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Genossenschaften verlangen mehr Unterstützung für Ehrenamt

Alte Menschen sollen möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden leben. Doch oft sind sie dort einsam. Die Wohnungsgenossenschaften wollen helfen, fühlen sich dabei aber ebenfalls alleingelassen.

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Dresden. Die Wohnungsgenossenschaften in Sachsen sehen sich immer mehr als „Sozialarbeiter“ gefragt und verlangen dafür mehr Unterstützung. Angesichts sozialer Kälte und zunehmender Vereinsamung vieler Menschen könnten Genossenschaften bei der Betreuung eine Vorreiterrolle ausüben, erklärte Axel Viehweger, Chef des Verbands Sächsischer Wohnungsgenossenschaften, am Dienstag in Dresden. Von der Politik erwarte man mehr Hilfe bei der Begleitung des Ehrenamtes.

„Das Problem ist: Es tut sich nichts“, sagte Viehweger. Das Ehrenamt bei den Genossenschaften werde als „minderwertig“ angesehen, weil die Leistungen vermeintlich nur Mitgliedern zu Gute kämen. Dabei richteten sich viele Angebote an alle Bürger. Viehweger zufolge geht es bei der geforderten Hilfe nicht vordergründig um Geld, sondern um eine Gleichstellung mit dem Ehrenamt beispielsweise im Sport. Er verwies auf eine fehlende rechtliche Absicherung Betroffener.

Dennoch sind die Genossenschaften nach den Worten des Verbandchefs auf sozialem Feld schon sehr aktiv. So plane Chemnitz demnächst einen „sozialen Hausmeister“ als Ansprechpartner für einsame Menschen. Die Genossenschaft Johannstadt in Dresden gebe jedes Jahr im Schnitt rund 300 000 Euro für soziale Zwecke aus und stelle dabei auch Bänke an Orten der Stadt auf, wo die Genossenschaft selbst keine Wohnungen hat. Finanziert werde das durch Verzicht auf die Gewinnausschüttung.

„Das ist gut angelegtes Geld“, betonte Viehweger. Er will dem sächsischen Sozialministerium demnächst Seniorengenossenschaften nach Schweizer Modell empfehlen - allerdings etwas modifiziert. Zum Erwerb einer gemeinsamen Immobilie per Erbpachtvertrag sollen neben Eigenkapital und einem normalen Hypothekendarlehen der Bank auch zinsgünstige Darlehen der sächsischen Aufbaubank eine Rolle spielen. (dpa)