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Geldstrafe wegen Volksverhetzung

Auf Facebook warb ein Mann für Selbstjustiz gegen einen Asylbewerber aus Marokko: Man schlage ihm den Schädel ab!

© dpa

Kamenz. Ein 29-jähriger Großröhrsdorfer ist am Mittwoch vom Amtsgericht Kamenz zu einer Geldstrafe in Höhe von 2 800 Euro verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen, dass sich der junge Mann am 25. Mai des vergangenen Jahres der Volksverhetzung schuldig gemacht hatte. Er hatte auf seinem privaten Facebook-Account die vermeldete Nachricht einer Vergewaltigung einer Minderjährigen durch einen 20-jährigen Asylbewerber aus Marokko in extrem drastischen Worten kommentiert. So sollte mit dem Tatverdächtigen kurzer Prozess gemacht werden, indem man ihm kurzerhand „den Schädel abschlage“.

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Der Großröhrsdorfer bedauerte vor Gericht die „dumme Wortwahl“, wolle sie im Übrigen aber nicht auf die Herkunft des Vergewaltigers, sondern nur auf die Tat selbst bezogen sehen. Er sei generell für die härteste Bestrafung von Kinderschändern, egal woher sie kommen. Diese Einlassung ließ das Gericht aber nicht gelten. Der Angeklagte habe aus seinem Herzen keine Mördergrube gemacht, sei vom Vorgang aber nicht so persönlich betroffen gewesen, dass ein rein emotionales Ausrasten anzunehmen wäre. Auch die Vorstrafen (unter anderem gefährliche Körperverletzung und Raub) sprachen gegen ihn, selbst wenn sie nicht einschlägig sind. Zu den 70 Tagessätzen zu je 40 Euro kommen noch die Kosten des Verfahrens. (SZ)