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Geldeintreiber bedroht Rentnerin

Ruth Sucker erhält Anrufe und Rechnungen, weil sie bei Gewinnspielen mitgemacht haben soll. Immer mehr Dresdner werden von Ivan Milosevic unter Druck gesetzt.

Von Sandro Rahrisch

Das Telefon klingelt. Als Ruth Sucker abnimmt, ahnt sie nicht, dass nervenaufreibende Tage vor ihr liegen. Es meldet sich ein Ivan Milosevic. Ruth Sucker schulde ihr Geld, sagt der Mann mit bedrohlicher Stimme. Sie werde noch von ihm hören. Dann legt er auf.

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Die 81-jährige Dresdnerin ist eingeschüchtert. Vielleicht hat sich der Mann einfach nur verwählt? Nein, Ruth Sucker kommt nicht zur Ruhe. Noch am selben Tag landet ein Schreiben des Inkasso-Unternehmens NTT Telco in ihrem Briefkasten – eine Rechnung über fast 150 Euro. „Ich soll an Gewinnspielen teilgenommen haben“, sagt sie.

„Aber das stimmt nicht. Ich bin da sehr vorsichtig.“ Der Brief, der von Ivan Milosevic unterschrieben wurde, klingt ernst: „Ich gehe davon aus, dass auch Sie ein rechtschaffener Bürger sind, der seinen Verpflichtungen nachkommt und keinen Ärger mit Anwälten und Gerichten wünscht.“ Wenn Ruth Sucker innerhalb einer Woche zahlt, würde der Mann sie in Ruhe lassen. Andernfalls kämen weitere Kosten und Unannehmlichkeiten auf die Rentnerin zu. Das Überweisungsformular liegt schon ausgefüllt bei. Ruth Sucker zweifelt: Ist der Brief echt? Immerhin, sowohl die Adresse als auch das Geburtsdatum stimmen. Sie zahlt nicht. „Zu viel habe ich über Enkeltricks gehört.“ Milosevic lässt nicht locker. Immer wieder ruft er an. Ruth Sucker nimmt nicht mehr ab, lässt ihn auf das Band sprechen. „Diesmal hören Sie mir bis zum Schluss zu, kapiert!“, wird er zudringlicher. Die Dresdnerin hat Angst.

Der vermeintliche Ivan Milosevic ist der Verbraucherzentrale Sachsen kein Unbekannter. Immer mehr Dresdner würden dubiose Briefe und Anrufe des Mannes erhalten, der scheinbar nicht auffindbar ist, sagt Mitarbeiterin Friederike Wagner. Nach SZ-Recherchen befindet sich unter der angegebenen Adresse in Wiesbaden ein Möbelmarkt. Wer die Telefonnummer wählt, hört nur ein kurzes Knacken, dann folgt das Besetztzeichen.

„Wir raten den Betroffenen, auf keinen Fall zu zahlen“, sagt Friederike Wagner. Stattdessen soll die Forderung schriftlich zurückgewiesen werden. Der Verein stellt ein kostenloses Musterschreiben bereit. Außerdem würde es sich empfehlen, einen Nachweis darüber anzufordern, wie der angebliche Vertrag überhaupt zustande gekommen sein soll. Dass Betrüger immer wieder an die Adressen und Geburtsdaten von Dresdnern kommen, verwundert auch die Verbraucherschützer.

„Wahrscheinlich haben die Betroffenen einmal an einer Kaffee-Fahrt teilgenommen und dabei ihre Daten preisgegeben“, sagt Friederike Wagner. Die Betrugsmasche des Ivan Milosevic sei nicht nur in der Landeshauptstadt, sondern deutschlandweit bekannt. Ruth Sucker ist vorsichtig geworden und meldet sich am Telefon nur noch selten mit ihrem Namen. Manchmal lässt sie zuerst den Anrufbeantworter herangehen, um sicher zu sein, dass es nicht wieder Milosevic ist.