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Ein Ehemann ist keine Geldanlage

Frauen haben im Alter oft weniger Geld. Ein Ausweg ist das Drei-Konten-Modell.

© Zeichnung: Mario Lars

Frauen verdienen im Laufe ihres Arbeitslebens im Durchschnitt weniger Geld als Männer. „Der Gender Pay Gap, das ist die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes der Frauen und Männer, liegt bei 20 Prozent“ erklärt Hanne Roggemann vom Institut für Finanzdienstleistungen. Frauen müssen demzufolge oft mit weniger Rente auskommen. Auch die Denkweise „Meine Altersvorsorge ist mein Ehemann“ ist heute noch verbreitet.

Die Coronakrise verstärkt die Probleme: Obwohl Männer und Frauen gleichermaßen von den beruflichen Auswirkungen der Pandemie betroffen sind, reduzieren Frauen nicht nur öfter ihre Konsumausgaben. Sie planen auch öfter als Männer, ihre Altersvorsorge kürzen oder aussetzen zu wollen – 14 Prozent der Frauen, im Vergleich zu vier Prozent der Männer, wie eine Umfrage von Kantar Emnid unter 1.000 Berufstätigen zeigt.

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Besonders in einer Partnerschaft ist es wichtig, möglichst früh über Geld zu reden und die Finanzen offenzulegen. So lässt sich eine gemeinsame Strategie entwickeln. „Dabei sollten die Frauen durchaus ihre eigenen Ziele verfolgen und das auch schriftlich fixieren“, sagt Annabel Oelmann, Vorständin der Verbraucherzentrale Bremen. Denn Frauen haben andere Lebensläufe, sie sind meist länger in Elternzeit, arbeiten oft in Teilzeit, um Familie und Beruf in Einklang zu bringen. Auch in die Pflege älterer Angehöriger sind sie stärker eingebunden.

Doch Frauen sollten auch für sich selbst rechtzeitig vorsorgen. Zwar wissen viele, dass sie das tun sollten. Oft sind es aber erst negative Erlebnisse, wie Trennungen oder ein unerwartet niedriger Rentenbescheid, die sie aktiv werden lassen.

Drei-Konten-Modell empfohlen

Zum Glück finden Frauen heute sehr viel mehr zielgruppenspezifische Informationen zur Geldanlage und Altersvorsorge. „Das war in der Vergangenheit immer ein männerbesetztes Thema“, sagt Roggemann. Nicht nur Magazine nehmen Frauen heute in den Blick, auch immer mehr Blogs oder Podcasts richten sich direkt an eine weibliche Zielgruppe. So informiert beispielsweise das Onlinemagazin Hermoney über Themen wie Elterngeld oder Brückenteilzeit, aber auch über Geldanlagen an der Börse. Auch Geldfrau, Madame Moneypenny oder Fortunalista sind Blogs, die sich direkt an Frauen wenden. Hinter der Plattform Finanz-Heldinnen steht die Commerzbank-Tochter Comdirect. Die Tipps zeigen in der Regel: Geldanlage muss nicht kompliziert sein, jede Frau kann ihr eigenes Tempo wählen. Für die eine ist es sinnvoll, erst einmal mithilfe eines Haushaltsbuches herauszufinden, wofür sie im Alltag Geld ausgibt. Andere brauchen Orientierung für den Kauf von Aktien oder wollen sich über Möglichkeiten für ihre Altersvorsorge informieren. Wichtig ist, sich ein Fundament an Finanzwissen zu schaffen, auf dem man dann weiter aufbauen kann.

Annabel Oelmann empfiehlt Paaren das Drei-Konten-Modell. „Jeder sollte sein eigenes Konto haben und dazu ein gemeinsames Konto für gemeinschaftliche Ausgaben.“ So kann man gut den Überblick über die alltäglichen Ausgaben behalten und sie gerecht verteilen. Für den Ausgleich von finanziellen Nachteilen durch Teilzeitarbeit oder familiäre Belastungen kommt vielleicht ein langfristiger Aktienfonds oder eine andere Sparanlage speziell für den betroffenen Partner infrage, um im Alter besser abgesichert zu sein.

In vielen Haushalten schlummern versteckte Reserven wie teure oder sogar überflüssige Verträge, die über längere Zeit mitgeschleppt werden. Dieses Geld kann besser für Altersvorsorge und Vermögensaufbau genutzt werden. (dpa)

  • Finanzglossar der Verbraucherzentrale Bremen
  • Vermögensrechner
  • Literaturtipps: Katharina Bremer und Jessica Schwarzer: „Finanzheldinnen – Der Finanzplaner für Frauen“, Komplett-Media 2020, 20 Euro
  • Anouk Ellen Susan: „From Blondy to Billionaire – Frauen und Finanzen“, Mediamix Verlag, 14,95 Euro
  • Stefanie Kühn, Markus Kühn: „Geldanlage für Anfänger“, Stiftung Warentest 2020, 19,90 Euro
  • Martin Weber u. a.: „Die genial einfache Vermögensstrategie – So gelingt die finanzielle Unabhängigkeit“, Campus Verlag 2020, 27,95 Euro

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