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Weißwasser

Gelingt die Teufelsaustreibung?

Zweimal müssen die Füchse gegen Bad Nauheim ran. Am Ende könnte Müdigkeit den Ausschlag geben.

Als Bad Nauheim vor einem Jahr in Weißwasser zu Gast war, waren die Füchse Tabellenführer. Damals stand für Weißwasser noch David Kuchejda (vorn links) auf dem Eis, der die Schlittschuhe inzwischen für Crimmitschau anzieht. Vor einem Jahr verloren die Füc
Als Bad Nauheim vor einem Jahr in Weißwasser zu Gast war, waren die Füchse Tabellenführer. Damals stand für Weißwasser noch David Kuchejda (vorn links) auf dem Eis, der die Schlittschuhe inzwischen für Crimmitschau anzieht. Vor einem Jahr verloren die Füc © Gunnar Schulze

Das zurückliegende Wochenende war eine emotionale Berg- und Talfahrt für die Lausitzer Füchse und ihre Fans. Da war das atemberaubend starke Spiel der Jungs von Corey Neilson und der folgerichtige 4:1-Erfolg gegen die Ravensburg Towerstars – samt perfektem Einstand für die kanadische Neuverpflichtung Kale Kerbashian mit einem beeindruckenden Auftritt samt Premierentor.

Und dann war da das Spiel bei den Bietigheim Steelers. Auch da konnten sich die Füchsefans an der Einstellung und Spielweise ihrer Mannschaft erfreuen und lange an einen Auswärtssieg glauben. Aber die Tore wollten nicht gelingen, und am Ende gingen die Weißwasseraner mit einer 4:2-Niederlage aus der Halle. Verdient oder nicht, danach fragt in dieser Liga keiner, es zählt das Ergebnis.

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Die Niederlage am Sonntag tat richtig weh. So musste man Bietigheim auf sieben Punkte Vorsprung davonziehen lassen, statt auf einen zu verkürzen. Die Dresdner Eislöwen holten in Bad Nauheim immerhin einen Punkt und besetzen jetzt den begehrten zehnten Platz mit vier Punkten Abstand vor den Lausitzern.

Auch wenn Coach Corey Neilson eine Mannschaft sah, die ihm in der Art und Weise, wie sie Eishockey lebte, gefiel und er nach der Partie schützend seine Hand über die Jungs hielt: Er wird unter der Woche einiges angesprochen haben, was die Zielstrebigkeit vor dem Tor betrifft. Und fehlerlos war die Lausitzer Abwehr bei den Gegentoren auch nicht, einmal war es das Duo Ondrej Pozivil und Kabub Kania, und dann Oliver Granz und Joel Keussen, bei denen die Abstimmung nicht passte. Auch wenn die Situation, wie gesagt, zu einer Fundamentalkritik nicht taugt, weil Weißwasser in beiden Spielen am Wochenende die bessere Mannschaft war und der Trend seit einigen Wochen nach oben zeigt – genug Stellschrauben gibt es vor den Matches am kommenden Wochenende.

Dann kommt es zum Doppel-Spieltag gegen den EC Bad Nauheim – die Roten Teufel. Das heißt auch: Zwei Spiele in Folge gegen ein Team, gegen das es in dieser Saison noch keine Punkte gab. Im Oktober verloren die Füchse zu Hause knapp mit 1:2, Anfang Dezember ging das Gastspiel in der Wetterau mit 5:3 verloren.

Mychal Monteith verlässt den Verein

Nicht mehr im Weißwasseraner Aufgebot ist Mychal Monteith. Kurz nachdem Kerbashian am vergangenen Freitag sein erstes Tor für Weißwasser erzielte, machte Monteith sein letztes – mit einem beherzten Schuss von halblinks. Das änderte aber nichts daran, dass er in den Augen des Trainers sportlich keine große Rolle mehr spielte. Nach 107 Spielen für die Lausitzer Füchse bat der Verteidiger unter der Woche um seine Freigabe. Die wurde ihm vom Verein erteilt, Coach Corey Neilson habe dem zugestimmt, berichtet Füchse-Sprecher Ronald Byron. Dabei sprechen die Worte von Geschäftsführer Dirk Rohrbach eine deutliche Sprache: „Wir haben der Bitte Mychals entsprochen, weil wir das Gefühl hatten, dass er nicht mehr zu 100 Prozent bei der Sache ist. Beim Kampf um Tabellenplatz zehn erwarten wir jedoch von jedem Spieler eine forcierte Bereitschaft, um das Minimalziel doch noch zu erreichen.“ Offenbar sah man bei Monteith diese Bereitschaft nicht mehr gegeben. Monteith, der zuletzt des Öfteren als Stürmer eingesetzt wurde, habe sich im Team zurückgesetzt gefühlt, sagt Ronald Byron. „Wir danken Mychal Monteith für seinen Einsatz bei den Lausitzer Füchsen und wünschen ihm sportlich und privat auf seinem weiteren Weg alles Gute“, schrieb der Verein branchenüblich zum Abschied.

Unterdessen hatte Bad Nauheim am Dienstag noch ein Nachholspiel zu absolvieren. Es war wegen des Winter-Derbys, das auch Bad Nauheim spielte, verlegt worden. Das hessische Derby spielten die Teufel natürlich gegen die Frankfurter Löwen. Das Freiluft-Prestigeduell gewannen damals übrigens die Frankfurter, das entscheidende Tor im Penaltyschießen machte der in der Lausitz noch gut bekannte Roope Ranta.

Im Nachholspiel unter der Woche trafen die Teufel in Frankfurt wieder auf die Löwen, Frankfurt gewann erneut, dieses Mal souverän mit 4:1 und holte damit den sechsten Sieg in Serie.

Hoffen auf Kräfteverschleiß

Damit verbinden die Füchse eine Hoffnung: Zehrt das Spiel unter der Woche vielleicht entscheidend an den Kräften der Bad Nauheimer? Die noch dazu am Freitag ihre weiteste Auswärtsreise überhaupt antreten müssen. 536 Kilometer sind es bis Weißwasser. Und wieder zurück. Am Sonntag gibt es das Rückspiel im Colonel-Knight-Stadion, benannt nach dem US-Offizier, der das Eisstadion 1945/46 erbauen ließ, hauptsächlich für die in der Region stationierten G.I.s. Seinerzeit hatte es die größte Eisfläche Europas, die für Aufsehen sorgte und viele aus Ostpreußen geflüchtete Eishockeyspieler anlockte – der Beginn der Roten Teufel.

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Teuflisch geht es bei den Bad Neuheimern derzeit zu, wenn man die Effizienz betrachtet. 126 Tore haben sie erzielt, das ist Minusrekord in der Liga – und dennoch sind sie komfortabel Fünfte. 1,76 Tore haben die Teufel bisher pro Punkt geschossen. Zum Vergleich die Füchse: Statistisch mussten sie für jeden Zähler 2,36 mal treffen. Nicht eingerechnet der Aufwand, den die Lausitzer gegen Bietigheim betrieben, und doch mit leeren Händen heimfuhren, weil sie das Tor nicht trafen. Das muss allerdings für das Wochenende nicht viel bedeuten. Wenn sie an die spielerische und kämpferische Leistung der vergangenen Wochen anknüpfen, sollten die ersten Punkte der Saison gegen Bad Nauheim ganz sicher drin sein. In der DEL 2 sind Gewissheiten ohnehin rar gesät. Zur Erinnerung: Ein knappes Jahr ist es her, da reisten die Bad Nauheimer ebenfalls zum Auswärtsspiel nach Weißwasser. Damals, Anfang Februar 2019, waren die Lausitzer Füchse Tabellenführer.