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Geheimnisvolle Kiste zeugt noch von der Flut

Das Juni-Hochwasser spülte Uwe Schmidt Schiffsbaupläne aufs Dach. Nun stockt er auf, um künftig sicher zu sein.

© Tobias Wolf

Von Tobias Wolf

Uwe Schmidt ist kurz angebunden. Der 55-Jährige ist auch ein Jahr nach dem verheerenden Elbehochwasser im Juni 2013 noch immer mit den Folgen der Flut beschäftigt. Damals kämpfte Schmidt auf der Zschierener Elbstraße verzweifelt gegen die braunen Wassermassen. Von seinem Grundstück sind es normalerweise rund 200 Meter bis zum Elbufer. Doch in diesen Tagen steht der Fluss im Wohnzimmer, mit einer Marke von 1,80 Metern mannshoch. Zwar hatte Schmidt einen provisorischen Deich in seinem Garten errichtet. Doch der hält die Fluten nur bis zu einem Pegelstand von acht Metern draußen. Am Ende steht die Elbe bei 8,76 Metern und das Zschierener Häuschen gefühlt mittendrin. Das Erdgeschoss wird dabei komplett zerstört. Schmidt und seine Frau bringen sich in Sicherheit. Nur mit dem Boot kommt er noch zum Grundstück. Immer wieder fährt Schmidt hin, um nach dem Rechten zu sehen.

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Bei einer der Erkundungstouren macht er einen Fund. Auf seinem Garagendach steht eine riesige Kiste, die vorher nicht da war, 200 Kilo Stahl. Schmidt holt Hilfe, zu viert wollen sie die Kiste runterheben. „Aber sie war viel zu schwer, also haben wir sie runtergeschmissen. “ Erst als sie zu sechst sind, können sie die Box unter das Garagenvordach schleppen. Schmidt staunt: Der Inhalt ist trocken. Ein Gummihammer, ein Holzkeil und eine mysteriöse Mappe. Schiffsbaupläne kommen zum Vorschein. Die abgebildeten Schiffsrümpfe sehen aus wie die Frachter, die sonst auf der Elbe Richtung Hamburger Hafen tuckern. Darauf: akkurate Linien, Formen und Längenangaben, die technische Dokumentation eines Ingenieurbüros – auf Tschechisch. Woher die Kiste kommt, ist zunächst ein Rätsel. Nachforschungen der SZ ergeben, dass die Pläne zu einem Unternehmen in Decin gehören. Die Werft Nova Ceske lodenice hat zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal bemerkt, dass die Zeichnungen eines ihrer Zweigbetriebe in Usti nad Labem fehlen. Zu viel ist dort nach der Flut aufzuräumen. Es handelt sich um Pläne für Schleppkähne, die 1990 vom Stapel liefen. Schmidt freut sich. Die Werft will die Pläne einige Wochen später abholen.

Schmidt hat ohnehin andere Sorgen, muss sein eigenes Hochwasserproblem lösen. Das Erdgeschoss seines Hauses ist eine Schlammwüste. Treibgut und Unrat liegen im Garten und davor. Die Einrichtung ist komplett zerstört. „Rund 80.000 Euro Schaden hatten wir.“ Mit lärmenden Bautrocknern kämpft er zehn Wochen lang Tag und Nacht gegen die Nässe in den Wänden. „Wir haben uns in der Zeit eine kleine Notwohnung im Dachstuhl eingerichtet und mit Ohrstöpseln geschlafen.“ Aus der Not wird eine Zukunftsidee. Eine Chance, bei der nächsten Flut nicht mehr flüchten zu müssen. Seit Monaten baut Uwe Schmidt deshalb um. „Wir setzen eine neue Etage auf das Erdgeschoss“, sagt er. Wohnzimmer, Schlafzimmer, Möbel. Alles soll sich künftig oben abspielen. Im Erdgeschoss bleibt nur die Küche. „Wir wollen Sicherheit, denn die nächste Flut kommt bestimmt.“ Den Schaden vom letzten Jahr hat seine Hochwasser-Versicherung bezahlt. Weil er dort noch andere Verträge hat, droht ihm sobald keine Kündigung, hofft er. Die Kiste mit den Schiffsbauplänen hat Schmidt immer noch. Vielleicht kommen die tschechischen Werftmitarbeiter ja doch noch vorbei, um sie zurückzuholen.