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Geld für Budissa-Kicker – und die anderen?

Die Stadt Bautzen schießt beim Fußballverein 70 000 Euro für Betriebskosten zu. Vertreter anderer Vereine fordern Fair Play – und bringen ein altes Modell ins Spiel.

© Carmen Schumann

Von Sebastian Kositz

Bautzen. Diese Entscheidung sorgt für Wirbel: In der vergangenen Woche hat der Stadtrat nach einer harten Kontroverse die Einmalzahlung von 70 000 Euro an die Fußballer von Budissa Bautzen auf den Weg gebracht. Mit dem Geld will der Verein allen voran die Betriebskosten in seinem Trainingszentrum im Humboldthain abdecken. Doch der exklusive Bonus für Budissa blieb nicht ohne Reaktionen. Andere Vereine mahnen Fair Play an – und könnten so eine Grundsatzdebatte um die Unterstützung des Sports in Bautzen auslösen.

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Die Verantwortlichen von Budissa Bautzen waren im Vorfeld des Stadtratsbeschlusses direkt an die Verwaltung herangetreten, hatten im Rathaus auf die angespannte finanzielle Lage verwiesen. Der Unterhalt der Anlage im Humboldthain – wo nicht nur Männermannschaften, sondern auch die Nachwuchsteams trainieren – kostet jedes Jahr 130 000 Euro. Zudem hat Budissa dort in jüngster Vergangenheit auch reichlich investiert, wie Vize-Präsident Gernot Kliesch betont. In den Ausbau und Erhalt der Anlage sind in vier Jahren etwa eine Million Euro gesteckt worden.

Betriebskosten drücken auf dem Budget

Investitionen und vor allem die laufenden Betriebskosten drücken in Bautzen indes aber auch bei anderen Sportvereinen beständig aufs Budget. Und deren Vertreter sind durchaus verwundert über die finanzielle Extrawurst für Budissa. Dass die Stadt Vereine finanziell bei Investitionen unterstütze, sei nicht ungewöhnlich, sagt Ulrich Schneider, Präsident des MSV 04 Bautzen. Eine Zuzahlung für laufende Betriebskosten hingegen schon. „Wenn das so ist, erwarten wir, dass in Zukunft auch die anderen Vereine über die Sportförderung hinaus bei den Betriebskosten mit von der Stadt bedacht werden“, erklärt der Chef des größten Breitensportvereins in Bautzen mit immerhin 2 000 Mitgliedern. „Wir müssen doch schließlich alle gleichermaßen klarkommen“, sagt Ulrich Schneider.

Genau so sieht das auch die Vorsitzende des Bautzener Tennisclubs, Sigrid Scope. Es gehe schließlich um Gerechtigkeit. Lediglich 125 Euro als Unterstützung für Wettkampffahrten habe der Club im vergangenen Jahr von der Stadt erhalten. Dabei haben auch die knapp 60 Mitglieder des Vereins daran zu knabbern, die jährlichen Betriebskosten für die Anlage in Bautzen-Burk aufzubringen. Gerade durch die Bewässerung der Plätze komme jedes Jahr eine beträchtliche Summe zusammen. „Daher würden wir uns natürlich auch über einen Zuschuss zu den Betriebskosten durch die Stadt freuen“, erklärt Sigrid Scope. Laut Ulrich Schneider hatte die Stadt bereits in früheren Jahren Vereinen auf diese Weise finanziell unter die Arme gegriffen. Einen entsprechenden Passus habe es bereits einmal gegeben, erklärt der MSV-Präsident.

Gernot Kliesch verteidigt indes den Vorstoß seines Vereins in Richtung Stadtverwaltung. „Wir haben den Antrag gestellt, andere haben das nicht“, erklärt Budissas Vize-Präsident. Er könne die Sorgen der anderen Vereine aber gut verstehen – schließlich hätten ja alle das gleiche Problem. Ein genereller Betriebskostenzuschuss durch die Stadt Bautzen könnte auch aus seiner Sicht durchaus eine Lösung darstellen.

„Einmalige Geschichte“

Bei der Entscheidung im Stadtrat über die Zahlung der 70 000 Euro hatte Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (parteilos) in der vergangenen Woche betont, dass es sich dabei um „eine einmalige Geschichte“ handelt. Gernot Kliesch verweist darauf, dass der Verein ohnehin angehalten ist, bei den Kosten jeden Cent umzudrehen. „Es braucht aus meiner Sicht aber eine prinzipielle Betrachtung, wie wir perspektivisch mit den Unterhaltungskosten umgehen“, erklärt Gernot Kliesch.

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Wie im Fall des Humboldthains gehört bei etlichen Sportanlagen der Grund und Boden zwar der Stadt, um die Anlagen darauf kümmern sich allerdings die Vereine – nach dem Prinzip des Erbbaurechts. Entsprechend müssen die Vereine auch die Kosten für die Anlagen tragen. „Das ist für die Vereine eine große Herausforderung, von der die Stadt profitiert“, erklärt Gernot Kliesch, der allen voran auf die Nachwuchsarbeit verweist: Denn damit leisten die Vereine schließlich auch wichtige Sozialarbeit.