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Genickbruch, na und?

Ein Unfall hätte Tim Don fast umgebracht. Neun Monate und höllische Qualen später kehrt der Triathlet in Hamburg zurück.

© dpa

Von Nicolas Reimer

Er presst die Lippen fest aufeinander, sein Blick ist schmerzerfüllt. Vielleicht wäre es ja doch besser gewesen, auf dieses verfluchte Folterinstrument zu verzichten – nun ist es allerdings zu spät. „Der Arzt versprach mir schon, dass es qualvoll sein wird“, sagt Tim Don rückblickend. Und ja, die vier Titanschrauben, die tief in seinem Schädel stecken und den Genickbruch fixieren, plagen den britischen Triathleten tatsächlich. Tag und Nacht. Jede Sekunde.

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Eine Alternative hatte der mittlerweile 40-Jährige aber nicht, denn unmittelbar nach einer folgenschweren Kollision mit einem Transporter im Oktober des vergangenen Jahres wusste Don, dass er wieder Wettkämpfe bestreiten wollte. „Und der Halo“, so die Bezeichnung des furchteinflößenden Gestells, „war die einzige Möglichkeit, komplett zu genesen und ein aktives Leben zu führen.“

Gut neun Monate nach dem schrecklichen Vorfall, der ihn fast das Leben gekostet hätte, ist Don wieder zurück. In Hamburg feiert er am Sonntag sein Comeback auf der Langdistanz – zuvor hatte der zweifache Familienvater bereits in Boston den Marathon absolviert und über die halbe Ironman-Distanz in Costa Rica triumphiert. In Hamburg muss er jedoch aufs Schwimmen verzichten: Wegen der aktuellen Blaualgenkonzentration wurde die Disziplin kurzfristig gestrichen, stattdessen wird ein dreigeteilter Duathlon mit der Reihenfolge Laufen – Radfahren – Laufen ausgetragen.

Für Don, der in der Ironman-Serie mit 7:40:23 Stunden die Weltbestzeit hält, soll das Rennen in Hamburg ohnehin nur eine Zwischenstation sein. Das Ziel ist die WM im Oktober in Hawaii. Platz fünf muss er mindestens erreichen, um sein Ticket nach Hawaii zu lösen. „Ich werde alles dafür geben“, sagt Don. Das ist er sich, vor allem aber seiner Familie schuldig, die in der Vergangenheit so sehr zurückgesteckt hatte.

Söhnchen Hugo beispielsweise musste fast ein ganzes Jahr auf die geliebten Wrestling-Einlagen nach dem Baden verzichten. Und Dons Ehefrau Kelly, „die musste sich plötzlich um drei Kinder sorgen. Eines davon war auch noch ein alter, mürrischer Mistkerl“, berichtet Don mit einem Lächeln. Vor allem in solchen Momenten habe er sich gefragt, ob eine Operation nicht die viel bessere Lösung gewesen wäre. Der gebrochene C 2-Wirbel hätte damit zwar nicht die alte Stabilität erlangt. Don hätte sich und seinen Liebsten aber jede Menge Qualen erspart. Physisch und psychisch.

Die nahmen erst seit dem 4. Januar ab. Dem Tag, an dem er vom Halo befreit wurde und der seinem Leben wieder mehr Inhalt schenkte. „Sport ist mein Leben“, sagte Don: „Ich kenne keine andere Art.“ (sid)