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Richtig Geld anlegen in Krisenzeiten

Selbst im schlechtesten Fall erzielen Wertpapiere Renditen über dem Schnitt. Doch lohnt es sich jetzt noch, in Aktien einzusteigen?

Von Kornelia Noack
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Aktien auf Talfahrt? Verlustreiche Verkäufe können zumindest noch steuerliche Vorteile bringen.
Aktien auf Talfahrt? Verlustreiche Verkäufe können zumindest noch steuerliche Vorteile bringen. © Alexander Heinl/dpa-tmn

Inflation und Krieg lassen seit Monaten die Kurse schwanken. Katrin Richter, Dirk Gründer und Sven Hensel vom Bundesverband deutscher Banken haben beim Leserforum Fragen dazu beantwortet.

Muss ich mir angesichts der Übernahme der Credit Suisse und der amerikanischen Bankenkrise Sorgen um meine Altersvorsorge machen?

Nein. Eine gute Altersvorsorge besteht aus mehreren Bausteinen und sollte breit gestreut sein. Die Aktienmärkte reagieren derzeit zwar sehr nervös, langfristig bieten sie aber weiterhin die höchsten Renditechancen. Ohnehin ist es sinnvoll, Ihre Altersvorsorge und Ihre Anlagen in regelmäßigen Abständen checken zu lassen. Dabei sollten sowohl Ihre persönliche Situation Berücksichtigung finden als auch die Ereignisse am Kapitalmarkt.

Ich habe die Hälfte meines Vermögens in offene Immobilienfonds angelegt. Soll ich das so lassen?

Der Anteil scheint zu hoch. Als Faustregel spricht man von 15 bis 20 Prozent des Gesamtvermögens. Von daher sollten Sie überlegen, breiter zu streuen. Besprechen Sie das mit Ihrem Berater.

Ich bin 47 Jahre und möchte 10.000 Euro neu anlegen. Mischfonds habe ich bereits. Wie soll ich derzeit investieren?

Das hängt ganz davon ab, wie lange Sie das Geld anlegen möchten und welches Sicherheitsbedürfnis Sie haben. Grundsätzlich ist es wichtig, nicht einseitig anzulegen. Außerdem sollte Ihnen eine Reserve für Notfälle bleiben, etwa auf einem Tagesgeldkonto.

Steht Ihnen das Geld längerfristig zur Verfügung, könnten Sie Ihr Depot um weitere Fonds aus verschiedenen Anlageklassen ergänzen, je nach Risikobereitschaft. Wichtig ist: Nicht die gesamte Summe auf einmal, sondern einige Teilbeträge stufenweise, also zeitlich versetzt, anlegen.

Ich bin 69 Jahre alt und möchte Geld für meinen Enkel ansparen. Kann ich auch in meinem Alter noch einen ETF-Sparplan über zehn Jahre abschließen?

Ja. Sofern Sie das Geld nicht anderweitig benötigen, ist ein ETF- oder Fonds-Sparplan noch sinnvoll. Bereits ab 25 Euro im Monat können Sie langfristig ein kleines Vermögen für Ihren Enkel aufbauen. Bei sinkenden Kursen erhalten Sie für Ihre Sparrate mehr Fondsanteile als wenn die Kurse hoch sind.

Dadurch ergibt sich ein guter Durchschnittskurs – der sogenannte Cost-Average-Effekt. Beachten Sie: Bei ETF- oder Fonds-Sparplänen gibt es keine festen Laufzeiten. Sie können auch zwischendurch jederzeit aussetzen oder Extra-Beiträge einzahlen. Suchen Sie einen ETF aus, der weltweit und branchenübergreifend anlegt.

In Kürze wird meine Lebensversicherung ausgezahlt. Mit der Entwicklung meiner Investmentfonds bin ich zurzeit nicht zufrieden. Gibt es Alternativen?

Anlagen im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere sind wieder attraktiver geworden. Festgeld wäre auch eine Möglichkeit. Denken Sie aber bei Ihren Fonds daran, dass diese für einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont gedacht sind. So können Kursschwankungen einfach „ausgesessen“ werden. Langfristig ist diese Anlageform eine renditestarke Alternative.

Kann ich Verluste von Fonds mit Zinserträgen gegenrechnen?

Verluste aus Verkäufen von Fonds dürfen mit positiven Einkünften aus Kapitalvermögen verrechnet werden, also bei realisierten Kursgewinnen, Zinsen und laufenden Erträgen. Eine Verrechnung mit anderen Einkunftsarten ist nicht möglich. Fallen Gewinne und Verluste bei derselben Bank an, verrechnet das die Bank und überträgt darüber hinausgehende Verluste auch ins neue Jahr.

Wenn Sie jedoch einen Verlust mit Kapitalerträgen verrechnen möchten, die bei einer anderen Bank angefallen ist, geht dies nur nachträglich über die Steuererklärung. Hierfür müssen Sie sich von Ihrer Bank bis zum 15. Dezember eine Verlustbescheinigung geben lassen.

Ich habe 100.000 Euro Vermögen, das auf dem Sparkonto liegt. Eine Bank bietet 3,75 Prozent Zinsen pro Jahr für zwei Jahre. Soll ich alles fest anlegen?

Für einen Teil des Geldes kann Festgeld sinnvoll sein. Aber bedenken Sie, dass der Zinssatz nicht ausreicht, um die aktuelle Inflation von über acht Prozent auszugleichen. Grundsätzlich ist es wichtig, sein Vermögen über verschiedene Laufzeiten und Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder Immobilien zu streuen. Überlegen Sie gemeinsam mit einem Berater, welche Anlagemischung zu Ihnen passt.