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Gemeinderat lehnt Gnadenhof ab

Das Tierheim soll keine Nutzungsgenehmigung bekommen. Damit ist das Projekt aber noch nicht vom Tisch.

© Dietmar Thomas

Von Eric Mittmann

Ostrau. Der beste Zustand sei jetzt erreicht, ohne Hund. Diese Worte wurden während der Ostrauer Gemeinderatssitzung am Dienstagabend immer wieder wiederholt und spiegelten letztendlich auch den Beschluss der Räte wider: Der Gnadenhof in Jahna soll nicht durch das Tierheim „Wiesengrund“ betrieben werden.

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Das ist eine Entscheidung, über die zuvor während der Sitzung noch hitzig diskutiert wurde. Vonseiten der Räte hieß es, dass noch immer Bedenken innerhalb der Bevölkerung über eine erneute Nutzung des Grundstücks als Gnadenhof herrschen würden. Allein der Fakt, dass eine Zustimmung an Bedingungen gebunden wäre, sei Ausdruck dafür. „Mir kommt das irre vor“, sagte Katrin Leipacher. „Wir hören uns seit Jahren an, dass der Gnadenhof raus soll und nun wollen wir einen. Ich finde das äußerst widersprüchlich.“

Das Grundstück in Jahna war bereits in den vergangenen Jahren für die Haltung mehrerer Hunde genutzt worden, zeitweise auch in illegalen Ausmaßen mit weit mehr als den eigentlich genehmigten Tiere. Für die Anwohner eine enorme Belastung. „Ich bin seit acht Jahren direkter Nachbar des Gnadenhofes und ich wünsche keinem, da zu wohnen“, so Peer Leithold, Geschäftsführer der Firma Agricon. Auch er stimmte dem Konsens der Gegenargumentation bei: „Die beste Situation ist jetzt erreicht. Es sind keine Hunde da und es ist ruhig.“

„In den vergangenen Jahren ist viel Vertrauen kaputt gegangen“, hatte Ostraus Bürgermeister Dirk Schilling (CDU) bereits im Februar während einer Einwohnerversammlung zum Thema Gnadenhof erklärt. Die Teilnehmer stimmten damals einer Nutzung des Gnadenhofes zu, allerdings unter Bedingungen. Das Tierheim müsse Ruhezeiten einhalten und diese auch durch Einsperren der Tiere gewähren. Die Gesamtzahl aller, auch der privat gehaltenen Hunde, dürfe die Zahl 15 nicht überschreiten und die Nutzungsänderungsgenehmigung sei ausschließlich auf das Tierheim zu beschränken. Die Genehmigung würde also enden, sollte der „Wiesengrund“ einmal nicht mehr Betreiber des Gnadenhofes sein.

Dadurch sollte eine unkontrollierte Nutzung wie in den Jahren zuvor und eine Überschreibung an Unbekannte verhindert werden. Das Tierheim war mit den Bedingungen einverstanden und auch vom Landratsamt gab es grünes Licht. „Gemeinsam mit Vertretern des Tierheims waren wir zu einem Gespräch im Landratsamt. Dort wurde uns gesagt, dass die Genehmigung des Gnadenhofes an den Nutzer gebunden werden kann“, verkündete Schilling etwa eine Woche nach der Versammlung. „Wir haben mittlerweile die Unterlagen des Bauplanungsbüros erhalten“, fügte Marlies Przybilla, Leiterin des Tierheims, bei der Sitzung am Dienstag an.

Dennoch keimte auch die Diskussion um die Bedingungen wieder auf. „Wäre nicht ein weiterer Deal möglich? Dass beispielsweise statt 15 Hunden nur noch zwei auf dem Gelände zugelassen sind“, wollte Leithold wissen. Przybilla konterte selbstbewusst: „Hat sich jemand schon einmal über das Tierheim in Ostrau beschwert?“ Die Frage wurde mit Stillschweigen beantwortet. „Diese Diskussion ist mittlerweile ausgeufert“, so Przybilla weiter. „Ich habe sogar schon mehrere Anrufe von Leuten aus Jahna bekommen. Dabei war es nie unsere Absicht, die Situation um den Gnadenhof eskalieren zu lassen, und das ist es auch nicht in Zukunft. Die Hunde sollen dort einen schönen Lebensabend verbringen, das ist in Ostrau nicht möglich. Wir werden auch nicht gleich mit 15 Hunden anfangen, zumal wir sowieso erst eröffnen, wenn alles hergerichtet ist. Und sollte es doch einmal Probleme geben, denke ich, dass wir stets ein guter Ansprechpartner waren und es auch weiterhin sind.“

Bürgermeister Schilling setzte der Diskussion schließlich ein Ende. Der Antrag wurde zum Beschluss gebracht, eine Mehrheit stimmte dagegen.

Wie es mit dem Gnadenhof weitergehen soll, davon hat am Dienstagabend noch niemand gesprochen. Die endgültige Entscheidung über die Nutzungsänderung liege beim Landratsamt, hieß es während der Sitzung. „Dennoch denke ich, dass unsere Entscheidung Wirkung hat“, versicherte Schilling. Das Tierheim wolle indes auch nicht an ein Aufgeben denken. „Wir müssen uns jetzt erst einmal mit unserer Rechtsabteilung zusammensetzen“, sagte Marlies Przybilla. „Wir werden auf jeden Fall weitermachen.“