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Leben und Stil

Geld zurück ist keine Pflicht

Für ausgefallene Kultur- und Sportveranstaltungen gibt es nicht unbedingt Geld zurück. Auch ein Gutschein ist angemessen, sagt der Bundestag.

Unzählige Veranstaltungen wurde im Zuge der Corona-Pandemie abgesagt. Wer sich vor dem 8. März ein Ticket gekauft hat, bekommt dafür einen Gutschein oder sein Geld zurück.
Unzählige Veranstaltungen wurde im Zuge der Corona-Pandemie abgesagt. Wer sich vor dem 8. März ein Ticket gekauft hat, bekommt dafür einen Gutschein oder sein Geld zurück. © dpa

Berlin. Für Kultur- und Sportveranstaltungen, die wegen der Corona-Krise ausfallen, können Ticketkäufer zunächst auch Gutscheine statt ihr Geld zurückbekommen. Der Bundestag beschloss am Donnerstag eine Regelung der großen Koalition, die Veranstalter vor Finanznöten durch massenhafte Rückzahlungen bewahren soll. Gelten soll dies für Tickets auch für andere Freizeitveranstaltungen, die vor dem 8. März gekauft wurden. 

Kunden sollen aber eine Auszahlung verlangen können, wenn ein Gutschein wegen persönlicher Lebensverhältnisse unzumutbar ist - oder sie den Gutschein bis 31. Dezember 2021 nicht einlösen. Die Opposition protestierte und sprach von Angriffen auf Verbraucherrechte.

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Greifen soll die Lösung für Veranstaltungen wie Konzerte, Festivals, Theatervorstellungen, Filmvorführungen, Vorträge, Lesungen und Sportwettkämpfe. Einbezogen sind auch Veranstaltungen, die an mehreren Terminen stattfinden, wie Musik-, Sprach- oder Sportkurse sowie Dauerkarten zum Beispiel für Heimspiele von Sportvereinen.

Die Gutscheine müssen den Wert des Eintrittspreises samt eventueller Vorverkaufsgebühren haben. Für das Ausstellen und Zusenden dürfen keine Kosten berechnet werden. Der Gutschein kann dann entweder für eine Nachholveranstaltung oder eine andere Veranstaltung eingelöst werden. Möglich ist aber auch, dass Ticketinhaber ihn nicht einlösen - etwa weil ihnen ein Nachholtermin nicht passt oder sie an dem Besuch kein Interesse mehr haben. Dann können sie nach dem 31. Dezember 2021 das Auszahlen des Gutscheinwerts fordern.

Einige Musiker spielen Konzerte ohne Publikum, die sie live online übertragen.
Einige Musiker spielen Konzerte ohne Publikum, die sie live online übertragen. © dpa

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) begrüßte die Regelung. "Sie hilft, mit den Konzert- und Festivalveranstaltern einen wichtigen Kulturbereich durch die Corona-Krise zu retten." Seit Wochen könnten keine Veranstaltungen mit Publikum stattfinden. Das habe bei Veranstaltern zu teils existenzbedrohenden Umsatzeinbrüchen geführt. Die Lösung berücksichtige die Interessen von Unternehmen wie Kunden. "Die Aussicht auf ein kulturelles Erlebnis bleibt genauso erhalten, wie den Veranstaltern unzumutbare Härten erspart werden."

Der SPD-Verbraucherpolitiker Johannes Fechner verwies auf eine dramatische Situation für Veranstalter und Künstler. Es solle verhindert werden, dass die Kulturlandschaft kaputtgehe - auch wenn sich seine Fraktion etwa eine präzisere Härtefallregelung zu den Gutscheinen gewünscht hätte. Die FDP-Abgeordnete Katharina Willkomm kritisierte, Verbraucher würden mit ungesicherten Gutscheinen zu Kreditgebern gemacht. Linke-Fraktionschefin Amira Mohamed Ali sagte, ein zentraler Grundsatz des Zivilrechts werde ausgehebelt, was auch Auswirkungen auf das Vertrauen der Verbraucher habe.

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Zum Stichtag 8. März als Ticket-Kaufdatum wird im Gesetz erläutert, dass ab dann die pandemieartige Ausbreitung des Coronavirus mit Folgen für das gesellschaftliche Leben breit bekannt war. Wenn Veranstalter trotzdem weiter Eintrittskarten verkauften, hätten sie kein besonderes Bedürfnis, vor Rückerstattungen geschützt zu werden. Voraussetzung der Gutschein-Möglichkeit ist, dass eine Veranstaltung wegen eines Verbots oder Kontaktbeschränkungen abgesagt wurde - oder ein Künstler wegen Quarantäne oder Reiseverbots nicht kommen kann. (dpa)

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