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Geldstrafe für Steinewerfer

Ein Waldheimer stand wegen Körperverletzung vor Gericht. Um der Strafe zu entgehen, wird sogar ein Gutachten gefälscht.

© Symbolfoto: dpa

Von Helene Krause

Döbeln. Im Zuge einer Auseinandersetzung zwischen einer Gruppe Deutscher und einer Familie aus Kroatien kam es in der Schlossstraße in Frankenberg am Himmelfahrtstag 2016 zu zwei Vorfällen zwischen einem 31-jährige aus der kroatischen Familie, die inzwischen in Waldheim wohnt, und zwei Deutschen. Der Kroate soll einen der Deutschen mit der Axt angegriffen haben. Das Opfer erlitt eine Gehirnerschütterung und Hämatome. Nachdem die Streitigkeiten beendet waren, soll der Kroate einen Felsstein nach einem anderen Deutschen geworfen haben. Das Geschoss verfehlte das Opfer nur knapp. Wegen der Vorfälle stand der Kroate vorm Amtsgericht Döbeln wegen gefährlicher und versuchter gefährlicher Körperverletzung.

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Wegen der Vorfälle am Himmelfahrtstag hatte es schon mehrere Prozesse gegeben. Ein Mitglied der kroatischen Familie war verurteilt worden, weil er versucht hatte, einen Mann aus der Gruppe Deutscher mit einem Pkw zu überfahren.

Wegen des Axtangriffs und des Steinwurfs war der Beschuldigte schon im Juli 2017 im Amtsgericht Döbeln angeklagt worden. Damals sagte der Verteidiger Rechtsanwalt Andreas M. Kohn aus Chemnitz, sein Mandant könne der Verhandlung wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht folgen. Es sollte in Zagreb ein psychiatrisches Gutachten eingeholt werden. Der Prozess wurde daraufhin ausgesetzt (DA berichtete).

In der Verhandlung leugnet der Angeklagte die Taten. Er und Zeugen aus der Familie schildern, dass die Gruppe Deutscher zuerst angegriffen habe. „Eine Axt hatte ich nicht“, sagt der Beschuldigte. Auch den Stein will er nicht geworfen haben. Zeugen aus der Gruppe Deutscher und eine deutsche Nachbarin der Kroaten, die einen Teil der Auseinandersetzung beobachtet hatte, schildern dagegen, dass der Angeklagte hasserfüllt gerufen habe: „Ich bringe Euch alle um!“. Danach hätte er den Stein geworfen. Der bei der Axt-Attacke Geschädigte sagt, eine Frau aus der kroatischen Familie hätte seinen Rucksack gestohlen. „Den wollte ich zurück und bin auf das Grundstück gegangen.“ Daraufhin hätten ihn Mitglieder der Familie geschlagen und getreten. Er sei bewusstlos zu Boden gegangen. Dass er mit der Axt geschlagen wurde, glaubt er nicht. „Da säße ich heute nicht hier“, sagt er. Weitere Zeugen schildern zwar, dass der Angeklagte eine Axt in der Hand hatte, aber ob er damit zuschlug, sahen sie nicht.

Ein psychiatrisches Gutachten aus Zagreb bescheinigt dem Beschuldigten Schwachsinnigkeit. Er wäre seit seiner Kindheit in psychiatrischer Behandlung und würde sehr schlecht Kroatisch sprechen und verstehen, heißt es da. Eine Schule habe er nie besucht und keinen Berufsabschluss. Letzterem widersprach der Angeklagte. Er sagte zu Verhandlungsbeginn, dass er in den Niederlanden die Schule besucht und eine Lehre als Koch abgeschlossen habe. Wie sich in der Verhandlung herausstellt, war ein Onkel mit dem Angeklagten im Zagreb in eine psychiatrische Klinik gegangen. Der Onkel soll dort, so sagen es die Eltern des Angeklagten, die Angaben für das Gutachten gemacht haben. Gutachterin Dr. Kerstin Buchholz aus Arnsdorf kann kein exaktes Gutachten erstellen. Der Angeklagte war bei ihr zur Begutachtung, doch er hatte seine Schwester und deren Freund mitgebracht. Während der Beschuldigte schwieg, redeten seine Schwester und deren Freund. Dass der Angeklagte schwachsinnig sei, hält Buchholz anhand seines Verhaltens und seiner Angaben vor Gericht für widerlegt.

Richterin Karin Fahlberg verurteilt den Angeklagten wegen des Steinwurfs zu einer Geldstrafe in Höhe von 400 Euro (80 Tagessätze zu 5 Euro). Im Falle der gefährlichen Körperverletzung mit der Axt wird er freigesprochen. Fahlberg geht davon aus, dass die Gruppe der Deutschen die kroatische Familie zuerst angriff. In einem Video ist zu sehen, wie Flaschen in das Grundstück der Kroaten fliegen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.