merken

30 Jahre Wir

Gehälter im Osten weit unter Westniveau

Beschäftigte in Ostdeutschland verdienen deutlich weniger als ihre Kollegen im Westen. Und in den neuen Ländern gibt es ein überraschendes Schlusslicht.

Etwas plakativ, aber nicht völlig überzogen: Zwischen West und Ost gibt es ein deutliches Gefälle bei den Gehältern.
Etwas plakativ, aber nicht völlig überzogen: Zwischen West und Ost gibt es ein deutliches Gefälle bei den Gehältern. © Robert Günther/dpa

Düsseldorf. Fast 30 Jahre nach der Wiedervereinigung verdienen Beschäftigte in den neuen Bundesländern auch bei gleicher Qualifikation deutlich weniger als Arbeitnehmer in Westdeutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Danach beträgt der Lohnabstand bei Beschäftigten gleichen Geschlechts, im gleichen Beruf und mit vergleichbarer Berufserfahrung 16,9 Prozent. Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Böckler-Stiftung hatte fast 175.000 Datensätze des von ihm per Umfrage erstellten Lohnspiegels ausgewertet.

Neben Unterschieden in der Wirtschaftskraft ist nach Einschätzung der WSI-Forscher die geringere Verbreitung von Tarifverträgen ein wesentlicher Grund für den Lohnrückstand in den neuen Ländern. "Bei den Tariflöhnen haben die Gewerkschaften inzwischen eine weitgehende Angleichung zwischen Ost und West durchsetzen können", sagte der WSI-Tarifexperte Malte Lübker. So habe das Tarifniveau in Ostdeutschland 2018 bei 97,6 Prozent des Westens gelegen.

Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!

Anspruchsvoller Geschmack, Style, Gemütlichkeit und Markenqualität - dafür steht Möbel Hülsbusch seit über 29 Jahren. Lassen Sie sich von den Wohnideen begeistern und individuell beraten. Jetzt zum Küchen- und Einrichtungsprofi zwischen Dresden und Meißen.

"Aber Tarifverträge können nur da wirken, wo sie auch verbindlich angewendet werden", sagte Lübker. Er verwies auf Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, nach denen 2018 in den neuen Ländern nur 45 Prozent der Beschäftigten nach einem Tarifvertrag bezahlt wurden. Im Westen seien hingegen 56 Prozent gewesen.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Die wirklich wichtigen Unterschiede

Die deutsche Einheit ist allein nach Wirtschaftsdaten noch weit weg. Aber es gibt andere Bereiche, die wichtiger sind. Ein Kommentar von Georg Moeritz.

Symbolbild verwandter Artikel

Der Osten kommt wirtschaftlich voran

Die Situation im Osten ist besser als ihr Ruf, heißt es im Jahresbericht zur Deutschen Einheit. Das Papier listet aber auch alarmierende Entwicklungen auf.

Gefälle von Brandenburg bis Sachsen

Auch der neue Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit hat ein deutliches Lohngefälle festgestellt. Im Jahr 2018 hätten ostdeutsche Vollzeitbeschäftigte immer noch rund 16 Prozent weniger pro Monat verdient als solche in Westdeutschland, heißt es in dem in der vergangenen Woche vorgestellten Bericht. Allerdings sei die Lohnlücke zwischen Ost- und West Jahr kleiner geworden, 2017 habe sie noch 19 Prozent betragen.

Auch zwischen den ostdeutschen Bundesländern gibt es der WSI-Untersuchung zufolge ein Lohngefälle. In Brandenburg sei, auch aufgrund des prosperierenden Berliner Umlandes, der Rückstand im Vergleich zum Westen der Rückstand mit 13,9 Prozent am geringsten. Schlusslicht im Osten sei nicht etwa wie zu vermuten Mecklenburg-Vorpommern, sondern Sachsen, wo die Verdienste um 18,2 Prozent unter dem Niveau für vergleichbare Tätigkeiten im Westen lägen.

Besonders groß ist der Lohnrückstand der Studie zufolge bei Beschäftigten, die nach ihrer betrieblichen Ausbildung eine kaufmännische Fortbildung oder eine weitere technische Qualifikation erworben haben. Hier verdienten Beschäftigte in Ostdeutschland 18,4 Prozent weniger als im Westen. Bei Tätigkeiten, für die in der Regel ein Hochschulabschluss Voraussetzung sei, betrage der Rückstand hingegen 15,4 Prozent. (dpa)

Ökonomische und soziale Situation Ostdeutschlands bei der Böckler-Stiftung

Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit