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„Genau so haben wir das früher gemacht“

62 Menschen leben im Dippser Pflegeheim der Diakonie. Ein Blick hinter die Türen des Hauses.

© Egbert Kamprath

Von Franz Herz

Dippoldiswalde. Ein Nähkorb steht auf dem Tisch, daneben ein Wollknäuel, Topflappen, Stickrahmen und eine Nähmaschine. Um den Tisch stehen und sitzen neun Frauen, sieben Bewohnerinnen des Pflegeheims „Johann Hinrich Wichern“ des Diakonischen Werks in Dippoldiswalde, die Ergotherapeutin Christiane Knobloch und Alltagsbegleiterin Kerstin Göhler. Sie machen mit den Bewohnern den regelmäßigen „Quasselnachmittag“, heute zum Thema Handarbeit. Die älteren Damen erinnern sich: „Genau so haben wir das früher gemacht“. „Bei uns im Haus haben wir jeden Tag so ein Angebot“, sagt Ulrike Linke-Arndt. Sie leitet das Heim und ist Geschäftsführerin der gemeinnützigen Seniorenwohn- und Pflegegesellschaft des Diakonischen Werkes Dippoldiswalde. Diese Tochterfirma der Diakonie betreibt das Heim.

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Ingeborg Mix lässt sich nicht beirren. Konzentriert flicht sie ihren Korb, auch wenn gerade wichtige Besucher im Wichern-Pflegeheim in Dippoldiswalde zu Gast sind, wo sie wohnt. Hinter ihr diskutieren (v.l.) Landrat Michael Geisler, Heimleiterin Ulrike Li © Egbert Kamprath

Die Betreuung soll den Bewohnern Anregung geben und sie in ihrer Lebenswelt erreichen. Eines der nächsten Themen für die Quasselrunden ist beispielsweise der Frühjahrsputz. Da gibt es sicher manchen Tipp, der schon vor vielen Jahren ausprobiert worden ist. Manche Bewohner basteln oder flechten Körbe, andere sitzen da und gucken in den Tag. Das Heim ist ein modernes Haus, vor zwanzig Jahren gebaut, hell und luftig. Bei der Einrichtung gehen die Mitarbeiter aber auf den Zeitgeist und die Lebenswelt ein, in der die Bewohnerinnen groß geworden sind und ihr Leben verbracht haben. So mancher Antiquitätenhändler hätte seine Freude daran. Es darf auch jeder Bewohner eigene Möbel mitbringen. „Wir stellen das Pflegebett und den Nachttisch. Der Rest ist frei möblierbar“, erklärt Kristina Albani, die Leiterin des Pflegedienstes. Wenn jemand seine eigenen Möbel mitbringen kann, erleichtert das den Schritt, ins Heim zu gehen, weil er so doch ein Stück seiner vertrauten Umgebung behält.

Das Heim bietet jeden Tag ein Angebot für seine Bewohner. Das reicht vom gemeinsamen Singen über Gesprächsrunden bis zu Terminen mit einer Tiertherapeutin, die mit einem Hund kommt. „Auch ein Pferd, Schafe oder ein Schwein hatten wir schon hier“, sagt Linke-Arndt. Viele ältere Menschen sind ja mit Tieren groß geworden oder haben mit ihnen gearbeitet. Das Wichern-Heim bietet zwei Wohnbereiche, die auf zwei Etagen verteilt sind. Auf jeder leben die Bewohner in vier Wohngruppen, die auch ein gemeinsames Esszimmer haben. Von den 62 Menschen, die hier leben, wohnen 34 in Einzelzimmern und 14 in Doppelzimmern. Die jüngsten sind im Alter von Ende 50, die ältesten Ende 90.

Das Verhältnis der Geschlechter ist sehr unterschiedlich. Derzeit leben 48 Frauen und 14 Männer im Heim. „Das hat verschiedene Gründe“, sagt Linke-Arndt. Die Lebenserwartung von Frauen ist höher und teilweise ist davon auch noch die Kriegsgeneration betroffen, in der viele Männer schon jung gestorben sind. Neben den 62 Wohnplätzen gehört zum Wichern-Heim auch eine Tagespflege. Dort werden ältere Menschen an Wochentagen von 8 bis 16 Uhr versorgt und betreut. Diese Abteilung bietet zehn Plätze und versorgt damit 20 Menschen. „Manche kommen nur ein oder zwei Tage die Woche in die Tagespflege. Wir sind hier aber voll ausgelastet“, erklärt Linke-Arndt. Die Teilnehmer an der Tagespflege werden in der Früh mit dem diakonieeigenen Fahrdienst oder einem Taxi geholt und abends zurückgefahren. Dieses Angebot stößt aber an Grenzen. Dass jemand beispielsweise aus Schellerhau in der Tagespflege ist, funktioniert nur, weil ihn seine Angehörigen fahren.

Im Haus sind 55 Mitarbeiter beschäftigt. Das ist mehr als in den Anfangsjahren des Heims. Zusätzliches Personal ist erforderlich geworden, weil die Bewohner mehr Pflege brauchen. Beispielsweise nimmt der Anteil derer zu, die dement sind oder andere alterstypische psychiatrische Krankheiten haben. Außerdem legte ein neues Gesetz fest, dass seit 2016 jeder Bewohner in einer Pflegeeinrichtung Anspruch auf Betreuung hat. Seitdem beschäftigt das Wichern-Heim auch ein bis zwei sogenannte Alltagsbegleiter in jeder Wohngruppe. „Sie machen genau das, was der Name sagt“, erklärt Linke-Arndt. Sie begleiten die älteren Leute im Alltag, gehen mit ihnen spazieren, lesen vor, spielen mit ihnen, damit jemand da ist für die älteren Menschen. Angeleitet werden sie dabei von ausgebildeten Ergotherapeuten. Um Alltagsbegleiter zu werden, ist ein Kurs erforderlich.

Die Alltagsbegleiter waren eines der Themen, für das sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) interessiert hat, als er im Rahmen seiner Landkreistour auch im Wichern-Heim Station gemacht hat. In seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter ist das Gesetz dafür entstanden.

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