merken

Geheimnisvolle Vorfahren

In einer neuen Ausstellung wagt das Sorbische Museum Bautzen einen Sprung über 1 000 Jahre zurück ins Land der slawischen Lusizer und Milzener.

© dpa/Miriam Schönbach

Von Miriam Schönbach

Anzeige
Aufgepasst und mitgemacht!

Vorbeikommen, entdecken, mitmachen — wenn in Weißwasser und Zittau die "Lange Nacht der Volkshochschulen" ist. 

Bautzen. Ein paar borstige Wildschweinfelle liegen auf dem Boden. Das Schlaflager wird von einem handbreiten Weidenzaun begrenzt. Schaffelle sollen für die richtige Wärme sorgen. An einem schlichten Holztisch sitzt Peter-Kornelius Kusch von der AG „Stary Lud“ im Heimatmuseum Dissen (Landkreis Spree-Neiße) und bearbeitet mit einer Säge das Geweih eines Hirschs. „Das könnte ein Behälter für Salz werden“, sagt der 36-Jährige. Mit seinen Kollegen vom Freilichtmuseum bei Cottbus baut er derzeit am Sorbischen Museum in Bautzen die Sonderausstellung „Geheimnisvolle Vorfahren. Lebensbilder der Lusizer und Milzener“ auf. Eröffnet wird sie diesen Sonntag.

Die Schau wirft einen Blick mitten ins Leben des slawischen Mittelalters vor über 1 000 Jahren. Anhand archäologischer Funde aus der Lausitz und ihrer Nachbauten wird die Zeit der Besiedlung zwischen dem Ende des 7. Jahrhunderts bis zum 12. Jahrhundert lebendig. „Das Besondere ist, dass wir uns mit einer Fülle rekonstruierter Gegenstände auf den Weg durch die Vergangenheit machen, um Geschichte begreifbar zu machen“, sagt Kusch. Die Mittelalter-Experten aus Dissen haben Dioramen entworfen, die Handwerks- und Lebensbereiche der damaligen Siedler zeigen. Zu sehen ist, wie Eisen verhüttet wurde, wie Glasperlen entstanden, wie geschmiedet wurde, welche Rolle Keramik als „Tupperware“ des Mittelalters spielte – und wie eben so eine Hütte aussah.

Besonders Kinder sollen mit der „Ausstellung zum Anfassen“ für Geschichte interessiert werden. Doch auf den 220 Quadratmetern gibt es auch ganz klassische Vitrinen mit Objekten, wie dem bisher ältesten, gefundenen Gefäß der Region aus dem 7. Jahrhundert, Hacksilber- wie Knochenfunde oder dem Mini-Nachbau der Burganlage in Schönfeld zwischen Lübbenau und Calau. „Dabei beachten wir die jüngsten Forschungen, vieles ist aber auch noch unbekannt. Unsere Ausstellung soll auch ein Auftrag sein weiterzuforschen“, sagt Kuratorin Andrea Paulick vom Sorbischen Museum. Es ist davon auszugehen, dass die Slawen in der Region in kleinen, dörflichen Siedlungen innerhalb eines dichtbewaldeten Gebietes lebten und sich von Landwirtschaft ernährten.

Die Bautzener Ausstellung ist eine Kooperation zwischen dem Freiluftmuseum bei Cottbus und dem Sorbischen Museum. Zu sehen sind mehr als 400 Originalfunde, Rekonstruktionen und Darstellungen des slawischen Alltagslebens im Hof der Ortenburg. Ein umfangreiches Begleitprogramm aus Vorträgen, Führungen und Angeboten für Kinder und Jugendliche ergänzt die Schau bis 3. März 2019. (dpa)

Zur Ausstellungseröffnung am Sonntag, dem 4. November, 15 Uhr, ist der Eintritt frei

Sorbisches Museum, Ortenburg, geöffnet dienstags bis sonntags, 10 – 18 Uhr

www.sorbisches-museum.de