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Dresden

Geldauflage für eine Umweltaktion

Dresdner Studenten besprühten nachts eine Werbe-Lore des Freistaats – sofort kam die Polizei. 

So sah die besprühte Lore kurz nach der Aktion aus. © privat

Spätestens seit diesem Prozess könnte der Freistaat mal wieder darüber nachdenken, wie sicher seine Kohle wirklich ist. Ein solcher Spruch: „Wir brauchen sichere Energie – deshalb heimische Kohle“, prangt nämlich auf einer alten Bergbaulore, mit der früher Kohle aus Schächten transportiert wurde. Heute dient die Lore als Blumenkübel und eben Träger dieser zweifelhaften Botschaft am Haupteingang des sächsischen Wirtschaftsministeriums.

Im Juni 2018 haben drei Dresdner Studenten genau diese Botschaft angeprangert. Sie besprühten den Blumenkübel auf Schienen nachts mit „Systemwandel statt Klimawandel“ in knallgelber Farbe. Zum Fotografieren ihres Ensembles, zu dem noch mehrere Transparente gehörten, kamen die Studenten nicht mehr. Schon hatte die Polizei die Umweltaktion beendet.

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Am Donnerstag stand einer der Studenten wegen Sachbeschädigung vor dem Amtsgericht Dresden. Die Farbe, heißt es in der Anklage, habe sich nur unter erheblichem Aufwand entfernen lassen. Der ehrgeizige Strafantrag stammt nicht vom Freistaat als Eigentümer der Lore, sondern von der Staatsanwaltschaft selbst.

„Wir wollten die Lore vorm Ministerium vom 19. ins 21. Jahrhundert holen“, sagte der 26-jährige Angeklagte, der im achten Semester Regenerative Energiesysteme studiert und sich mit dem menschgemachten Klimawandel auskennt. 

Dazu Richter Arndt Fiedler: „Wir demonstrierten früher gegen Atomkraft. Die Jugend heute kämpft für den Klimaschutz. Ist doch begrüßenswert.“ Es sei den Studenten um eine politische Aussage gegangen, nicht um eine Beschädigung. Fiedler stellte das Verfahren gegen den nicht vorbestraften Studenten ein. Die Staatsanwaltschaft setzte jedoch durch, dass der Bafög-Empfänger eine Auflage von 300 Euro zahlen muss.