merken

Geheimniskrämerei im Steinbruch

Die Firma Ahrens Transport plant eine Recyclinganlage für Gleisschotter. Der Gemeinderat weiß davon nichts und ist sauer.

© Klaus-Dieter Brühl

Von Jörg Richter

Anzeige
Auf den Spuren des „Weißen Goldes"

Erhalten Sie am 23.11. exklusive Einblicke in die Meissner Porzellanwelt. Jetzt zwei Tickets zum Preis von einem sichern!

Brößnitz. Der Gemeinderat Lampertswalde hat am Donnerstagabend über einen Bebauungsplan zur Errichtung einer Abfallbehandlungsanlage beraten. Antragsteller ist die Firma Ahrens Transport. Laut SZ-Informationen möchte sie auf einem Teil des Betriebsgeländes von Baustoffe Flechtingen Gleisschotter aufbereiten. Beide Unternehmen gehören zur Matthäi-Gruppe, unterstützen sich also in ihren Vorhaben.

„Ja, wir haben vor, hier was zu machen“, sagt Kathrin Klandt, die Brößnitzer Betriebsleiterin von Baustoffe Flechtingen, ohne ins Detail zu gehen. Erst als sie auf die Gleisschotter-Aufbereitungsanlage direkt angesprochen wird, bestätigt sie das Vorhaben. Kathrin Klandt betont, dass es sich dabei um nichtgefährlichen Gleisschotter handelt, der hier aufbereitet werden soll.

Doch genau das bezweifelt Sven Wiedemann-Schulze, der Sprecher der hiesigen Bürgerinitiative Sächsisch-Brandenburger Höhenrücken (BI). Es gebe mehrere wissenschaftliche Gutachten, die bestätigen, dass sich im Gleisschotter nicht nur harmlose Staubanteile befinden, sondern auch Ablagerungen von Ölen und Schmierstoffen. „Und die zählen eindeutig zum Sondermüll“, sagt der BI-Sprecher.

Und noch eines macht ihn und seine Mitstreiter von der Bürgerinitiative stutzig. Alter Gleisschotter lässt sich gut verkleinern und zu Splitt verarbeiten. Das ist ein Ausgangsstoff für Asphalt. „Aus unserer Sicht ist die neue Gleisschotter-Aufbereitungsanlage ein Trick, um perspektivisch in Brößnitz zu einer Asphaltmischanlage zu kommen“, so Wiedemann-Schulze. Um diese zu verhindern, hatte sich einst die Bürgerinitiative gegründet.

Steinbruch-Betriebsleiterin Kathrin Klandt ist ob dieses Verdachtes verärgert. „Das hat überhaupt nichts miteinander zu tun“, dementiert sie. „Wir liefern ja auch Neuschotter für die Bahn. Das ist ein wichtiger Baustein unserer Produktpalette.“

Sie wolle keine weitere Verunsicherung der Leute, sondern stattdessen offen auf sie zugehen. Gutnachbarliche Beziehungen zu Anwohnern sei immer ihr Motto gewesen. „Die Türen stehen für jeden offen, der Fragen hat“, so die Betriebsleiterin.

Sven Wiedemann-Schulze gibt zu, dass seine Sorge eine Vermutung ist. Aber sie sei nicht unbegründet. Er verweist auf einen Bürgerprotest in Lahde (Nordrhein-Westfalen). Ende Mai berichtete der „Minden Kurier“, dass die Firma Ahrens Transport im Industriegebiet Lahde ein Werk zur Aufbereitung von belastetem Bodenaushub und Gleisschotter errichten will. Sogar ansässige Unternehmen wandten sich in einer Petition an den Bürgermeister gegen die Werksansiedlung der Firma Ahrens. Sie befürchten eine starke Emissionsbelastung, die dazu führt, dass die Aufbereitungsanlage unter die Störfallordnung falle. Dies würde bedeuten, dass die Unternehmen Schutzabstand zu Ahrens Transport halten müssten und sie sich selbst nicht erweitern könnten.

Das muss nicht auf Brößnitz zutreffen. Kathrin Klandt verwahrt sich dagegen, dass hier Ängste geschürt werden. Dennoch ist der Gemeinderat Lampertswalde nicht erfreut darüber, dass die beiden Schwesterfirmen Baustoffe Flechtingen und Ahrens Transport bei der Antragstellung auf einen neuen Bebauungsplan nicht von vornherein mit offenen Karten spielen. „Wir können nicht über etwas abstimmen, von dem wir nicht wissen, was es ist“, sagt der Brockwitzer Gemeinderat Jürgen Kummer. „Die Firma Ahrens hat sich bei uns erst mal vorzustellen!“ Dieser Überzeugung war auch die große Mehrheit des Gemeinderates. Ein Mitglied stimmte dem Antrag zu, ein Mitglied sagte Nein, und zehn Gemeinderäte enthielten sich der Stimme. Der Antrag gilt damit als abgelehnt. Vorerst.