, Mitarbeiterabbau inklusive mitgetragen/ertragen. Wir haben ein ,Kulturraumtheater’ mit vier Sparten für die Region Oberlausitz.“ Und an dem Punkt, an dem ein geeintes GHT wichtiger denn je für eine Kulturhauptstadtbewerbung Zittau-Region sei, schlage man solche Töne an.

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