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Gemeinderat wirft hin

Der Oppacher Christoph Dammert legt sein Amt nieder. Er braucht mehr Zeit für seine Firma. Personal findet er nicht.

© Rafael Sampedro

Von Gabriela Lachnit

Oppach. Christoph Dammert hat sein Amt niedergelegt. Seit 1994 hat er mit Unterbrechung von 2009 bis 2013 als CDU-Mitglied im Gemeinderat Oppach mitgearbeitet. Jetzt hat er sozusagen die Reißleine gezogen. Er schafft es nicht mehr, das Ehrenamt so auszuführen, dass er mit sich selbst im Reinen sein kann. „Ich habe einfach keine Zeit mehr“, hat er dem Gemeinderat in dessen April-Sitzung begründet. Und er führte weiter aus, woran es liegt, dass er sich den Aufgaben des Gemeinderates nicht mehr so widmen kann, wie er es möchte und wie es erforderlich ist. Seine berufliche Situation ist schuld, sagt Dammert, der zudem noch den Fraktionsvorsitz im Rat innehatte. „Jetzt haben die Gemeinderäte sehr viel zu tun, es stehen ja mit der energetischen Sanierung der Schule und mit dem Ersatzneubau der Kita umfangreiche Aufgaben an, die von den Abgeordneten viel Zeit fordern“, sagt Dammert.

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Der 63-Jährige ist in Oppach Inhaber einer Tankstelle. Im Jahr 2022 feiert diese ihr 100-jähriges Bestehen. Ob es damals ebenso schwer war wie heute, wirtschaftlich zu arbeiten, kann Christoph Dammert nicht sagen. Auf jeden Fall weiß er aber, dass sich die Tankstelle nur aus dem Verkauf von Kraftstoffen nicht halten könnte. Schon einmal hatte er eine schwere Zeit zu überwinden, die nur mit familiärer Hilfe zu bewältigen war. Seit die Grenze zu Tschechien offen ist, tanken viele Deutsche beim Nachbarn. Kraftstoffe sind dort billiger. Der Umsatz bei Dammert brach ein.

Jetzt macht er 80 Prozent des Umsatzes mit dem Verkauf von Benzin und Diesel. Aber nur mit 20 Prozent sind Kraftstoffe am Gewinn beteiligt. Die Provision, die Mineralölkonzerne für den Verkauf der Kraftstoffe zahlen, ist seit den 1950er Jahren gleich geblieben. Der Staat hält große Steuerhände auf. Nahezu alle Ausgaben sind im Laufe der Jahre gestiegen. Dammert benennt ein Beispiel: Früher habe er für die Tankstelle im Monat 500 D-Mark für Strom bezahlt, heute sind es etwa 1 100 Euro.

Um überhaupt über die Runden zu kommen, hat der Tankstellen-Chef sich etwas einfallen lassen: Er richtete ein Bistro ein, hat eine Pkw-Waschanlage installiert, bietet Hermes-Versanddienstleistungen und den Service von Post Modern an. Seit 2014 gibt es Mittagessen an der Tankstelle. Jeden Tag werden zwei Gerichte gekocht – mit Zutaten aus der Region und alles frisch. „Das Essen ist fast Bio, wir bereiten alles selber zu“, erläutert Christoph Dammert. Handwerker, Bauarbeiter, Senioren, Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung und viele andere kommen täglich zwischen 11 und 14 Uhr an die Tanke zum Mittagessen. Eine Eismaschine lockt vor allem in diesen Tagen Kunden zum Eis schlecken an. Die Maschine macht viel Arbeit. Aller drei Tage muss sie auseinandergenommen und komplett gereinigt werden. Das macht Dammert selbst. Einschließlich ihm und seiner Ehefrau Angela hat die Tankstelle fünf Mitarbeiter. Die meiste Zusatzarbeit bleibt an den Dammerts hängen. 365 Tage im Jahr ist die Tankstelle geöffnet, gearbeitet wird in zwei Schichten. „Dafür gibts mehr als den Mindestlohn“, sagt der Chef, der selbst in manchem Monat auf rund 400 Arbeitsstunden kommt. Es fehlen Mitarbeiter. Die sind aber nicht zu bekommen, beklagt er. Denn das Geschäft in der Tankstelle verlangt viel von den Mitarbeitern ab. „Da muss man sich auskennen und konzentrieren können“, sagt der Chef. Auch abends, am Wochenende und an Feiertagen wird gearbeitet. Gerne würde er wieder einen Lehrling einstellen. Bewerbungen gibt es viel weniger als in anderen Jahren. Leute, die das Arbeitsamt geschickt hat, waren zum Teil nicht geeignet, wollten sich zum anderen Teil der Herausforderung nicht stellen. So bleibt dem Chef nur, selbst von morgens bis abends im Geschäft zu stehen. Würde eine Mitarbeiterin schwanger, bedeutete das aus gesetzlichen Gründen ein sofortiges Beschäftigungsverbot. Schnell Ersatz zu finden, ist schier unmöglich. Der Chef und die Kollegen müssen einspringen. So hat Christoph Dammert schweren Herzens den Entschluss gefasst, aus dem Gemeinderat auszuscheiden. Zuvor hat er sich jedoch bei dem Oppacher, der in den Gemeinderat nachrückt, versichert, dass der das Ehrenamt annehmen wird.