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Geht es hier zum Geheimgang der Gräfin Cosel?

Zum Denkmaltag in Stolpen wurde seit 2005 erstmals eine besondere Luke geöffnet. Und es gab eine Überraschung.

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© Steffen Unger

Von Anja Weber

Stolpen. Die Spannung steigt. Was wird sich wohl hinter dieser Luke unterhalb der Burg Stolpen befinden? Irgendetwas Besonderes muss es sein. Warum sonst wurde sie das letzte Mal im Jahr 2005 geöffnet und blieb dann die letzten Jahre verschlossen. Birgt sie vielleicht ein ganz dunkles Geheimnis? Das sollte zum Tag des offenen Denkmals am 11. September gelüftet werden. Cheforganisator Thomas Scholle, von Berufswegen promovierter Geologe, hatte die Luke als eine von 23 Stationen für den Denkmaltag ausgewählt. Und er selbst heizte die Spannung mit seiner Ankündigung noch an.

Ob Tee, Kräuter und Gewürze, Säfte und Früchte: Leckeres zum Schlemmen fanden die Besucher auf dem Naturmarkt wieder reichlich.
Ob Tee, Kräuter und Gewürze, Säfte und Früchte: Leckeres zum Schlemmen fanden die Besucher auf dem Naturmarkt wieder reichlich. © Steffen Unger
Der Brunnen am Stolpener Markt ist eine Augenweide. Er wurde mit herbstlichen Erntegaben dekoriert, die die Stolpener dafür gespendet haben.
Der Brunnen am Stolpener Markt ist eine Augenweide. Er wurde mit herbstlichen Erntegaben dekoriert, die die Stolpener dafür gespendet haben. © Steffen Unger
Martina Ehrt aus Kleingießhübel zeigt auf dem Naturmarkt in Stolpen, was man aus Schafwolle machen kann. Dabei verrät sie natürlich auch Tipps und Tricks.
Martina Ehrt aus Kleingießhübel zeigt auf dem Naturmarkt in Stolpen, was man aus Schafwolle machen kann. Dabei verrät sie natürlich auch Tipps und Tricks. © Steffen Unger

Nur zweimal am Sonntag, 11 Uhr und 14 Uhr, hebt er für je nur zehn Minuten die schwere Platte an. Kurz vor 11 Uhr finden sich reichlich Neugierige ein. Doch bevor Thomas Scholle die Luke öffnet, muss er natürlich einiges erklären. Früher hatte Stolpen zwei Gerichtsbarkeiten, ein Landgericht auf der Burg, wo die schweren Sachen verhandelt wurden, und ein Amtsgericht unterhalb der Burg, die heutige Amtsfronfeste. „Das Gebäude diente auch nach dem Krieg noch als Gefängnis“, erzählt er. Und eben genau gegenüber befindet sich jene geheimnisvolle Luke. Im übrigen sei es auch gar nicht so einfach, den Schlüssel von der Burgverwaltung zu bekommen. Den dürfe er nur eine halbe Stunde vor Öffnung abholen und müsse ihn dann ganz schnell wieder zurückgeben. Dann lässt er die Neugierigen raten, was sich wohl dahinter verbergen könnte.

Ist es vielleicht doch ein Geheimgang zur Burg Stolpen? Vielleicht entkam die Gräfin Cosel in so mancher Nacht ihrem Gefängnis und vergnügte sich mit Stolpener Amtsmännern oder mischte sich vielleicht gar in die Politik ein? Vielleicht traf sie durch den Geheimgang auch heimlich August den Starken wieder, der sie ja eigentlich ganz offiziell auf der Burg hat festsetzen lassen? Es gäbe noch einige Legenden, die die Besucher sich erzählen könnten. Doch dann geht alles ganz schnell. Der Geologe holt die Neugierigen schnell in die Wirklichkeit zurück. Er nimmt den Schlüssel, ein kurzer Ruck, und langsam hebt er die schwere Stahlplatte an.

Muffiger Geruch schlägt den Besuchern entgegen. Ein paar Insekten krabbeln auf dem Boden herum. Fotoapparate klicken. Eine schlammige Treppe ist zu sehen und ein kleiner Raum. Die Begründung ist ganz banal. Bei der Luke und dem nach Öffnung sichtbaren Loch handelt es sich um eine Zisterne. Hier wurde schlicht und einfach Regenwasser gespeichert.

Auch jetzt bei starkem Regen ist die Zisterne noch voll. Das Wasser kann daraus kontrolliert ablaufen. Da es in den letzten Tagen allerdings viel zu trocken war, befindet sich kein Wasser in dem Loch. Wer möchte, kann die paar Stufen hinab steigen. Und Thomas Scholle hat noch so einiges mehr recherchiert. Der Wasserverbrauch in Stolpen habe im 17. Jahrhundert bei etwa zehn bis 30 Litern je Einwohner und Tag gelegen. Heute liegt der Bedarf in Stolpen bei etwa 90 Litern.

„In der Stadt Stolpen wurden deshalb bis zur Einführung der zentralen Trinkwasserversorgung vor allem Zisternen genutzt, in denen Regenwasser und Grundwasser gespeichert wurden“, sagt der Experte. Eine Zwischenspeicherung in Zisternen war unabdingbar. Bei seinen Forschungen zur Trinkwasserversorgung in Stolpen wurde Thomas Scholle auf weitere Zisternen aufmerksam, so am Markplatz und auf dem Vorwerk. Er geht davon aus, dass mit dem Bau der Trinkwasserleitungen zahlreiche Zisternen verschüttet wurden. Und dann ist tatsächlich alles schnell vorüber. Die Luke wird wieder geschlossen. Erst im Jahr 2028, also nach zwölf Jahren werde sie wieder geöffnet, sagt er.