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Geheimsache Superliga

Verlassen Europas Topvereine wie der FC Bayern und Dortmund wirklich die Champions League und spielen ab 2021 in einer eigenen Luxusklasse?

© Zeichnung: Harm Bengen

Von Martin Beils, Florian Lütticke und Thomas Häberlein

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Eislöwen verlängern Vertrag mit Ribnitzky 

Die Dresdner Eislöwen verlängern den Vertrag um ein weiteres Jahr. Der gebürtige Kaufbeurer spielte seit 2016 in der DNL-Mannschaft der Dresden Eislöwen Juniors.

Die Überschrift prangt in großen roten Lettern auf der Titelseite, die Wahl der Worte ist zudem dramatisch: Der Verrat, dazu ein verfremdetes Logo des FC Bayern München mit rausgestreckter Zunge. Als wolle der deutsche Fußball-Rekordmeister „ätsch“ sagen – und sich aus der Bundesliga verabschieden.

Laut dem Nachrichtenmagazin Spiegel, der in seiner Samstagausgabe auf 22 Seiten detailliert über millionenschwere Geheimabsprachen im Profifußball berichtet, wird zumindest die Einführung einer Superliga als Konkurrenz zur Champions League wieder konkreter. Eine Beraterfirma soll Real Madrid im Oktober entsprechende Pläne vorgelegt haben. Demnach, so der Spiegel, sei vorgesehen, dass 16 Topvereine, darunter die Bundesligisten FC Bayern und Borussia Dortmund, eine Absichtserklärung im Laufe dieses Monats unterzeichnen.

Die Idee

Die Planspiele gibt es bereits seit Anfang 2016, nur werden sie jetzt wieder intensiver verfolgt, da im nächsten Jahr die Verhandlungen über die Verteilung der Gelder aus der Champions League ab 2021 anstehen. Derzeit schüttet Europas Fußball-Verband Uefa jährlich Prämien von 2,04 Milliarden an die Vereine der Champions League aus, die erfolgreichsten Vereine bekommen bis zu 100 Millionen Euro. Würden sich die Topklubs in einer eigenen Liga organisieren, so die These, ließen sich deutlich höhere Einnahmen erzielen.

Zu den 16 Vereinen, die laut Spiegel von 2021 an in einer sogenannten Super League spielen könnten, gehören neben dem FC Bayern auch Real Madrid, der FC Barcelona, Manchester United, FC Chelsea, FC Arsenal, Manchester City, FC Liverpool, Paris Saint-Germain, Juventus Turin und AC Mailand als Gründer, die nicht absteigen können. Dazu kämen Atlético Madrid, Borussia Dortmund, Olympique Marseille, Inter Mailand und AS Rom als „anfängliche Gäste“. Im Gespräch ist auch eine zweite Liga, in die nur die Gäste absteigen könnten.

Die damals diskutierte Liga sollte mit Spielen dienstags, mittwochs und samstags über 34 Wochen laufen.

Die Konsequenzen

Vor knapp drei Jahren gingen die Pläne sogar so weit, die Topvereine aus ihren Ligen-Strukturen herauszulösen. Der FC Bayern in Person seines Chefjustiziars Michael Gerlinger hatte von einer Anwaltskanzlei prüfen lassen, ob die Münchner nicht nur aus den europäischen Wettbewerben, sondern auch aus der Bundesliga aussteigen könnten. Durch die folgende Reform der Champions League, die den vier stärksten Ligen jeweils vier Startplätze für die Gruppenphase sichert, war die Superliga dann zunächst kein Thema mehr. Gerlinger sagte dem Spiegel, dass Gedankenspiele zum Ausstieg aus der Bundesliga schnell „völlig vom Tisch“ gewesen seien.

Unbestritten ist, dass derartige Pläne diskutiert wurden. Im Januar 2016 etwa sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge bei einer Veranstaltung der Mailänder Universität Bocconi: „Ich schließe es nicht aus, dass man in Zukunft eine europäische Liga gründet.“ Es bestehe der Bedarf, „das Fußballsystem an die neuen Herausforderungen der Globalisierung anzupassen“.

Nun wird das Thema offenbar neu angegangen. Sollten die Pläne umgesetzt werden, wäre das 2021 das Aus für die von der UEFA getragene Champions League in ihrer jetzigen Form. Die Superliga würde privatwirtschaftlich und damit außerhalb der bestehenden Verbände organisiert werden.

Die Reaktionen

„Das hört sich wirklich sehr schön an, weil es nach viel weniger Spielen und viel mehr Geld klingt“, sagt Jürgen Klopp, Liverpools deutscher Trainer – und will das ausdrücklich als Scherz verstanden wissen. Er sei sehr zufrieden damit, „wie Liga-Fußball momentan ist“.

Die Diskussionen in der Bundesliga hält Rudi Völler derweil für „völlig überhitzt“. Es sei „legitim“, sagt Leverkusens Sportdirektor, „dass die großen Vereine immer überlegen, wie sie mehr Geld verdienen können“. Für Hysterie gebe es aber keinen Grund: „Ich war immer im Bilde und weiß, dass es keine Bundesliga ohne die Bayern und Dortmund geben wird.“ Die Bayern würden „nie auf die Idee kommen“, die Bundesliga zu verlassen, glaubt Schalke-Manager Christian Heidel. Sein Klub war 2016 ebenfalls als möglicher Teilnehmer der Superliga genannt worden. Die Bayern sollten „ruhig gehen“, spöttelte Hannovers Manager Horst Heldt: „Wenn sie feststellen, dass es doch nicht so toll ist, müssen sie in der 4. Liga wieder anfangen.“

DFB-Präsident Reinhard Grindel spricht indes vom Interessensausgleich. „Ziel der jetzt anstehenden Beratungen über die Reform der Klub-Wettbewerbe auf Ebene der Fifa und Uefa muss es sein, für eine gerechte Balance der Interessen der größeren Clubs und des fairen Wettbewerbs in den nationalen Ligen zu sorgen“, sagt er.

Die Dementi

Der FC Bayern reagierte schnell auf den Spiegel-Bericht und wies diesen noch am Freitagabend in einer Pressemitteilung zurück. Neuerliche Pläne für eine Super League seien dem Verein „weder bekannt“, noch habe er „an Verhandlungen hierzu teilgenommen“. Tags darauf erklärte Präsident Uli Hoeneß: „Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, um etwas zu sagen. Das ist eine Falschmeldung.“ Es sieht so aus, als sei der Wirbel um die Superliga ein Sturm im Wasserglas – zumindest vorerst. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke betonte: „Wir fühlen uns in der Bundesliga pudelwohl.“ Es sei klar, „dass wir als Borussia Dortmund auch Optionen prüfen müssen“. Watzke glaube nicht, „dass es schon sehr konkret ist“. Er sagte aber auch: „Im Fußball halte ich alles für möglich.“ (dpa, sid, mit SZ)