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Geldregen für das Gütchen

Mittelherwigsdorf kann für 1,42 Millionen Euro den Saal und das Obergeschoss sanieren, weil der Ort wieder schnell war.

© Matthias Weber

Von Holger Gutte

Mittelherwigsdorf. Genau zum richtigen Zeitpunkt hat die Gaststätte „Zum Gütchen“ in Mittelherwigsdorf sozusagen ein Zeichen gegeben, dass hier schnellstmöglich etwas passieren muss. Just zwei Tage bevor Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) der Gemeinde einen Fördermittelbescheid für die Sanierung des Gebäude-Ensembles überreichen will, fällt hier die Heizungsanlage aus. „Die Leitungen auf dem ungedämmten Dachboden sind geplatzt. Wir haben bis Donnerstag gebraucht, um die 14 Leckstellen zu flicken“, sagt Bürgermeister Markus Hallmann (Freier Wählerverein). Gerade noch rechtzeitig konnte das Haus so wieder beheizt werden.

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Zutritt nicht verboten, sondern erwünscht

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Das ist jetzt dank Fördermittel möglich, die Ministerpräsident Michael Kretschmer (Mitte) der Gemeinde überbrachte. Anteil daran hatte Landtagsabgeordneter Stephan Meyer (links). © Matthias Weber

„Einen Michael Kretschmer hatten wir hier schon im Haus. Einen Ministerpräsidenten noch nicht“, begrüßte der Bürgermeister dann am Freitagabend Sachsens Regierungschef im Gemeindeamt. Und der übergab ihm einen Fördermittelbescheid für 1 065 000 Euro. Mit dem Geld kann die Gemeinde nun den großen Saal vom Gütchen und das Obergeschoss sanieren. 1,42 Millionen Euro kostet das Projekt. Nach dem gerade eröffneten Hortneubau in Mittelherwigsdorf hat die Gemeinde nun zum zweiten Mal beim Windhundrennen um die Fördermillionen des Programmes „Vitale Dorfkerne“ ganz weit vorn gelegen. Und viel weiter vorn ging quasi gar nicht. Der Bürgermeister hatte darauf spekuliert, dass es dieses Programm 2018 wieder geben wird.

Denn Fördermittel erhalten hier nur die schnellsten Antragsteller.

„Kurz vor Weihnachten hatte ich allerdings die Segel streichen wollen, weil es mit den Baugenehmigungen nicht so einfach war“, gesteht er. Aber seine zwei Bauamtsmitarbeiter wollten das nicht. Schließlich war das Projekt zu dem Zeitpunkt schon im Groben fertig. „Vor allem die beiden haben neben dem Alltagsgeschäft Unglaubliches geleistet“, schildert der Bürgermeister. Am 2. Februar ist der Aufruf für das Fördermittelprogramm um 10 Uhr gestartet worden. Eine Stunde später hatte die Gemeinde schon die Unterlagen für das Projekt „Gütchen“ im Kreisentwicklungsamt im Landratsamt abgegeben. Und um 13 Uhr sind sie in Dresden gewesen, schildert er. Er dankt deshalb auch dem Landratsamt für die schnelle Bearbeitung.

Schon vor zwei Jahren hatten sich die Gemeinderäte einstimmig dazu bekannt, das Gütchen samt dem großen Saal zu übernehmen. Die einzige Gaststätte mit einem großen Saal im Ort sollte erhalten bleiben. „Doch damals gab es kein Förderprogramm, dass der Gemeinde hierbei hätte helfen können“, schilderte Landtagsabgeordneter Stephan Meyer (CDU), der die Gemeinde von Anfang an bei dem Projekt unterstützte.

Nun ist das möglich. Die verpachtete Gaststätte selber ist von dem Projekt nicht betroffen. Sie soll auch von den Arbeiten nicht behindert werden. Im Saal werden Heizung und Elektrik erneuert sowie Parkettfußboden, Bühne und Bar aufgearbeitet. Auch eine neue Saaldecke ist dringend notwendig. Sie besteht zum Teil aus Blech und ist ungedämmt. Im Saal werden außerdem neue ebenso große Fenster eingebaut. Zudem sind neue Sanitäranlagen im Erd- und Obergeschoss geplant. „Wir haben dann endlich wieder einen großen Saal für Schuleintritts- und andere Feiern“, sagt Markus Hallmann. Das Erdgeschoss ist dann behindertengerecht und für Rollstuhlfahrer über eine Rampe erreichbar.

Das Treppenhaus zum bisher ungenutzten Obergeschoss soll übrigens verlegt werden. Dort entstehen ein großer Tagungsraum sowie drei kleinere Vereinsräume. Die Volkssolidarität will einen davon nutzen. Und auch der Bäckerchor und die Kirchgemeinde haben schon Interesse bekundet. Schon im Juni/Juli sollen die Aufträge für die Bauarbeiten an Firmen vergeben werden. „Ich finde es toll, dass hier die Zusammenarbeit zwischen Gemeinderat und Verwaltung so gut funktioniert. Du siehst einem Ort an, ob Bürgermeister und Gemeinderat was taugen“, sagt Ministerpräsident Michael Kretschmer.