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Was geschieht mit den alten Eichen?

Anwohner wollen den einstigen Offizierspark im Alten Lager schützen. Der Bürgermeister hält dagegen.

© Sebastian Schultz

Von Antje Steglich

Zeithain. Die Zeithainer Gemeinderäte werden das letzte Wort zum ehemaligen Offizierspark im Alten Lager haben. Das sagte Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos), nachdem Anwohner sich für den Erhalt der Anlage und den bis zu 150 Jahre alten Eichen darauf stark gemacht haben (die SZ berichtete). Ralf Hänsel ist gleichzeitig Geschäftsführer der Entwicklungs- und Verwertungsgesellschaft Altes Lager, deren Hauptgesellschafter die Kommune und Hauptaufgabe die Vermarktung der Flächen ist. Bereits etwas mehr als die Hälfte des Geländes wurde von Enerparc mit Solaranlagen bebaut – und sowohl das Hamburger Unternehmen als auch die Gemeinde haben deutlich gemacht, dass sie an einem weiteren Ausbau großes Interesse haben. Auch die südlichen Flächen in Richtung des Haupteingangs an der Abendrothstraße stehen deshalb potenziell als Pachtflächen zur Verfügung, sagte der Bürgermeister. Damit würde auch der Offizierspark fallen.

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„Meine persönliche Meinung ist: Wenn ich einen Investor habe, ist das für Zeithain wichtiger als ein paar Bäume“, so Ralf Hänsel. Er müsse zudem die Interessen aller Zeithainer im Blick haben, und mit den zusätzlichen Pachteinnahmen könnten zum Beispiel Straßen saniert oder Kita-Beiträge gesenkt werden. „Diese Diskussion fehlt mir bei den Baumschützern.“ Grundsätzlich müsse immer abgewägt werden. „Das mache ich aber nicht allein, ich frage den Gemeinderat“, kündigte der Bürgermeister an. Schon in der nächsten Sitzung im April könnte das der Fall sein.

So schnell würden die Bäume auch nicht fallen, weil erst das Ende der nun beginnenden Brutzeit abgewartet werden müsse. Zudem ist die für den Ausbau der Solarflächen notwendigen Änderung des Flächennutzungs- beziehungsweise Bebauungsplanes noch nicht genehmigt. Die öffentliche Auslegung endete Ende März – und auch Olaf Kaube hat kritische Anmerkungen dazu verfasst.

Der Hobbyhistoriker, der auch Führungen durch das Alte Lager anbietet, hatte auf die ungewisse Zukunft des Offiziersparks hingewiesen – und die Resonanz war groß. „Ich wurde oft darauf angesprochen, viele finden das nicht gut“, so der Neudorfer. Er hofft auf einen Kompromiss, bei dem die alten Bäume trotz Erweiterung der Solarflächen stehen bleiben können. Denn für ihn ist der Park ein Naturdenkmal.

Bisher wurde diese Schutzbedürftigkeit zwar nicht festgestellt – weder bei der Aufstellung des Bebauungsplanes vor vielen Jahren noch bei der Genehmigung zur Waldumwandlung Ende 2017 durch den Landkreis. „Sollte nun im Rahmen der Anhörung zur Änderung des Bebauungsplans doch noch eine Schutzbedürftigkeit festgestellt werden, wäre die Genehmigungsfähigkeit der Planänderung zu prüfen“, erklärt aber nun der Sprecher des Umweltministeriums Frank Meyer. Zudem kann der Offizierspark durchaus auch offiziell als Naturdenkmal ausgewiesen werden. Jedermann kann einen Antrag zur Sicherung des ehemaligen Parks als Naturdenkmal beim Landratsamt stellen, heißt es aus dem Ministerium. Dort müsse dann geprüft werden, ob der Park etwa aus naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen, wegen seiner Seltenheit oder Schönheit oder zur Sicherung des Lebensraumes geschützter Arten geschützt werden müsste. In der Region gelten beispielsweise bereits die Robinien im Schlosshof Strehla oder die Sommerlinden im Pfarrhof Streumen als Naturdenkmäler.

Viel Hoffnung hat Olaf Kaube nach einem Gespräch im Rathaus aber nicht. Es sei eher eine moralische Sache, „und am Ende entscheidet wohl der Euro.“