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Geheimniskrämerei um Kuckuckstein geht weiter

Für den Eigentümer ist die Investitionsfrist abgelaufen. Zieht die Gemeinde nun Konsequenzen?

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Von Heike Wendt

Ausgerechnet auf der Internetstartseite von Liebstadt steht an vorderster Stelle: „Liebstadt verdankt seinen Ruf als Ausflugsziel in erster Linie Schloss Kuckuckstein.“ Mit dieser Einladung wirbt Bürgermeister Hans-Peter Retzler (Die Linke) für seine Stadt am Fuße des Osterzgebirges.

Die jahrhundertealte Anlage zu erhalten, scheint dem Stadtoberhaupt aber offenbar nicht so sehr am Herzen zu liegen, wie im weltweiten Netz propagiert. Anders ist nicht zu erklären, warum er schriftliche Anfragen der SZ zur Schlosssanierung nach wie vor nicht beantwortet. Liebstadt hatte das Schloss vor fünf Jahren an eine private Gesellschaft verkauft, die sich verpflichtete, 500000 Euro in die Außensanierung zu stecken, und zwar bis Ende Juli 2012.

Die im Kaufvertrag vereinbarte Frist ist seit drei Wochen abgelaufen. Ist etwas am Schloss saniert worden? Wenn ja, was und für wie viel Geld? Die Stadt als Verkäufer des Schlosses will dazu keine Auskunft geben, und auch der Eigentümer, die in Österreich ansässige Global Castle Management GmbH, vertreten durch Geschäftsführer Ralph Neunteufel, hüllt sich auf konkrete Nachfragen in eisernes Schweigen.

Liebstadt hat sich im Kaufvertrag 2007 für den Fall eines möglichen Vertragsbruchs abgesichert. Falls die vereinbarten Sanierungsverpflichtungen nicht erfüllt werden, muss die Schlossgesellschaft für jeden nicht investierten Euro einen Euro Vertragsstrafe zahlen. Hätte das Unternehmen beispielsweise nur 100000 Euro investiert, wären 400000 Euro Strafe an die Gemeinde fällig. Zudem könnte Liebstadt das Schloss zurückfordern.

Stadträten und Bürgern ist das Schloss, eine der schönsten mittelalterlichen Burgen Sachsens, nicht egal. Im Gegenteil, sie fühlen sich mit dem Kuckuck verbunden. Das Wappentier des Schlosses steht seit dem Mittelalter für Wachsamkeit. Nur Antworten gibt es keine. Eine Nachfrage des Heimatvereins Liebstadt zu vereinseigenem Inventar, das sich noch immer im Schloss befindet, blieb unbeantwortet. Anfragen der Stadträte werden in den nichtöffentlichen Teil der Ratssitzungen verwiesen.

Einstweilige Verfügungen

Dabei hatte Hans-Peter Retzler erst am 27. März dieses Jahres persönlich verkündet, vierteljährlich über den Sanierungsstand informieren zu wollen. Dieser Beschluss war in der vorhergehenden Ratssitzung intern gefasst worden.

Inzwischen versucht der Bürgermeister, seine eigenen Stadträte einzuschüchtern. In der Bild-Zeitung äußerte Stadtrat Paul Bolle am 20. Juni: „Bis heute hat Neunteufel noch keine Rechnungen vorgelegt.“ Das wertete Bürgermeister Retzler als Geheimnisverrat und wollte Paul Bolle per Beschluss mit einer Geldstrafe belegen. Allerdings ließen die Stadträte ihrem Bürgermeister das nicht durchgehen. Auf einer internen Sitzung diese Woche stimmten sie nach SZ-Informationen geschlossen gegen Retzlers Antrag.

Liebstadts Einwohner wären froh, die Schlosserhaltung mitverfolgen zu können. Schließlich verspricht der Schlossbesitzer auf seiner Internetseite, er strebe ein „freundschaftliches Verhältnis mit allen Nachbarn und Einwohnern der Gemeinde Liebstadt“ an. Schon im Juni kündigte er – ebenfalls im Internet – an, dass sich jedermann davon überzeugen könne, welche Veränderungen das Haus in den vergangenen fünf Jahren erfahren hat. Einige Fotos sollten kurzfristig auf der Website veröffentlicht werden. Leider ist das wohl vergessen worden, denn bis heute finden Nutzer die angekündigten Bilder auf der Internetseite nicht.

Wie geht es weiter mit dem Schloss? Bürgermeister Retzler sagt nebulös, man werde „das Richtige zur richtigen Zeit tun“. Konkreter wird er in der Öffentlichkeit nicht.