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Geheimnisvolle Pfefferkuchen

Mitte April geben die Pulsnitzer Pfefferküchler Einblick in ihre Backstuben. Zuletzt gab es das vor drei Jahren.

© Archivfoto: Ronald Bonß

Von Reiner Hanke

Pulsnitz. Oh, es riecht gut, gilt gerade in Pulsnitz nicht nur in der Weihnachtszeit. Derzeit schieben die Pfefferküchler der Stadt das Gebäck in Form von Osterhasen- und Ostereiern in die Backöfen. Und sie haben ein ganz besonderes Datum im Blick. Der 15. April wird in diesem Jahr quasi zum Tag des Pfefferkuchens. Dann öffnen die neun Pfefferkuchenbäcker der Stadt die Türen zu ihren Backstuben für neugierige Besucher. Erst zum dritten Mal seit 2008 gewähren sie diesen Einblick. Damals feierten die Pulsnitzer Pfefferküchler ihr 450. Jubiläum. Erst 2015 luden sie erneut ein, um ihr Handwerk zu zeigen. Das ja von manchem Geheimnis umwoben ist. Das beginnt schon beim Teig, der oft monatelang in wohltemperierten Kämmerchen gelagert wird. Und dann sind da natürlich die vielen exotischen Gewürze, die den Pulsnitzer Pfefferkuchen ihren Geschmack geben und Rezepturen, die die Pfefferküchler über Generationen bewahren.

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Beste Werbung fürs Handwerk

Noch einmal wollten die Pfefferküchler jedenfalls nicht sieben Jahre verstreichen lassen bis zum nächsten Backstubentermin. Den zogen sie nun sogar noch etwas vor. Eigentlich war erst 2020 die nächste Einladung geplant. Aber gerade so ein Tag sei doch die beste Werbung fürs Handwerk, sagt Obermeister Peter Kotzsch. Und die kann ruhig etwas öfter unter die Freunde der Pulsnitzer Spezialität gebracht werden. Für die kleinen Betriebe sei es freilich keine einfache Sache. In den meisten Backstuben geht es sehr beengt zu. Er selbst teile das Publikum in Gruppen mit maximal 15 Besuchern ein. In so kleinen Räumen lasse sich der Besuch nur per Führung organisieren. Die Gäste erfahren natürlich auch mehr, vor allem auch was Handwerk bedeutet. Etwa 30 Mal nehmen die Mitarbeiter das Produkt in die Hand bevor es im Geschäft liegt. Peter Kotzsch: „Das ist eben echte Handarbeit, ohne Hände gibt es diese Produkte nicht.“ Das sei auch eine Frage der Achtung vor dem Lebensmittel: „Die zollen wir ihm“, sagt Peter Kotzsch. So gebe der Handwerker dem Kunden auch ein Gefühl dafür, dass das seinen Preis hat.

Genau der richtige Zeitpunkt

„Viele fragen natürlich, warum wir nicht gerade in der Weihnachtszeit die Türen öffnen“, sagt Ehefrau Gabi Kotzsch. In der Hochsaison sei einfach nicht die Zeit, das nebenbei zu stemmen. Da geht es rund in der Backstube. Peter Kotzsch sagt, der Frühling sei genau der richtige Zeitpunkt, um Gästen die Backstuben zu zeigen.“ Und schaffe noch einen Höhepunkt zwischendurch. Die Resonanz sei bisher immer gut gewesen, per Telefon und auch in den Läden: „Alle Pfefferküchler freuen sich natürlich, wenn uns Kunden sagen, dass der Tag super war“, erzählt Gabi Kotzsch. Oder „Wir mussten zwar ein bisschen warten, aber es hat sich wirklich gelohnt.“

Den Weg zu den Meistern weist diesmal ein neuer Flyer der Pulsnitzer Kultur- und Tourismusgesellschaft. Den gibt es in der Stadtinformation und bei den Pfefferküchlern. Das Blatt gibt auch noch weitere Infos zu Pulsnitzer Sehenswürdigkeiten und Gaststätten. Der Tag soll ja auch Werbung für die Stadt als Touristenziel sein, sagt der Obermeister. Gut vier Kilometer durch die Stadt muss unter die Schuhsohlen nehmen, wer allen neun Betrieben einen Besuch abstatten will. Aber unterwegs gibt es ja auch eine süße Stärkung. Wer nicht so gut zu Fuß ist, kann die Pferdekutsche nutzen, die an dem Tag durch die Stadt rollt. Und passend zum Pfefferkuchen wird es auch Pfefferkuchenglühwein geben.

Aromatische Mischung

Er selber werde an dem Tag Pfefferkuchenherzen backen, sagt Peter Kotzsch. Die können die Gäste dann auch frisch vom Blech kosten und ohne Glasur oder Schokomantel das Aroma der Gewürze im frischen Pfefferkuchen genießen. Die Mischung von Zimt, Nelken, Anis, Kardamom, Koriander … Für Fragen steht der Meister natürlich zur Verfügung. Die drehen sich auch immer wieder um die Zutaten. Aber die Details der Gewürzmischung bleiben geheim. Ganz groß wird der Pfefferkuchen dann wieder zum Pfefferkuchenmarkt am ersten Novemberwochenende zelebriert. Und wir wissen nun auch, dass Sachsens neuer Ministerpräsident Michael Kretschmer auf das Gebäck steht. Denn er übernimmt diesmal die Schirmherrschaft über das Wochenende rund um den Pfefferkuchen. Jetzt stehen aber erst mal die Osterpfefferkuchen mit Hase und Ei an. Vergleichbar mit der Adventszeit sei das Ostergeschäft freilich nicht, sagt der Obermeister. Aber der Pulsnitzer Pfefferkuchen werde auch zwischendurch immer beliebter. So werde er auch gern als Geschenk und Mitbringsel für jede Gelegenheit gern gekauft, als Gruß aus der Heimat.

Von 10 bis 17 Uhr öffnen am 15. April die Backstuben. Außerdem laden die Geschäfte der Pulsnitzer Innenstadt zum Bummeln ein. Die Blaudruckwerkstatt öffnet außerdem ihr Ladengeschäft, und Madame Rosa zeigt im Puppentheater das Puppenspiel vom Pfefferkuchengespenst.

Im Pfefferkuchenmuseum ist an dem Tag der Eintritt frei.