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Geldautomaten waren zu kompliziert für Diebe

Unbekannte ziehen die Geräte in Rietschen und Lauta aus der Verankerung. Knacken können sie sie nicht. Der Rietschener Automat ist seit Donnerstag wieder in Betrieb.

© Jens Trenkler

Von Thomas Staudt

Rietschen/Lauta. Aufregung, kein Blaulicht, aber Absperrbänder, ein Einsatzwagen und Polizeibeamte, die Fotos machen und mit blauen Handschuhen Spuren sichern. Am Mittwochvormittag ist die Filiale der Sparkasse in der Muskauer Straße in Rietschen ein Tatort. Nicht wie im Fernsehen, sondern ganz real. In der Nacht haben Diebe versucht, den Geldautomaten im SB-Bereich zu knacken. Mit Werkzeugen schaffen sie es, den Automaten gegen 1.22 Uhr aus der Verankerung zu hebeln. Der geht sofort außer Betrieb. Aber an die Geldkassette kommen die Täter nicht heran. Ihr Vorhaben scheitert, sie flüchten. Geld erbeuten sie nicht und auch das Gebäude bleibt unbeschädigt.

Ziemlich genau eine Stunde später brechen Unbekannte in den SB-Bereich einer Sparkassenfiliale im 60 Kilometer entfernten Lautaer Ortsteil Torno ein. Auch hier manipulieren die Täter den Automaten. Laut Polizeibericht versuchen sie offenbar, ein Gas-Luft-Gemisch in der Maschine zu zünden. Aber das Vorhaben misslingt: Die Täter schaffen es nicht, das Gerät zu sprengen. Auch an die Bargeldfächer kommen sie nicht.

Nachdem der Automat Alarm ausgelöst und ein privater Sicherheitsdienst die Meldung überprüft hat, erfährt die Polizei mit einem Zeitverzug von etwa zwanzig Minuten von dem Einbruch. Die Zeit reicht den Tätern zur Flucht. Die Polizei leitetet umgehend eine Ringfahndung ein. Sie führt jedoch nicht zum Erfolg. In Rietschen dagegen wird der Einbruch erst gegen 7 Uhr in der Früh von einem Passanten gemeldet. Ob beide Delikte in einem unmittelbaren Zusammenhang stehen, ist noch offen. Zumindest für die Kunden der Rietschener Filiale konnte die Pressesprecherin der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, Vivien Gneuß, am Donnerstag Positives vermelden: Seit 11.26 Uhr kann der Geldautomat wieder genutzt werden.

Beides sind keine Einzelfälle. In den letzten Jahren gab es mehrere Übergriffe auf Banken in der Region. Erst im Dezember 2017 hatten Unbekannte einen Geldautomaten in Lohsa gesprengt. Knapp zwei Monate zuvor traf es einen Automaten in einer Sparkassenfiliale in Mücka. Die Gebäude wurden in beiden Fällen schwer beschädigt. Schon zwei Jahre zuvor waren Diebe mit einer ähnlichen Masche in derselben Filiale in Mücka erfolgreich. Vor zwei Wochen dann verhaftete die Polizei zwei Männer, die sich an Geldautomaten in Oderwitz zu schaffen gemacht hatten. In ihrem Auto wurden Hilfsmittel für Sprengungen entdeckt. Gegen einen 22-jährigen Rumänen wurde Haftbefehl erlassen, ein 32-jähriger Moldawier ist inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Organisierte Tätergruppen haben Geldautomaten seit geraumer Zeit im Visier. Laut Sabine Vogt vom Bundeskriminalamt (BKA) wurden allein 2016 deutschlandweit 318 Automaten gesprengt, mehr als doppelt so viele wie noch im Jahr zuvor. Etwas aus dem Rahmen fällt dagegen ein Banküberfall auf eine Sparkassenfiliale im Görlitzer Ortsteil Königshufen Ende Januar.

Der Geldautomat in Rietschen ist bis auf Weiteres außer Betrieb. Techniker sollen ihn so schnell wie möglich wieder in Gang setzen. In Oderwitz sei das in sehr kurzer Zeit gelungen, so Vivien Gneuß von der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien. Ob die Sparkassenleitung den SB-Bereich in Rietschen künftig über Nacht (22 bis 6 Uhr ) geschlossen halten wird, ist offen. Die Regelung gilt bereits für acht andere Filialen, darunter Schleife und Rothenburg.

Die Polizei sucht dringend Hinweise zu Personen und Fahrzeugen in den beiden Vorfällen in Rietschen und Torno unter 03581 468-100 ( Führungs- und Lagezentrum).