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Geheimtraining im Allgäu

Der Gewinn des deutschen Meistertitels war für Aljona Savchenko und Bruno Massot ein Selbstläufer. Die Vize-Weltmeister sind längst auf Olympia fixiert und arbeiten bereits an einem neuen Kurzprogramm.

© dpa

Frankfurt/Main. Pokern für Paarlauf-Gold: Aljona Savchenko und Bruno Massot gehen für den ersehnten Olympiasieg in Pyeongchang ins Risiko. Die Vize-Weltmeister basteln heimlich, still und leise im abgeschiedenen Allgäu an einem neuen Kurzprogramm - bereits dem dritten in diesem Jahr.

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„Entschieden ist noch nichts, aber es kann eine Überraschung geben“, sagte die fünfmalige Weltmeisterin nach dem Gewinn des zweiten nationalen Titels mit ihrem neuen Partner in Frankfurt/Main. Die gebürtige Ukrainerin gilt als die treibende Kraft bei diesem ungewöhnlichen Projekt.

Im während der Sommermonate choreographierten Flamenco hatte sich Massot nicht wirklich wohlgefühlt. Deshalb hatten die Vize-Europameister für das Grand-Prix-Finale in Nagoya den publikumswirksameren Lindy Hop aus dem vorolympischen Jahr reaktiviert - und in Japan damit die gesamte Weltelite besiegt.

Nun einen dritten Anlauf für ein neues Programm zu nehmen, ist angesichts der knappen Zeit ein Wagnis. Aber für die ehrgeizige Aljona war während ihrer beispiellosen Karriere das Bessere stets der Feind des Guten. Und in Südkorea soll beim fünften Versuch mit dem dritten Partner nach zwei Bronzemedaillen 2010 und 2014 endlich olympisches Gold her.

Der Pflichtsieg bei den deutschen Meisterschaften in der Frankfurter Eissporthalle war für das Duo aus Oberstdorf kaum mehr als ein „besseres Training“, wie der gebürtige Franzose Massot einräumte. Aber dem Paar machte auch der Jetlag nach der Rückreise aus dem fernöstlichen Kaiserreich sichtlich zu schaffen.

„Ich wusste zuletzt manchmal nicht mehr, ob Tag oder Nacht ist. Es fühlte sich ziemlich chaotisch im Körper an“, sagte die 33-Jährige. Für Trainer Alexander König war vier Wochen vor den Europameisterschaften in Moskau bedeutsam, „dass Aljona und Bruno derzeit eine innere Ruhe ausstrahlen, die für sie wichtig ist.“

Äußerlich gefasst nahm auch Peter Liebers auf, dass in der hessischen Metropole sein Traum von der zweiten Olympiateilnahme platzte. In den Vorjahren von zahlreichen Verletzungen gebeutelt, kam der Überraschungs-Achte von Sotschi 2014 nicht mehr an seinem Berliner Trainingskollegen Paul Fentz vorbei und wird seine Laufbahn nun nach der EM in Moskau beenden.

„Es gab Phasen, wo man hätte aufgeben können. Aber ich hatte immer Lust, mich nochmal aufzurappeln“, sagte der 29-Jährige, der insgesamt sechs nationale Titel gewann.

Ähnlich ungefährdet wie Fentz sicherten sich auch die Essenerin Nicole Schott sowie die Paarläufer Annika Hocke und Ruben Blommaert (Berlin) ihre Olympiatickets. Etwas knapper ging es im Eistanz zu, am Ende behielten die alten und neuen deutschen Meister Kavita Lorenz und Joti Polizoakis aus Oberstdorf die Oberhand und qualifizierten sich für Pyeongchang. (sid)