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Geldstrafe nach Kollision mit Erstklässler

Eine Autofahrerin hat ein Kind an der Schule in Altenberg beim Abbiegen verletzt und fuhr weg. Hat sie wirklich nichts bemerkt?

Von Stephan Klingbeil

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Die Erzieherin machte ein Zeichen zum Losgehen – die Ampel an der Dippoldiswalder Straße/Dresdner Straße (B 170) in der Nähe der Grundschule von Altenberg war grün. Die Kinder liefen los. Unter ihnen auch ein Erstklässler, der nur Sekundenbruchteile später er von einem abbiegenden Auto verletzt wurde. Dieser Unfall im Februar beschäftigt nun das Amtsgericht Dippoldiswalde – erneut.

Dort muss sich eine 57-Jährige aus Altenberg verantworten. Der Servicemitarbeiterin wird fahrlässige Körperverletzung und Unfallflucht zur Last gelegt. Sie soll damals mit ihrem Hyundai-SUV rechts in die Dippoldiswalder Straße eingebogen sein – und dabei den Jungen verletzt haben. Wie die Fußgänger habe auch sie selbst damals Grün gehabt.

„Das stimmt“, sagt eine Zeugin, die mit ihrem Wagen an jenem Februartag hinter dem SUV der Angeklagten stand. „Plötzlich ist das schwarze Auto abgebogen, hat das Kind mit dem Kotflügel erwischt und ist einfach weitergefahren“, erklärt die 67-Jährige. „Ich war geschockt.“

Laut Anklage habe sogar zuvor eine Erzieherin auf die Straße nahe der Altenberger Grundschule gestellt und die Arme ausgebreitet, damit die Kinder ungehindert auf die andere Seite gelangen konnten. Dennoch sei die Angeklagte an der Gruppe vorbeigefahren. Bei der Aktion habe sie laut Staatsanwaltschaft einen Erstklässler gestreift. Der Junge soll dabei zu Boden gestürzt und am Fuß verletzt worden sein.

Das Szenario bestätigen weitere Zeugen. Eine Lehrerin etwa, die von der Schule aus zum Bahnhof gelaufen war, hatte den rund 50 Meter entfernten Vorfall mitbekommen. „Gesehen habe ich den Vorfall nicht, aber ich habe eine Art Knall gehört, da war klar, es muss eine Kollision mit einem Auto gegeben haben“, sagt sie. Und auch der Junge, der vor Gericht aussagen musste, sagte, er sei damals „plötzlich von einem Auto am Kopf erwischt“ worden. Aber er trug keine schweren Verletzungen davon. Die Angeklagte bestritt indes zunächst, den Vorfall mitbekommen zu haben. „Ich habe das Kind nicht gesehen und habe auch nicht bemerkt, dass ich es berührt haben soll“, versicherte die Angeklagte.

Von den Vorwürfen gegen sie habe die Frau erst erfahren, als die Polizei später bei ihr zu Hause auftauchte. Da sie beim Prozessauftakt im August bei ihrer Version blieb, musste das Gericht ein Gutachter beauftragen. Er beleuchtete den Vorfall nachträglich, anhand von Polizeifotos, Erfahrungswerten sowie über Wahrscheinlichkeiten, die sich zum Beispiel auf die Körpergröße des Kindes, Verkehrssituation und diverse Eigenschaften des SUV beziehen.

Gutachter zieht eindeutiges Fazit

Der Sachverständige kommt schließlich zu dem Fazit, dass die Angeklagte das Kind hätte sehen können. Und: Sie hätte die Berührung auf jeden Fall spüren und hören, also definitiv mitbekommen müssen. Die Lage wäre damit eindeutig.

Nach einer Unterbrechung zeigte die 57-Jährige dann Reue: „Ich möchte mich bei dem Jungen entschuldigen“. Sie akzeptiere das Urteil. Das Gericht hielt die Ausführungen des Gutachters für schlüssig und folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Altenbergerin wurde zu einer Geldstrafe von knapp 1 400 Euro (60 Tagessätze à 23 Euro) und einem zweimonatigen Fahrverbot verurteilt.