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Gemeinsam lernen, statt zu trennen

Dresdner spinnen ihre Visionen, wie die Schule der Zukunft aussehen soll. Darin spielt auch Geld eine wichtige Rolle.

© Symbolfoto: dpa

Von Sandro Rahrisch

Dresden streitet, wo das neue Gymnasium Prohlis entstehen soll. Dresden streitet, wer schuld an der maroden Zeigner-Berufsschule ist. Und Dresden streitet über vollgestopfte Klassen. In der Evangelischen Hochschule ging es ausnahmsweise nicht ums Meckern, sondern ums Ideenspinnen: Wie soll die Schule der Zukunft aussehen? Wie kann Dresden Bildung gestalten?

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Gleiche Startchancen, ganz egal, wie viel Geld die Eltern verdienen, ob sie aus Deutschland kommen oder behinderte Kinder haben, ist ein zentrales Thema des Workshops, zu dem die Stadt eingeladen hatte. Zwei Lehrer ins Klassenzimmer stellen würde Professor Holger Brandes, der Rektor der Evangelischen Hochschule. Die Pädagogen, die heute auf 28 Kinder gleichzeitig eingehen sollen, seien überfordert. Außerdem dürften Noten nicht mehr das alles entscheidende Kriterium sein, um weiterzukommen. Lernen müsste den Kindern doch Spaß machen und ihre Neugier wecken, sagte er.

Auch die anderen Teilnehmer wollen für Dresden mehr als nur schicke Schulhäuser. „Ich denke, wir sollten das dreigliedrige Schulsystem mit Grundschule, Oberschule und Gymnasium auflösen und keine Bildungsunterschiede mehr machen“, schlägt ein Mann vor. Eine Dresdnerin fügt hinzu, dass Schule nicht nach der zehnten oder zwölften Klasse enden dürfe – Jugendliche sollten mindestens bis zum 25. Lebensjahr gemeinsam lernen.

Große Veränderungen wünschen sich die Teilnehmer im Schulalltag. Die derzeit angebotenen Fächer hätten nur ein Ziel, nämlich auf den Beruf vorzubereiten. Was fehlt, seien Gedächtnistraining und die Vermittlung verschiedener Lerntechniken, so wie sie Lehrer im Studium beigebracht bekommen. Ein junger Mann vermisst das Fach „Lebenspraxis“, in dem man darauf vorbereitet wird, eine Steuererklärung auszufüllen oder die richtigen Versicherungen für sich zu wählen. Ein Rentner wünscht sich die Möglichkeit des Hausunterrichts. „Es gibt Länder, die es Eltern ermöglichen, ihre Kinder selbst zu unterrichten“, sagt er und findet, dass dies für alle Generationen ein erster Schritt zum lebenslangen Lernen sei. Überhaupt kommt vielen die Erwachsenenbildung in der Stadt zu kurz. „Wie können wir uns davor schützen zu sagen: ‚Ich bin schon fertig mit Lernen‘“, fragt eine Frau. Sich gezielt Wissen anzueignen sei doch heute daran geknüpft, dass man sich zum Beispiel einen Kurs an der Volkshochschule leisten kann. „Könnte ein städtisches Bafög dieses Problem nicht lösen?“

Ein junger Mann schlägt die Gründung eines bürgerlichen Lernzentrums vor, indem sich alle Dresdner zu aktuellen Themen wie die Flüchtlingskrise informieren und austauschen können, anstatt einzelne Bürgerforen von der Stadtspitze organisieren zu lassen. Dazu gehöre, dass die Stadtverwaltung viel mehr Statistiken veröffentlicht als bisher, findet ein Teilnehmer. Rohdaten seien eine Wissensquelle, die noch nicht durch Meinungen verzerrt sei.

Ideen sollen umgesetzt werden

Die Visionen von der Schule der Zukunft nimmt Norbert Rost mit ins Rathaus. Er leitet das Projekt „Zukunftsstadt Dresden“, ein Städtewettbewerb, den das Bundesforschungsministerium ausgeschrieben hat. In dieser ersten Phase, die noch bis April läuft, sammeln die 51 teilnehmenden Kommunen Ideen, wie ihre Stadt bis 2030 zukunftssicher gestaltet werden kann. Dafür bekommt die Stadt 35 000 Euro. Kann Dresden mit den gesammelten Visionen überzeugen, schafft es die Stadt in die zweite Phase, in der sie ab Herbst mit 250 000 Euro konkrete Pläne schmieden kann.